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Ein ganz besonderer „Gast“…(Schüler schreiben für Amrum-News,do)

Mit einem herzlichen und freundlichen „Schalom“ begrüßte Sally Perel die Schülerinnen und Schüler der Öömrang Skuul, die Lehrer und Eltern. „Schalom“, heißt Frieden.

Sally Perel

Sally Perel

„In Israel gibt es alles, aber keinen Frieden“, sagte Sally Perel zu Beginn seines Vortrags. 85 Jahre ist er alt und trotzdem tritt der in Peine (Niedersachsen) geborene Perel diese weite und anstrengende Reise an. Er möchte den Jugendlichen die Wahrheit erzählen, ihnen mitteilen, wie es im Dritten Reich für sein Volk, das Judentum, war. Seit über 40 Jahren wohnt er in Israel. Sally Perel ist ein Zeitzeuge, Zeitzeuge des Nationalsozialismus und des Holocausts. „Wir Zeitzeugen sind lebendige Geschichte“, machte Perel deutlich. Er erzählte den Zuhörern seine Lebensgeschichte, nicht alles, aber sehr viel davon. Zehn erfüllte und wunderbare Kinderjahre hatte Sally Perel. Dann musste seine Familie flüchten- Lodz in Polen war ihr Ziel. Ein Jahr später fielen die Deutschen in Polen ein und der 14-jährige Sally musste fliehen. Unter Tränen verabschiedete er sich von seinen Eltern und seinen Geschwistern, wohlwissend, dass er sie vielleicht nie mehr wieder sehen würde. „Du sollst leben“, sagte Perels Mutter damals zu ihm. Beim Vortrag war dem heute 85-Jährigen die Rührung anzumerken. Diese drei Worte seiner Mutter gaben ihm Kraft, Lebenswillen und Energie all das zu überstehen, von dem er während seines Vortrags so lebendig und bewegend erzählte. Ungefähr zwei Jahre wohnte er in einem Kinderheim nahe der Deutschen Grenze. Als Sally 16 war, musste er erneut fliehen- Richtung Osten. Für ihn war die Flucht „die Hölle auf Erden“, er trat auf tausende Leichen seiner jüdischen Glaubensbrüder. An diesem Tag wurden unzählige Juden in Wäldern erschossen. Perel wurde von einem Nazi-Offizier gefragt, ob er auch ein Jude sei. „Meine Antwort entschied über Leben und Tod“, sagt er heute und ergänzt: „Ich habe mich für das Leben entschieden“. Der junge Sally log und sagte, er heiße Josef. Als Josef Perjell kam er in die Hitlerjungenschule in Braunschweig. Hier war er dreieinhalb Jahre. Während dieser Zeit war „Jupp“, so sein damaliger Spitzname, „hin- und hergerissen“. Am Tag schrie er „Heil, Hitler“ und trug das Hakenkreuz auf seiner Uniform und abends malte er Judenkreuze in seinem Zimmer. „Jupp“ konnte sich zwar als Hitlerjunge mit der NS-Ideologie identifizieren, kam mit den Themen im Unterricht aber nicht klar. Die Juden wurden als „Satan“ und „das Böse“ dargestellt. Heute, Jahrzehnte später, stehe er immer noch im Dialog mit sich selbst, weil der Hitlerjunge Salomon ein Teil von ihm geblieben ist, sagt Sally Perel. Fast eineinhalb Stunden nahm er die „lauschenden“ Zuhörer mit auf eine interessante, spannende und sehr lehrreiche Reise. Anschließend stellten einige Schülerinnen und Schüler noch Fragen, die Sally Perel gerne beantwortete.

Sally Perel signierte sein Buch...

Sally Perel signierte sein Buch...

Er beendete seinen Vortrag, wie er ihn begonnen hatte- mit einem herzlichen und freundlichen „Schalom“. Danach signierte Perel noch zur Freude des Publikums sein Buch „Ich war Hitlerjunge Salomon“ und den Spielfilm „Hitlerjunge Salmomon“.

Matthias Dombrowski schreiben für Amrum-News

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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.

2 Kommentare

  1. Hallo Matthias,
    wieder ein sehr gut geschriebener und zugleich bewegender Artikel von Dir – ich bin beeindruckt. Offenbart sich hier ein Talent? Liebe Grüße, Dein André

  2. *gänsehaut* – ein eindrucksvoller Bericht! Ich finde es klasse, dass Geschichte so auf der Amrumer Schule vermittelt wird 🙂

Amrumer Fotowettbewerb 2015