Kritik, Kosten und klare Worte: Der Amtsausschuss tagte auf Amrum …

Viel Kritik, spürbarer Frust und klare Forderungen prägten die Sitzung des Amtsausschusses auf Amrum. Vor allem der schleppende Glasfaserausbau auf Föhr und Amrum löste deutliche Kritik aus. Auch der geplante Neubau der Schule Föhr-Land sorgte für intensive Diskussionen. Besonders bei zwei Themen wurde deutlich, wie groß der Handlungsdruck inzwischen ist.

Amtsausschuss des Amtes Föhr-Amrum tagte auf Amrum

Die 14. Sitzung des Amtsausschusses des Amtes Föhr-Amrum fand turnusgemäß auf Amrum statt. Amtsvorsteherin Heidi Braun, Amtsdirektor Christian Stemmer und die Bürgermeister der Föhrer Gemeinden waren dazu mit der Fähre nach Amrum angereist. Gemeinsam mit den Bürgermeistern der Amrumer Gemeinden fand man sich im Tagungsraum des Nationalpark-Hauses „NaTour-Düne“ in Wittdün ein.

Ein Team von etwa 20 Teilnehmer aus Föhr hatte sich mit der Fähre auf den Weg nach Amrum gemacht. Um 10 Uhr eröffnete Amtsvorsteherin Heidi Braun die Sitzung.

Gedenken an Joachim Christiansen zum Sitzungsbeginn

Die Anwesenden gedachten dem völlig unerwartet verstorbenen Bürgermeister von Oevenum auf Föhr und Amtsausschussmitglied Joachim „Aschi“ Christiansen mit einer Gedenkminute. Heidi Braun würdigte seine Verdienste: „Mit Herz und Engagement hat er sich stets zum Wohle der Gemeinde und des Amtes eingesetzt.“

Die Tagesordnung umfasste 32 Punkte. Bis einschließlich Tagesordnungspunkt 11 verlief die Sitzung zügig. Bei Tagesordnungspunkt 12 gab es jedoch eine Vielzahl von Wortmeldungen und offenen Fragen. Thema war der Sachstand und das weitere Vorgehen beim Glasfaserausbau auf den Inseln Föhr und Amrum.

Glasfaserausbau sorgt für massive Kritik

Vertreter des Breitband-Kompetenzzentrums Schleswig-Holstein e. V. (BKZ-SH) und der Northern Fiber Holding (NHL)/lünecom haben die Kommunen über den aktuellen Stand informiert.

Johannes Lüneberg, Geschäftsführer des BKS-SH, erläuterte Fördermöglichkeiten für den flächendeckenden Ausbau des Glasfasernetzes. Fördermittel können vom Bund mit 50 Prozent und vom Land mit 25 Prozent beantragt werden. Die restlichen 25 Prozent müssen die Kommunen selbst aufbringen.

Doch schnell wurde deutlich, wie groß der Unmut in den Gemeinden ist.

„Die Vernetzung von Dörfern und Inseln ist schlecht beziehungsweise gar nicht vorhanden. In den großen Städten ist dagegen alles super“, sagte Wyks Bürgermeister Ulli Hess.

Heidi Braun und Christoph Decker machten deutlich: „Die Kommunen sind finanziell am Ende. Die jetzt anfallenden Kosten können nicht mehr geleistet werden.“

Hardy Heine, Repräsentant für die Kommunen bei der lünecom unter Druck

Lünecom unter Druck: Kommunen fordern Lösungen

Besonders Hardy Heine, Repräsentant für die Kommunen bei der lünecom, musste sich zahlreiche Beschwerden anhören.

Aus der Sitzung kamen deutliche Worte:

Seit Jahren werde für Glasfaser geworben, doch viele Bürger warteten bis heute auf ihren Anschluss. Hinzu komme die schwierige Erreichbarkeit des Unternehmens.

„Man wartet drei Jahre und länger auf den versprochenen Glasfaseranschluss, aber es tut sich nichts“, lautete eine der kritischen Stimmen.

Auch weitere Werbung für Glasfaseranschlüsse durch die Gemeinden sei derzeit kaum vermittelbar, solange sichtbare Fortschritte ausblieben.

„Wir wollen keine Kündigungen oder Wechsel, das dürfte im Interesse aller sein“, sagte Norddorfs Bürgermeister Christoph Decker.

Unter anderem wurden die Arbeiten im Bereich Hausanschlussbau und Hausanschluss-Kabelzug kritisiert, die die Firma lünecom zwischen dem 16. Juni und dem 16. August 2026 auf Amrum ausführen wird. Der geplante Bauzeitraum fällt mitten in die touristische Hochsaison. Sperrungen von Geh- und Radwegen sowie Verkehrsbehinderungen sind wahrscheinlich.

Heine verwies auf steigende Baukosten und höhere Zinsen als Gründe für die Verzögerungen. Zudem hätten schlechte Abstimmungen den Ausbau gebremst. Ein Abschluss des Gesamtprojekts sei voraussichtlich erst 2030 realistisch.

„Die lünecom will weiterbauen, es ist neues Geld da“, sagte Heine. Künftig sollen feste Ansprechpartner auf beiden Seiten benannt werden.

