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Nachgefragt: So war der Sommer 2018 …

So ließ es sich leben diesen Sommer …

Der Supersommer hat begeistert. Dementsprechend gut fällt ein erster Rückblick auf die Saison 2018 bei der Föhr Tourismus GmbH, der Amrum Touristik und der Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR) aus. „Phantastisch“, sagt Amrums Tourismuschef Frank Timpe. „Wir sind zwar noch mittendrin, die Herbstferien stehen an und abschließende Zahlen liegen noch nicht vor, ich denke aber, das dieses recht euphorische Fazit nach aktueller Einschätzung durchaus gezogen werden darf. Jochen Gemeinhardt von der FTG und Frederik Erdmann, verantwortlich für das Qualitätsmanagement der WDR, reagieren ähnlich.

Auf Föhr standen auf Grund einiger Großbaustellen in diesem Sommer viele Unterkünfte den Handwerkern und daher nicht den Gästen zur Verfügung. Das habe man schon gemerkt, sagte Gemeinhardt. Deutlich zu wenig Gastronomie auf der Insel habe auch öfter den Gast verärgert. „Wenn Tische dreimal am Abend vergeben werden, ist das nicht das, was der Urlaubsgast sich vorstellt“, ist sich der Tourismuschef sicher. Eine Bestandsanalyse soll aufzeigen, was künftig möglich ist. Dazu gehören auch Informationen zu Leerständen, Generationswechseln, Nachfolgeregelungen und Zukunftsplänen der Gastronomen. Um ein Mehr an gastronomischer Vielfalt zu erreichen, sprechen die Touristiker ganz gezielt  auf dem Festland interessante Betriebe an. „Wir müssen einfach verschiedene Modelle andenken“, sagt Gemeinhardt. Ein großer Kritikpunkt der Gäste betrifft die Unlust, Tische eine Woche im Voraus reservieren zu müssen.

Mit dem neuen Hotel am Südstrand ist die Hoffnung verbunden, Gästegruppen anzusprechen, die sonst nie gekommen wären. Gemeinhardt sieht darin ganz deutlich eine Ergänzung des Angebots – und keinen Verdrängungswettbewerb. Neben dem neuen Upstalsboom-Resort am Südstrand ist ein weiteres Hotelprojekt in der Nähe des Aqua Föhr in Planung. Damit reagiert man auf die Notwendigkeit, flexiblere Unterkunftsmodelle für flexiblere Kundschaft anzubieten. Mindestaufenthalte von fünf oder sieben Tagen in der Nebensaison seien eine Bremse und dem Gast schwer vermittelbar. Mögen sie angesichts von kleinen Familienbetrieben und der Personalnot auch erklärbar sein. Die Schwierigkeit steigt, Mitarbeiter zu bekommen. „Das Problem wird sichtbarer“ sagt Gemeinhardt. Zu erkennen sei auch, dass eine Abwanderung zu ganzjährig operierenden Betrieben stattfindet. „Die klassischen Saisonverträge werden aussterben. Die Mitarbeiter wollen Verlässlichkeit.“ Auch Gäste – zumal Wiederholer – schätzen bekannte Gesichter. Zulegen will man bei der direkten Buchbarkeit auf den Föhr.de-Seiten. Damit der Gast nicht auf andere Seiten umgeleitet wird oder in telefonischen Warteschleifen hängt, sondern mit einem Klick den Urlaub festmachen kann.

