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Vor genau 50 Jahren, bangte die deutsche Nordseeküste um Hab und Gut und das eigene Leben… (kt)

 Es ist nur einer kurzer Sprung in der Geschichte, doch war das Leben vieler durch diese Naturgewalt in Gefahr.

Unvorstellbare Kräfte...

Unvorstellbare Kräfte...

Der Küstenschutz hatte nach der großen Sturmflut …. in Holland schon Maßnahmen ergriffen, allerdings nicht in dem Ausmaße wie in der heutigen Zeit. Gewaltige Wassermassen wurden durch die Windstärken bis zu 152 km/std aufgestaut, als sich am 16.Februar 1962 die Flut der Insel näherte. Um 11 Uhr am Vormittag lag das Hochwasser schon 1,80 Meter über dem Mittelhochwasser. Bäume brachen und Dächer wurden abgedeckt. Sandmassen des Strandes und der Dünen wirbelten bei den Orkanböen aus West-Nord-West über die Insel. Die Ebbe lief nur gering ab und so stauten sich weiter die Wassermassen, die vorausahnen ließen, was mit der nächsten Flutwelle in der Nacht passieren könnte. Stromausfall und erste Schäden wurden aufgenommen, jedoch hatte diese Sturmflut ihren gefährlichen Höhepunkt noch nicht erreicht. Im Mondschein ließen sich die ersten Wellen beobachten, die über den Norddorfer und Steenodder Deich auf der Ostseite der Insel Amrum, herüberschwappten. Die Insulaner waren alarmiert, in den Dörfern wurden die Häuser “wasserfest” gemacht, so gut es ging. Viele Bewohner schauten trotz der späten Stunde in die Mondschein Nacht hinaus, der heranrollenden Flutwelle entgegen. Um 23.15 Uhr kurz vor Hochwasser brachen die Deiche und die Wassermassen schossen ungehindert auf die Dörfer zu.
Georg Quedens zeigt die Hochwassermarke an seinem Haus

Georg Quedens zeigt die Hochwassermarke an seinem Haus

In Norddorf überstieg die Flut die untere Dorfstrasse und suchte sich den Weg in die Häuser. Der Steenodder Deichbruch hatte zur Folge, das die Flut bis an den Ortsrand von Wittdün lief. Der Seezeichenhafen hielt den Wassermassen nicht stand. Etliche Boote rissen sich los und die Seezeichen, die an Land lagen,  trieben hinaus in die tosende Nordsee, wo sie die Wittdüner Holzbrücke zerschlugen. Die Strandpromenade an der Wittdüner Westseite lag über 30 Meter in Trümmer zerlegt und Schiffe lagen von der See aufgespült am Nordstrand von Wittdün. Dies ist nur ein winzig kleiner Abriss, der Ereignisse, die sich am 16. und 17.Februar 1962 abspielten. Hamburg traf diese Jahrhundertsturmflut mit am Schwersten und hat 300 Menschenleben gefordert. Inselhistoriker Georg Quedens war an den beiden Tagen mit seinem Fotoapparat unterwegs und hat viele Momente festhalten können und diese in seiner jährlichen Amrum-Chronik von 1987 festgehalten. An seinem Elternhaus hat der Vater Johannes Quedens eine Gedenktafel mit dem höchsten Wasserstand anbringen lassen. Das Datum darauf ist allerdings der 17.Februar, da dies Schild in Hamburg gefertigt wurde und dort die Flutwelle einen Tag später als auf Amrum wütete. In seinen Diavorträgen “Nordsee-Mordsee” sind einige beeindruckende Bilder so einer zerstörerischen Sturmflut zu sehen. Auch in den darauf folgenden Jahren ist Amrum und die deutsche Nordseeküste von solch schlimmen Fluten nicht verschont geblieben, jedoch haben die Deicherhöhungen und- Befestigungen die Sicherheit steigern können. Gerade in der Winterhalbzeit hat Amrum jetzt wieder schwere Schläge an der Nordspitze einstecken müssen. Amrum-News Reporter Thomas Oelers berichtete gerade von der meterhohen Abbruchkante vor dem Schullandheim “Ban Horn” und zeigte wie notwendig auch heute der Küstenschutz für die Insel ist.
Verantwortlich für diesen Artikel: Kinka Tadsen
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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.

Ein Kommentar

  1. VOR GENAU 50 JAHREN- ja, wirklich unvergeßlich! Genau 2 Wochen vor meiner Konfirmation. Ein guter Nachbar, Helmut Scheer, klopfte ans Schlafzimmerfenster meiner Eltern und rief:”Jonny, die Flut kommt!” Antwort:” Laß die Flut man kommen”-“dein Anhänger steht schon im Wasser”-Im Nu sprangen meine Eltern aus den Betten.Teppiche wurden gerollt, auf den gr. Wohnstubentisch gelegt, eben die Handharmonika. Dann ging es in den Stall. Die Tiere waren schon unruhig. Das Wasser kam, die Nordseewellen klatschten heftig und laut gegen das Scheunentor. Unheimlich! Das Wassser drängte sich ins Haus. In den Wohnräumen waren sogar kleine Wellen! Die Kühe standen im Wasser und muhten ängstlich. Bei jedem Deichbruch schwand das Wasser wenig, war aber im Nu wieder in der alten Höhe. Die Ebbe trat ein und der Wind drehte sich. Ein Glück!
    Eine Menschenmenge hatte sich schon aus Neugierde an unsesrem Haus versammelt. Nur ein Dorfbewohner blickte plötzlich durch die halb geöffnete Stalltür und rief:” John, braucht ihr Hilfe?” Es war Harry Tadsen. Vater wollte gerade die Kühe aus dem Stall scheuchen, doch die Natur trat plötzlich ein, aber es war doch ein schönes Gefühl, daß es einen Helfer gab. Am nächsten Tag wurde heftig gewirkt. Wir hatten sogar Schlick auf den Fußböden! Eine Dame, Irene Vorberg, bat uns ihre Hilfe an.
    Diese Sturmnacht ist unvergeßlich! Wohl viele Amrumer dachten
    damals:
    “Christ Kyrie, erschein uns auf unserer Insel!”

Amrumer Fotowettbewerb 2015
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