43 Jahre im Dienst – und ein Leben auf der Insel

Mit vielen Worten des Dankes wurde Ralf Klein in den Ruhestand verabschiedet.
Der Polizist prägte über Jahrzehnte das Sicherheitsgefühl auf Amrum – und wuchs mit der Insel zusammen.
Warum er blieb, obwohl andere weiterzogen, zeigte sich an diesem besonderen Abschied.

Vom Großstadtrevier auf die Insel

Offizielle Verabschiedung von Ralf Klein (rechts) aus dem aktiven Polizeidienst durch Revierleiter Michael Schwartz (links)

Feierlich wurde Ralf Klein nach 43 Jahren Polizeidienst in den Ruhestand verabschiedet. Umringt von Kolleginnen und Kollegen von nah und fern begrüßte der Amrumer die Gäste mit einem Schmunzeln: „Eigentlich sage ich bei offiziellen Anlässen meist: Danke für die Einladung.“ Doch diesmal war es anders – es war sein Abschied aus dem aktiven Polizeidienst auf Amrum.

Der gebürtige Nordrhein-Westfale wurde in Wuppertal ausgebildet und war dort 13 Jahre im Dienst. 1991 kam er erstmals nach Amrum – als Rettungsschwimmer der DLRG. „Danach ging alles ziemlich schnell“, erinnert sich Ralf Klein. Er lernte nicht nur die Insel kennen, sondern auch seine spätere Frau Carmen. Verlobung, Heirat und der Umzug nach Amrum folgten bald.

Mit dem privaten Neuanfang ging auch der berufliche Wechsel einher: vom Großstadtrevier mit schweren Einsätzen auf die Insel – mit nur einem Kollegen und im Sommer zwei Bäderpolizisten. „Das war eine echte Umstellung“, sagt der Pensionär. „Aber wir waren von Anfang an ein gutes Team.“

Teamarbeit, Wandel und Verantwortung

im Namen vieler Kolleg:innen überreichte Dienststellenleiterin der Amrumer Polizeistation Sabine Sartor zusammen mit Revierleiter Michael Schwartz einen umfangreichen Präsentkorb an Ralf Klein

Seinem langjährigen Kollegen Uli Petersen, der bereits vor 15 Jahren in den Ruhestand ging, sprach Klein besonderen Dank aus. Auch Hauptkommissarin Sabine Sartor, Dienststellenleiterin der Amrumer Polizeistation, betonte die Bedeutung seines Wirkens: „Für die Insulaner warst du immer ein bekanntes Gesicht. Die Insel und ihre Menschen lagen dir sehr am Herzen.“

Ehemaliger Dienststellenleiter Henning Schulze erinnerte in einer persönlichen Rede an die vielen Veränderungen während Ralf Kleins Dienstzeit. „Kurz gesagt: von der Schreibmaschine zum Computer.“ Gerade bei technischen Neuerungen habe er Ausdauer und Weitblick bewiesen und die Entwicklung der Polizeistation maßgeblich mitgestaltet.

Einsatz für Amrum – auch über den Dienst hinaus

Ein ganz besonderes Geschenk überreichte als Dank die Jugendfeuerwehr „einen kleinen Ralf”

Auch über den täglichen Polizeidienst hinaus engagierte sich Ralf Klein für die Insel. Auf gemeinsame Initiative der Inselärzte Derichs/Totzauer hin entstanden Übungen von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst zur Vorbereitung auf Massenunfälle. Wie wichtig diese waren, zeigte sich später bei realen Einsätzen – etwa beim Schiffsunglück der Adler im Jahr 2014.

„Während meiner Zeit auf Amrum waren wir fast wie eine Familie“, sagte Henning Schulze. „Mit deiner Pensionierung verlieren wir einen hervorragenden Beamten – aber ich behalte einen Freund. Mit der offiziellen Entlassung aus dem Polizeidienst durch Revierleiter Michael Schwartz (ErsterHauptkommissar)– Urkunde, Unterschrift, Handschlag – endete der formelle Teil der Veranstaltung und persönliche Worte wurden gesprochen. 

