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"Es war ein tolles Erlebnis"…(ab)

Öömrang Skuul bei der Schacholympiade 2008 in Dresden (Artikel vom 01.12.2008)

 

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Wenn einer eine Reise macht, kann er bekanntlich viel erzählen. Für die kleine Schachgruppe der Amrumer Öömrang Skuul war die Reise zur Schacholympiade 2008 in Dresden ein tolles Erlebnis. Die Schacholympiade ist nicht nur der weltweit bedeutendste Mannschaftswettbewerb im Schach, sondern gemessen an der Teilnehmerzahl, mit ca. 2500 Spielern aus 152 Ländern, nach den olympischen Spielen, die größte Sportveranstaltung der Welt. Das Turnier wird von der Weltschachorganisation FIDE organisiert und alle zwei Jahre ausgetragen. Während der vergangenen 14-Tage war in der sächsischen Landeshauptstadt die absolute Weltelite im Schach vertreten. Gespielt wurde an vier Brettern nach dem sogenannten Schweizer System, bei dem möglichst punktgleiche Mannschaften gegeneinander spielen. Als besonderen Service wurden alle Partien im Internet übertragen, wozu insgesamt 514 miteinander vernetzte Spielbretter erforderlich waren. Über 52 Millionen Menschen haben die 38. Schacholympiade im Internet verfolgt. Erstmals wurde das Turnier im Jahre 1927 in London ausgetragen. Die bis dato letzte Schacholympiade in Deutschland fand 1970 in Siegen statt.Die Amrumer Schulschachgruppe wurde im Jahr 2003 von Marcus Hausmann gegründet. Durch Recherche im Internet hatte Hausmann im vergangenen Jahr von der Schacholympiade erfahren und kurzerhand die Bewerbung auf den Weg gebracht. Und das mit großem Erfolg. Die Insulaner schafften es, sich als eine von sechzig Partnerschulen aus Deutschland und Österreich, für das parallel zum offiziellen Wettbewerb stattfindende Partnerschulturnier zu qualifizieren. Vierzig Schulen konnten sich dabei direkt durch bundesweite Vorturniere qualifizieren. Die restlichen zwanzig Schulen, unter ihnen auch die Öömrang Skuul, wurden durch ihre Projektarbeiten ausgesucht.

Dank der Unterstützung von Sponsoren war es, so Hausmann gelungen, das ehrgeizige Projekt zu verwirklichen und die Unkosten für die Teilnehmerkinder “in einem erträglichen Rahmen” zu halten.

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Nach einer gemütlichen Anreise mit Schiff und Bahn, erwartete die insularen Schachfans in der sächsischen Elbmetropole ein recht eng gedrängter Terminplan. Nach der offiziellen Akkreditierung, ging es direkt weiter in die Eissporthalle, zu den Proben für die abendliche Eröffnungsfeier. Um 15.00 Uhr wurde es für das Team der Öömrang Skuul, das als offizielle Partnerschule von Puerto Rico angetreten war, erstmals richtig ernst. Zu Beginn des Partnerschulturniers standen die ersten drei Runden auf dem Programm. Bei diesem Wettbewerb wurden pro Begegnung jeweils sechs Partien gespielt. Der Sieger erhielt dabei einen Punkt, bei einem Unentschieden gab es immerhin noch einen halben Punkt. Nach zwei anfänglichen Niederlagen gegen England (2:4) und Bolivien (0,5:5,5), konnte gegen Usbekistan mit (3,5:2,5) der erste Sieg gefeiert werden.Ein ganz besonderes Erlebnis war die Teilnahme an der offiziellen Eröffnungsfeier am Mittwoch-Abend, die Live im MDR-Fernsehen übertragen wurde. Mehr als 300 Schüler, die gemeinsam mit den jeweiligen Delegationen ihrer Partnerländer in die Halle einliefen, sorgten mit den Nationalflaggen aller 152 Teilnehmerländer, für das wohl schönste Bild der Veranstaltung. “Während der Eröffnungsfeier konnte ich immer noch nicht glauben, dass wir es tatsächlich hierher geschafft haben”, berichtet Marcus Hausmann stolz. 

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Am Donnerstag folgten die restlichen vier Begegnungen gegen Ägypten (1:5), Jersey (4:2), Äthiopien (0:6) und Vietnam (2:4). Die erfolgreichsten Spieler im Team waren Thomas Drews mit 3 Punkten aus 5 Partien sowie Claas Ide mit 2,5 Punkten aus 6 Partien. In der Gesamtwertung belegten die Amrumer von sechzig Teilnehmern den respektablen 53. Platz. Damit waren sie sogar besser platziert als die Kieler Johanna-Mestorf Schule mit ihrem Partnerland Nigeria, und somit bester Vertreter aus Schleswig-Holstein. Im kommenden Jahr ist ein Vergleichskampf gegen die Kieler geplant. Schachlehrer Marcus Hausmann war mit dem Abschneiden der Mannschaft trotzdem sehr zufrieden. “Dabei sein ist für uns alles und ich bin mir sicher, dass es für meine Schüler eine ganz besondere Erfahrung ist. Hier spielt die absolute Weltelite und wir können die Großmeister einmal hautnah erleben”. Zur Mannschaft der Öömrang Skuul gehörten: Momme Klüßendorf, Mats Klein, Gyde Tadsen, Claas Ide, Thomas und Mathias Drews, Ruben Sothmann und Kerrin Tadsen.Aber auch Abseits der Schachbretter blieb noch genügend Zeit, um das kulturelle Angebot von Dresden zu erkunden. Dabei durfte ein ausgiebiger Stadtbummel genauso wenig fehlen, wie ein Besuch bei den ersten Runden des Profiturniers. Darüber hinaus gelang es Marcus Hausmann einen ersten Kontakt zum Profiteam von Puerto Rico herzustellen. 

Am Donnerstag-Abend fand im Rathaus die Siegerehrung des Partnerschulturniers durch die deutsche Schachjugend statt. Am spielfreien Freitag nahmen die Amrumer noch an einer von der Stadt Dresden organisierten Stadtrallye durch das historische Zentrum der Elbmetropole teil. Krönender Abschluss der ereignisreichen Tage, war der Besuch der Zauberflöte in der weltberühmten Semperoper, bevor am Samstag die Heimreise angetreten wurde. Und während daheim schon von den tollen Eindrücken und Erlebnissen berichtet wurde, ging das Turnier der Weltelite in die entscheidende Phase. Bei den Herren konnte Armenien den Titel vor Israel und den USA verteidigen. Die deutsche Mannschaft belegte in der Gesamtwertung den 13. Platz, Amrums Partnerland Puerto Rico beendete das Turnier auf dem 95. Platz. Bei den Damen gewann Georgien vor der Ukraine und den USA, Deutschland belegte Platz 21. 

Verantwortlich für diesen Artikel: Andreas Buzalla

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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.
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