Ein Vorschlag aus der Runde: Nicht mehr genutzte Wasserrohre könnten möglicherweise für die Verlegung von Glasfaserkabeln verwendet werden. Dieser Ansatz soll geprüft werden.

Geschäftsführer der BKZ-SH. Johannes Lüneberg

Schule Föhr-Land: 23 Millionen Euro sorgen für Diskussionen

Auch beim Thema Schule Föhr-Land wurde intensiv diskutiert. Besonders die veranschlagten Baukosten von 23 Millionen Euro stießen auf Kritik.

Mehrere Bürgermeister machten deutlich, dass diese Summe kaum tragbar sei.

„Das ist viel zu hoch und nicht bezahlbar, das muss günstiger gehen.“

Man war sich einig, dass die Kinder von Föhr-Land eine moderne und funktionale Schule benötigen. Die Zahl der Einschulungen wird in den nächsten Jahren stetig ansteigen. Über den Standort und die Finanzierung herrschte hingegen Uneinigkeit.

Der Standort Süderende sollte nach Meinung vieler beibehalten werden. Die bestehende Schule könne saniert und teilweise neu gebaut werden.

Da parallel weitere kostenintensive Projekte anstehen, seien Einsparungen unvermeidlich. Vorgeschlagen wurde außerdem, ortsansässige Bauunternehmen stärker einzubinden – etwa durch einen Zusammenschluss in einer Arbeitsgemeinschaft.

„Tut was für eure Kinder!“, hieß es eindringlich aus der Runde.

Weitere Projekte und aktuelle Entwicklungen im Amt

Die restlichen Tagesordnungspunkte wurden zügig abgearbeitet.

Amtsdirektor Christian Stemmer berichtete, dass Christina Scheel seit dem 1. Juni neue Digitalmanagerin im Amt Föhr-Amrum ist.

Zudem wurden für den 13. Juli ein Besuch von Landrat Florian Lorenzen und für den 2. September 2026 ein Besuch von Ministerin Aminata Touré auf Amrum angekündigt.

Andreas Hansen aus dem Bereich Öffentlichkeitsarbeit berichtete von steigenden Klickzahlen in den sozialen Netzwerken des Amtes Föhr-Amrum, darunter Facebook, Instagram und LinkedIn.

Derzeit sind von 111 Notunterkünften auf den Inseln 84 belegt.

 

Über Gerd Arnold

Gerd Arnold, 1957 in Nebel auf Amrum geboren. Ein „echter“ Amrumer mit der friesischen Sprache (öömrang) aufgewachsen. Bis 1972 die Schule in Nebel besucht, danach Elektroinstallateur in Wittdün gelernt. 1976/77 in Wuppertal den Realschulabschluss nachgeholt. Ab Oktober 1977 als Berufssoldat bei der Bundesluftwaffe und seit November 2010 Pensionär. Nach vielen Jahren der verzweifelten Suche nach passenden „bezahlbaren“ Wohnraum auf Amrum endlich fündig geworden, seit Februar 2022 wieder ständig auf Amrum. 2019 ins Team der Amrum News integriert, aber das soll neben dem Angeln nicht die einzige Aktivität auf der Insel bleiben.

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One comment

  1. Schön zu lesen das der Unmut auch anderswo wahrgenommen wird – auch bei der Lünecom selbst? Ich verstehe sowieso nicht wieso man dort offenbar überall zugleich angefangen hat und offenbar nun nirgends wirklich fertig wurde – statt sich eine Insel/ein Dorf nach dem anderen vor zu nehmen und den Ausbau komplett fertig zu stellen. Denn ohne funktionierenden GF-Anschluß kann man auch keine Einnahmen daraus erzielen. Das wirkt auf mich als hätte man den Hals nicht voll kriegen können mit Ausbau-versprechen, und nun hat man sich verzettelt. Übrigens sind es nach meiner Ansicht inzwischen sogar 4 Jahre seit Ausbau-start und etwa nach 2 Jahren bekam ich eine “Auftragsbestätigung” (was immer die jetzt noch wert ist). Kurios auch das ich in 2 Wochen 3 mal angerufen wurde und an diesem Wochenende auch ein Nachbar einen Anruf endlich entgegen nehmen konnte. In dem es um Details wie Lage der Wohnung im Haus, EFH/MFH u.a. ging. Ob sich aus dieser “Beruhigungspille” noch zu diesem Herbst ein Funktionierender Anschluß Materialisiert möchte ich stark bezweifeln. Und das es von Seiten der Northern Fiber Holding hieße “es sei Frisches Geld da” lässt mich mit der Unschönen Frage zurück wo denn das bisher sicher hierfür geplante Geld geblieben ist. Man kann nur hoffen das es in laufende Anschlüsse geflossen ist – evtl, in Kommunen die mehr Krach geschlagen haben als andere. Kurz: Wenn die Telekom zum Gleichen Preis HIER (NICHT Nebel) heute mehr als 25Mbit/s oder gar GF anbieten würde, ich würd’s nehmen. Aber damit kann man wohl nicht rechnen. Die scheinen den Spitzeren Bleistift zu haben – oder den besseren Taschenrechner. Das man bei der Lünecom NUR GF-Tarife findet; die man nicht nutzen kann; ist auch ein Unding! :-/ K.M.

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