Ralf selbst gab einen Rückblick: „Mit 17 Jahren kam ich als Landei aus der Siegerländer Provinz in die Metropole des Bergischen Landes – nach Wuppertal.“ Dort blieb er 13 Jahre, bevor er wegen einer „wunderbaren Geschichte“ von NRW nach Schleswig-Holstein wechselte-nach Amrum. „Hier war plötzlich alles anders, hier kennt man sein polizeiliches Gegenüber. Man ist Nachbar, befreundet, man duzt sich. Das verändert Entscheidungen. Hinzu kommt das autarke Arbeiten:Unterstützung auf Knopfdruck-Fehlanzeige. Verstärkung per Funkspruch-zeitnah nicht möglich. Polizeiliche Maßnahmen wollen hier gut überlegt sein. Und wenn die typische Gastfrage kommt-Was soll denn auf der Insel schon passieren?- Kann ich heute sagen, fast alles“, blickt Ralf Klein auf ein Teil seines polizeilichen Weges zurück. Ein Stück dieses Inselweges war auch sein Engagment an der Öömrang Skuul, Gewaltprävention und die jährliche Fahrradprüfung, waren die offiziellen Aufgaben. Bei Flagfootball Turnieren war Ralf ebenfalls tatkräftig dabei und begleitete Fußballspiele. Die Zusammenarbeit und das Zusammenspiel des Insellebens hat Ralf Klein nicht nur erkannt, er lebt es , bis heute.

Bürgermeister Cornelius Bendixen dankte ihm im Namen aller Amrumer Gemeinden: „Du hast den Slogan ‚Die Polizei – dein Freund und Helfer‘ wirklich gelebt.“

Familie vor Karriere: eine bewusste Entscheidung

Seinen Ruhestand in Öl von Künstler Felix Karweick

Dass man auf einer Insel auch nach Feierabend oft im Dienst ist, wissen alle. Häufig bleibt dabei die Familie auf der Strecke. Für Ralf Klein war sie jedoch stets Priorität. Er verzichtete bewusst auf beruflichen Aufstieg, der ihn zeitweise von Amrum weggeführt hätte. „Ich wollte meine beiden Söhne aufwachsen sehen und an der Seite meiner Frau bleiben“, sagte er.

Zum Abschluss dankte er seiner Familie für den Rückhalt über all die Jahre, und von ihr bekam er dann auch ein sehr persönliches Geschenk: seinen Ruhestand in Öl- maritim und detailliert festgehalten von Künstler Felix Karweick.

Über Kinka Tadsen

Kinka Tadsen erblickte 1972 in Hamburg das Licht der Welt. Aufgewachsen ist sie dann auf Amrum. Abitur hat sie auf Föhr gemacht und sich für eine Fotografenlehre in Bad Oldesloe entschieden. Fotografen- und Lebenserfahrung hat sie in der großen weiten Welt auf diversen Kreuzfahrtschiffen als Bordfotografin gesammelt. 2003 folgte dann die Rückkehr nach Amrum. Seit 2008 gehört sie als freie Journalistin zum Amrum-News Team.

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One comment

  1. Lieber Ralf Aufgrund meiner Abwesenheit konnte ich an deiner Feier leider nicht teilnehmen. Ich habe dich während meiner Amtszeit bei der Feuerwehr und auch im übrigen Geschehen stets als sehr kompetenten, freundlichen und besonnenen Wegbegleiter erlebt. Auch privat war bei dir immer Zeit für einen kleinen Schnack. Ich wünsche dir für deine Zukunft als Pensionär alles erdenklich Gute. Wir sehen uns weiterhin, zum Beispiel in unserem gemeinsamen Ehrenamt. Liebe Grüße derzeit vom Festland. Otti

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