Ein Highlight bei der WDR: Die Norderaue

Den Zuwachs an Tagesgästen auf den Inseln, wird von Seiten der WDR natürlich bestätigt. Dabei spielt auch die gute Entwicklung Dagebülls eine Rolle. „Deren Gäste fahren teils auch mehrfach auf die Inseln“, sagt Frederik Erdmann. Das gute Wetter war ein Motor. Das neue „Norderaue“-Schiff hat mit vier Autospuren zu einer deutlich flexibleren Ladungsmodalität vor allem in den sehr frühen Morgenstunden beigetragen. Als Engpass hat sich diesen Sommer die Baustelle zwischen Ockholm und Schlüttsiel erwiesen und die vermehrte Unpünktlichkeit der Kurswagen der Deutschen Bahn (DB). Die Umsteigezeiten wurden dadurch kürzer, und nicht immer konnten die Fähren warten. Die auf das nächste Jahr verschobenen Bauarbeiten am Deichdurchlass in Dagebüll seien operativ-betrieblich nicht ganz einfach, aber man sei gemeinsam mit der NEG startklar und werde mit Shuttles, Bodenmarkierungen und Flyern der Einschränkung begegnen. 2019 werden im Wyker Hafen wieder drei Brücken zur Verfügung stehen. „Man braucht drei, um reibungslos fahren zu können“, bestätigt Erdmann. Die Fahrtzeiten vieler Amrum-Föhr-Verbindungen verlängerten sich wegen der Hafenbaustelle teilweise um bis zu 30 Minuten. Die dabei laut gewordene Kritik an der mangelnden Kommunikationbereitsschaft oder -fähigkeit des steuernden Personals in Sachen Fahrgastinformation, ist inzwischen auch bei der Reederei angekommen und ist intern ein Thema. Der Katamaran-Neubau  soll 2019 das Routennetz „in Zusammenarbeit mit anderen Anbietern erweitern“, wie Erdmann sagt. Außerdem will die Reederei den Sommerfahrplan 2019 um jeweils zwei Wochen nach vorne und hinten erweitern. „Wir haben festgestellt, dass sehr viele Gäste auch außerhalb der bisherigen Kern-Sommersaison auf die Inseln wollen.“

Sommer komm bald wieder!

Auch auf Amrum, wo das Mehr an Tagesgästen in diesem Sommer auch deutlich spürbar war, will man die Infrastruktur weiter entwickeln, wie Tourismuschef Frank Timpe mitteilt. Wetterunabhängig ist Wittdüns Inselstraße jeden Hochsommer am Limit. „Sicherlich gab es Tage, wo wir eine grenzwertige Verkehrssituation erreicht haben und vielleicht sogar an Kapazitätsgrenzen gestoßen sind. Akuteren Handlungsbedarf hätten wir, wenn solche temporären Einflüsse ein Dauerzustand wären.“ Sorgenvoll sieht auch Timpe das Thema der Mobilität. „Die problematischen Verhältnisse um die Deutsche Bahn und regelmäßige Verspätungsmeldungen habe unsere Gäste vielfach betroffen. Wenn ab Hamburg die Weiterreise dann in teilweise überfüllten Zügen, mit Verspätungen und vielleicht noch mit Ausfällen der Klimaanlage einhergeht,  kann die gute Urlaubslaune schon einmal kippen.“ In 2019 wird intern an erforderlichen Systemumstellungen und dem Thema Digitalisierung gearbeitet. Bei den Infrastrukturmaßnahmen steht unter anderem die Umgestaltung der Fläche beim ehemaligen Norddorfer Schwimmbad vor dem Naturzentrum auf der Prioritätenliste. Das nochmals überarbeitete Konzept zur energetischen Sanierung des Badelandes soll umgesetzt werden. In Nebel und Süddorf ist eine Neugestaltung der Strandübergänge in Planung, und in Wittdün soll das neue Konzept der “Strandbar” um eine Terrasse auf den Kniep hinaus erweitert werden.

 

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Über Undine Bischoff

Journalistin und Texterin. Fuhr mit drei Jahren zum ersten Mal über den Kniep – in einer Schubkarre. Weil ihr Vater da draußen eine Holzhütte baute, zwanzig Feriensommerjahre lang. Betextet Webseiten und Kataloge, schreibt für verschiedene Medien und natürlich für Amrum News.
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