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Graffiti am Café Knülle …

Ist gerne auf Amrum: René Scheer

Badest du schon oder guckst du noch Kunst?

Da stehen die Drei und fotografieren sich selbst – im Urlaubsmodus, mitten am Stand. „Wenn man draufguckt, könnte man aber auch denken, dass man selbst fotografiert wird. Ich finde diese Interaktion spannend“, sagt der Künstler René Scheer, der das Graffiti am Nebeler Strand ans Café Knülle sprühte. Die Aktion ist Programmteil des Amrumer Kunstvereins, der, klein und agil, immer wieder Kunst an den Strand holt, jenseits von Muscheldekor und Strandhafercharme.

René Scheer kommt aus Hamburg, ist Krankenpfleger im Palliativbereich und betreibt seit zehn Jahren semiprofessionell, wie er sagt, die Streetart-Kunst. „Aber eher die legale“, sagt der 43-Jährige und grinst. „Ich bin also nicht nachts unterwegs.“ Maritimes ist oft sein Thema. In Hamburg hat er an die Nordwand des Altonaer Museums sehr groß einen „Fischer für Altona“ gesprüht.

René Scheer mit seinem Graffiti

Im Frühjahr hat Scheer Café Knülle-Betreiber und Kunstverein-Mann Kalle Wruck am Strand angesprochen, weil er Lust hatte, kunsttechnisch etwas auf seiner Lieblingsinsel zu machen. Man kam schnell ins Gespräch und auf gute Ideen. Scheer hat nicht nur ein Graffiti gestaltet, sondern auch eine Papiertüte besprüht. So entstehen jedes Jahr erlesene 25 Stück, die nicht automatisch bekommen werden können, sondern ihren Weg zum Träger eher durch Zufall oder Sympathie finden. „Auch das ist spannend“, findet Scheer. „Und man weiß nie, wo die Tüten am Ende landen, im Rahmen oder im Müll.“

Scheer fährt seit Jahren in den Frühjahrsferien nach Amrum. Mit Lebensgefährtin – und den Kindern seiner Nachbarn. Die älteste Tochter, inzwischen volljährig, hat er jetzt auch auf seinem Graffiti verewigt. Neben seinem Atelierkollegen und einer guten Freundin. Die drei sind lebensgroß – und lebenslustig am Fotografieren.

Eine der 25 Papiertüten, die René Scheer 2018 für den Amrumer Kunstverein gestaltet hat.

Entstanden sind sie in der Stencil-Technik, mittels vieler aufeinandergelegter Schablonen, sechs in diesem Fall. Für jede versprüht Scheer einen anderen Grauton. Die A1-Schablonen hatte er in Hamburg zurechtgeschnitten und mitgebracht. Das Kunstwerk ist mit Lackfarbe auf Holzplatte gebannt und greift ein im Wortsinn Alleweltsthema auf: die sozialen Medien. Durchaus zweischneidig, wie Scheer findet. „Es ist ja nicht nur Ausspionieren, sondern eben auch Vernetzten.“ Für ein anderes Projekt, das er in einer Hamburg Galerie realisiert hat, lieh sich Scheer Selfie-Fotos aus dem Internet, kontaktierte die Leute und brachte sie zusammen. „Die Idee jetzt ist, das Thema an einen Ort zu bringen, wo viel fotografiert wird und viele Fotos hochgeladen werden. Und so was passiert ja immer dort, wo man sich besonders wohlfühlt. “, sagt Scheer.

Damit trifft er genau das Anliegen der Macher vom Amrumer Kunstverein. Sich zwanglos und wie im Vorbeigehen mit Kunst auseinanderzusetzen ist die Idee, die hinter den Projekten von Kalle Wruck und Philipp Ricklefs, einem Hamburger Künstler, steht. Seit fünf Sommersaisons setzen beide jetzt schon auf die natürliche Neugierde der Urlauber. Erfolgreich und verbunden mit interessanten Strandgesprächen. 2018 kommt noch mehr: Das Flaggenprojekt geht in die nächste Runde, und neue Kaffee-to-go-Becher mit neuer Kunst wird es auch wieder geben.

Was Salzluft und Amrumbrise mit seinem Graffiti-Kunstwerk machen, weiß René Scheer auch noch nicht genau. In Hamburg hat er die Erfahrung gemacht, dass der „Fischer“ nach einem Jahr draußen ordentlich ausgeblichen war. Immerhin hängt sein Objekt auf Amrum im Windschatten vom Café Knülle. „Aber genau das ist ja eigentlich auch wieder das Spannende an Graffiti. Du weißt nie, was damit passiert.“

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Über Undine Bischoff

Journalistin und Texterin. Fuhr mit drei Jahren zum ersten Mal über den Kniep – in einer Schubkarre. Weil ihr Vater da draußen eine Holzhütte baute, zwanzig Feriensommerjahre lang. Betextet Webseiten und Kataloge, schreibt für verschiedene Medien und natürlich für Amrum News.
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