Ein Spaziergang gegen Müll …

Bonbonpapier, Plastikflaschen, alte Fischernetze – vieles landet im Meer. Bei der Frühjahrs-Strandreinigung am 21. März können Einheimische und Gäste gemeinsam etwas dagegen tun. Und die Zahlen zeigen: Jeder eingesammelte Gegenstand zählt.

Sie wollen das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und Ihren Beitrag für eine lebenswerte Insel leisten? Dann kombinieren Sie den Wochenendspaziergang doch einfach mit ein wenig Müllsammeln und machen Sie mit beim diesjährigen Frühjahrsputz der Strände: Am Samstag, den 21.03., laden die Amrumer Gemeinden mit Unterstützung der Amrum Touristik Einheimische und Gäste zur vorsaisonalen Strandreinigung ein.

Der meiste Müll, den man am Strand findet, sind Teile von Fischernetzen und Schiffstauen. © Nina Löschner

Wenn Müll zur Gefahr für Tiere wird

Besonders dankbar für Ihre Unterstützung sind Ihnen nicht nur die Insulaner und Naturschutzverbände – auch die Tierwelt profitiert von einem sauberen Strand. Vögel und Seehunde verheddern sich in Plastikschnüren alter Fischernetze oder verwechseln glitzernde Bonbonpapiere mit glänzenden Heringen. Wie dramatisch die Auswirkungen der Vermüllung auch bei uns an der Nordsee sind, zeigen die seit 2003 regelmäßig durchgeführten Analysen der Mageninhalte toter Eissturmvögel: In nahezu allen Funden wird Kunststoffmüll nachgewiesen. In rund jedem zweiten Magen der Hochseevögel übersteigt der Anteil mit 0,1 Gramm Plastik den kritischen Grenzwert. Verglichen mit Größe und Gewicht des Vogels ist das etwa so, als würden wir eine Müslischüssel voll Plastik essen.

Wenn es das Wetter zulässt, werden Sie auch vom Trecker begleitet. © Melina Goller

Strandmüllerfassung auf Amrum

Auch hier auf Amrum werden Daten zur Vermüllung erhoben. Die Schutzstation Wattenmeer führt seit 1992 eigene Strandmülluntersuchungen durch. Dabei wird alle zwei Wochen eine festgelegte Strecke am Norddorfer Strand entlanggegangen und sämtlicher Unrat im Spülsaum dokumentiert. Rund 87 Prozent der Müllfunde bestehen aus Plastik und Styropor. Und: Nur knapp 15 Prozent des Mülls im Meer wird überhaupt an die Küsten angespült. Der größte Teil sinkt auf den Meeresboden oder treibt als Mikroplastik jahrtausendelang an der Meeresoberfläche.

Und dennoch: Jedes Fischernetzteil, jedes Bonbonpapier und jede Plastikflasche, die aufgesammelt werden, ist ein schädlicher Fremdkörper weniger in unserer wunderschönen Natur.

So können Sie mithelfen

Kommen Sie also am Samstag, den 21.03., zur diesjährigen Frühjahrs-Strandreinigung und helfen Sie mit.

Folgende Startpunkte sind möglich:

10 Uhr – Steenodde, Anschlagtafeln/Plakathäuschen
13 Uhr – Norddorf, Strandübergang
14 Uhr – Nebel, Strandpirat
14 Uhr – Süddorf, Strandhäuschen
14 Uhr – Wittdün, NatourDüne

Jede Runde dauert etwa zwei bis drei Stunden. Die Bauhöfe der Gemeinden begleiten die Aktion teilweise mit Fahrzeugen, auf denen der gesammelte Müll direkt abgeladen werden kann. Sammelbeutel und Handschuhe werden gestellt. Am Ende jeder Runde erwarten Sie Getränke und eine kleine Stärkung.

Und, hätten Sie gewusst …

  • dass sechsmal mehr Plastikmüll als Plankton im Meer schwimmt?

  • dass jede Minute eine LKW-Ladung Plastikmüll ins Meer gelangt?

  • dass es weltweit keinen Strand mehr ohne Mikroplastik gibt?

  • dass die größte Quelle für Mikroplastik in der Ostsee der Abrieb von Autoreifen auf den Straßen ist?

Über Nina Löschner

Nina Löschner kam 1989 kurz vor dem Mauerfall in Ost-Berlin zur Welt. Aufgewachsen auf dem Brandenburger Land zog es sie nach der Schule zurück in die Hauptstadt. In Berlin studierte sie Kunstgeschichte und Englisch, arbeite anschließend im Projektmanagement eines Auktionshauses und schließlich sieben Jahre lang als Redakteurin für Funk und Fernsehen. 2022 nahm sie sich eine berufliche Auszeit und absolvierte einen Freiwilligendienst im Naturschutz auf Amrum. Doch die Insel ließ sie nicht mehr los - und so brach sie alle Zelte in der Hauptstadt ab. Heute arbeitet Nina als Leiterin der Schutzstation Wattenmeer in Wittdün.

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One comment

  1. Wenn man Aussagen in den Text wirft, sollte man sie vorher prüfen.

    Die Aussagen “Sechsmal mehr Plastikmüll als Plankton?” stimmt so nicht generell:

    Diese Aussage ist teilweise korrekt, aber ortsgebunden und bezieht sich auf das Gewicht.
    Ursprung: Die Zahl stammt aus einer Studie von Charles Moore aus dem Jahr 1999, die im Nordpazifikwirbel (Great Pacific Garbage Patch) durchgeführt wurde.
    Detail: In diesem spezifischen Müllstrudel wog das gefundene Plastik (meist Mikroplastik) damals tatsächlich das Sechsfache des dortigen Zooplanktons. Sie gilt jedoch nicht pauschal für alle Ozeanbereiche.
    Vergleich zu Fischen: Eine oft zitierte Prognose des Weltwirtschaftsforums besagt, dass bis 2050 das Gesamtgewicht an Plastik in den Ozeanen das der Fischbestände übersteigen könnte.

    Die anderen drei Aussagen sind stimmiger.

    Reiner Binsen

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