Kleine Hände – große Wirkung: Kinder helfen der Heidehummel …

Mit viel Begeisterung, Arbeitshandschuhen und Ampferstechern machten sich Kinder und Erwachsene gemeinsam daran, die Amrumer Heide von der invasiven Späten Traubenkirsche zu befreien. Die erste gemeinsame Mitmachaktion des Öömrang Ferian i.f. und des Kinderprogramms der Amrum Touristik war ein voller Erfolg.

Kaum war das zu bearbeitende Heidegebiet abgesteckt, stürmten die ersten Helfer los. Wer würde wohl als Erster eine Traubenkirsche ausgraben?

Gemeinsam für die Heide

Mit großem Erfolg wurde am vergangenen Sonntag die Späte Traubenkirsche in der Heide an der Vogelkoje Nebel bekämpft. Erstmals führte der Öömrang Ferian i.f. diese Naturschutzaktion gemeinsam mit dem Kinderprogramm der Amrum Touristik AöR durch.

Dem Aufruf folgten zahlreiche Familien. Aber auch Insulaner:innen und Gäste ohne Kinder packten tatkräftig mit an und unterstützten die Aktion.

Zu Beginn erfuhren die Teilnehmenden, warum die Heide regelmäßig gepflegt werden muss, weshalb die Späte Traubenkirsche (Prunus serotina) eine Gefahr für diesen besonderen Lebensraum darstellt und welche Bedeutung die kleine Heidehummel als Symbol für viele seltene Insektenarten hat.

Geschafft! Ein großer Spross der Späten Traubenkirsche ist mitsamt den Wurzeln ausgegraben und wird stolz in die Höhe gehalten.

Ausgerüstet für den Naturschutz

Anschließend wurden Arbeitshandschuhe verteilt. Speziell für diese Aktion hatte der Öömrang Ferian auch kleine Handschuhe für Kinder angeschafft. Dornenfeste Handschuhe waren wichtig, denn zwischen den jungen Traubenkirschen warteten auch einige Brombeerranken.

Danach wurde das Werkzeug ins Einsatzgebiet getragen und erklärt, wie auch Kinder sicher mit einem Ampferstecher arbeiten können.

Gemeinsam wurde abgestimmt, welche Fläche im großen Heidegebiet bearbeitet werden sollte. Dazu wurde ein großes Rechteck mit Pflöcken markiert. Dort wuchsen zwischen Krähenbeere und Besenheide die hellgrünen Triebe der Späten Traubenkirsche besonders dicht. Ziel war es, diese möglichst vollständig mitsamt ihren Wurzeln auszugraben.

Beeindruckend – was aussieht wie ein langer Faden, ist die Wurzel einer Späten Traubenkirsche. Wer hat wohl die Längste ausgegraben?

Kleine Hände, großer Einsatz

Schon nach einer Minute wurde stolz der erste ausgegrabene Traubenkirschenspross mitsamt seinen Wurzeln in die Höhe gehalten. Wer hätte gedacht, dass die Kinder so schnell und erfolgreich zupackten!

Bereits nach knapp einer Stunde musste die markierte Fläche vergrößert werden – alle jungen Traubenkirschen waren bereits sorgfältig entfernt und in die Sammelbehälter gewandert. Die Kinder wollten am liebsten gleich auch die großen Büsche ausgraben. Diese bleiben jedoch einer späteren Pflegemaßnahme vorbehalten: Größere Gehölze werden mit schwerem Gerät aus dem Boden gezogen.

Beim Ausgraben stellten die Kinder fest, wie lang die Wurzeln der Traubenkirsche sein können. Schnell wurde deutlich, warum möglichst die gesamte Wurzel entfernt werden muss. Eine Mutter erklärte ihrem Sohn: „Das ist wie beim Schachtelhalm im Garten. Bleiben Pflanzenteile im Boden, treiben sie schnell wieder aus.“

Nach zwei Stunden fleißiger Arbeit präsentieren die Teams des Öömrang Ferian (in Blau) und des Kinderprogramms der Amrum Touristik (in Rot) zusammen mit zwei Familien die von Traubenkirschen befreite Heidefläche.

Heide schützen heißt Arten schützen

Neben dem Spaß am Buddeln lernten die Kinder auch viel über den Naturschutz. Die Späte Traubenkirsche wurde ursprünglich aus Nordamerika nach Europa eingeführt und breitet sich heute stark aus. Sie wächst deutlich schneller als die heimische Heide und nimmt den niedrig wachsenden Heidepflanzen Licht und Platz. Dadurch werden sowohl die natürliche Dünenheide als auch die historische Heidelandschaft der Geest verdrängt.

Mit der Heide verschwinden auch zahlreiche Tierarten. Die Heidehummel steht dabei stellvertretend für hunderte spezialisierte Wildbienen-, Käfer- und Schmetterlingsarten, die auf diesen besonderen Lebensraum angewiesen sind. Auch viele bodenbrütende Vogelarten finden hier ihre Brutgebiete.

Jetzt mitmachen!

Die nächste Mitmachaktion „Hilf der Heidehummel“ findet statt am

Sonntag, 9. August 2026, von 11:15 bis ca. 13 Uhr

Treffpunkt: Bushaltestelle Onkel Toms Hütte, Norddorf.

Willkommen sind Familien mit Kindern ab acht Jahren sowie alle naturinteressierten Insulaner:innen und Gäste. Arbeitshandschuhe und Werkzeug stellt der Öömrang Ferian bereit. Bitte an feste Schuhe und lange Hosen denken.

Jede helfende Hand trägt dazu bei, die einzigartige Amrumer Heide als Lebensraum für Heidehummeln, hunderte weitere Bestäuber und viele andere Tier- und Pflanzenarten zu erhalten.

 

Über Karen Heidemann

Karen Heidemann erblickte das Licht der Welt 1963 in Bremen, nach dem Abitur folgten eine Ausbildung zur MTRA und erste Berufsjahre in Bremer Kliniken, 1988 Studium der Biologie in Oldenburg, entdeckte dort ihre Leidenschaft für die Botanik, schloss ein Auslandsstudium in den USA mit Forschungstätigkeit im Yellowstone Nationalpark ein, war nach ihrem Diplom 1995 als Biotopkartiererin in den neuen Bundesländern unterwegs, wechselte 1996 an die Uni Trier als Wissenschaftliche Mitarbeiterin, entdeckte dort im Rahmen einer ehrenamtlichen Vereinstätigkeit ihre zweite Leidenschaft: Umweltbildung. Ging im Jahr 2000 nach Köln, um als Bildungsreferentin / Projektleiterin in der nachuniversitären Weiterbildung Schwerpunkt Medizin tätig zu werden. Nachdem ihre 2 Töchter zwecks Studiums eigene Wege gingen, verwirklichte sie 2023 ihren Traum, auf einer Nordseeinsel zu leben und kam nach Amrum. Dort war sie in den Bereichen Umweltbildung und Schutzgebietsbetreuung am Naturzentrum in Norddorf tätig, 2025 übernahm sie dort die Leitung.

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