Hunde auf Amrum …


Hundebesitzerin Kinka Tadsen mit ihren angeleinten Hunden

Ein Spaziergang in der schönen Natur von Amrum ist zu jeder Jahreszeit ein tolles Erlebnis, nicht nur für Menschen, sondern auch für Hunde.  Auch in der kalten Jahreszeit sieht man viele Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern über die Inseln spazieren, je nach Wetterlage durch den Wald, über den menschenleeren Kniepsand oder über Wiesen und Felder entlang der Ostküste der Insel.

Amrum ist eine Insel mit großartiger Tier- und Pflanzenwelt, die es zu schützen gilt. Beim Spaziergang durch die Natur sollte es für jeden Hundebesitzer selbstverständlich sein, dass sein Hund angeleint ist. Leider sieht man mehr und mehr nicht angeleinte Hunde.

Es wird an verschiedenen Stellen darauf hingewiesen, das insbesondere während der Brutzeit auf brütende Vögel Rücksicht genommen werden muss und dieses leuchtet den meisten Hundebesitzern auch ein. Aber auch außerhalb der Brutzeit können freilaufende Hunde die Tierwelt erheblich stören. Wildlebende Tiere nehmen einen Hund schon aus großer Entfernung war und unterbrechen Ruhepausen und Nahrungssuche und wenn der Hund die „Fluchtdistanz“ unterschreitet, ergreifen sie instinktiv die Flucht.  „In den Wintermonaten ist die Nahrungssuche für die Tiere schwierig und eine Störung bedeutet eine zusätzliche Schwächung. Zurzeit sieht man viele Schnepfen auf Amrum, die im Unterholz nach Nahrung suchen. Sie sind sehr scheu und fliegen bei der kleinsten Störung davon; flucht kostet Energie, die Fettreserven verringern sich, „so Knut Dethlefsen, der Jagdpächter des Nebeler Waldes.

Eine Amrumerin aus Nebel, die selbst schon von freilaufenden Hunden am Strand erheblich verletzt wurde, berichtet von einem Spaziergang am Strand: „Am menschenleeren Kniepsand zwischen Wittdün und Süddorf lag ein junger Seehund und ruhte sich offensichtlich aus. Wir passierten den ruhenden Seehund mit großem Abstand, um ihn nicht zu stören. Aus Richtung Wittdün kamen zwei Spaziergänger mit einem freilaufenden Hund, der sich neugierig sofort dem Seehund näherte. Wir forderten die Hundebesitzer auf, doch bitte ihren Hund anzuleinen und entsprechenden Abstand zu halten, leider vergebens. Die Hundebesitzer hatten nicht einmal eine Leine dabei und mit dem Kommentar: Einheimische dürfen das, gingen sie weiter.“

Seehunde werden immer wieder von freilaufenden Hunden gestört
Foto: Naturzentrum

„Eine Störung wildlebender Tiere durch nichtangeleinte Hunde verstößt gegen mehrere Gesetze, „so Jan Dettmering, Mitglied im Naturschutzdienst und Mitarbeiter bei der Unteren Naturschutzbehörde (UNB). „Wo immer nötig, spreche ich Hundebesitzer an, die in den Schutzgebieten ihre Hunde nicht angeleint haben und erkläre ihnen, warum es wichtig ist, dass die Hunde in diesen Gebieten angeleint sind.“

Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) hat einen umfangreichen Flyer herausgegeben, der die Rahmenbedingen beschreibt, wie man sich am sinnvollsten mit Hund in der Natur bewegt: http://www.umweltdaten.landsh.de/nuis/upool/gesamt/bis_faltblaetter/mit_hunden_in_der_landschaft.pdf

Auch das Amt Föhr Amrum gibt in seinen „Tipps für Hunde und Hundehalterinnen“ zahlreiche Anregungen für Hundehalter.

„Die Amrumer Dünen, die Nordspitze (Odde) und die Ostküste sind offizielle Naturschutzgebiete“ so Charlotte von Komorski, die Leiterin des Amrumer Naturzentrums, „der Rest der Insel ist Landschaftsschutzgebiet (bis auf die Ortschaften).  Auch der Wittdüner Kniephaken ist als Rast- und Ruheplatz für die Vögel besonders wichtig und schützenswert,“ so Charlotte von Komorski weiter. „Der Nationalpark Wattenmeer grenzt direkt an Amrums Küsten. Zum Schutzgebiet gehören auch das Vorland und die Deiche.“

https://www.nationalpark-wattenmeer.de/wp-content/uploads/2020/03/fb-hunde-05-2018.pdf

Das Landesnaturschutzgesetzt (§§ 30, 32, 57,60), das Landeswaldgesetz (§17), das Jagdgesetz (§21, das Nationalparkgesetz (§5) oder das Landeswassergesetz (§70) sind nur einige Regelungen, die Hunde in der Landschaft betreffen und auch Grundlage für eventuelle Ordnungswidrigkeiten darstellen.

Das Hinweisschild „Naturschutzgebiet“ weist darauf hin das Hunde an der Leine zu führen sind

Es gibt keinen generellen Leinenzwang auf Amrum, jedoch im Amrumer Wald, in den Naturschutzgebieten, im Bereich des Nationalparks und an einigen Strandabschnitten müssen Hunde angeleint werden. In den Naturschutzgebieten und im Wald dürfen die Wege nicht verlassen werden und Hunde auch nicht an sogenannten Schleppleinen geführt werden. Die Amrum Touristik bittet in ihrem Flyer „Amrum mit Hund“ darum, dass Hunde auf der ganzen Insel immer angeleint geführt werden sollten.

„Lässt man seinen Hund in Gebieten ohne Leinenzwang frei herumlaufen, sollte man aber zu jeder Zeit sicher sein, dass weder andere Tiere noch Menschen belästigt werden,“ so Hundebesitzerin Kinka Tadsen, „auch wenn man seinen eigenen Hunden gut kennt und weiß, dass er niemanden etwas tut, gibt Menschen, die Angst vor Hunden haben, besonders wenn sie frei herumlaufen.“

„Ein nicht angeleinter Hund sollte sich nicht zu weit vom Besitzer entfernen, jederzeit zu sehen sein und immer auf Anruf zurückkommen, egal ob gerade ein Kaninchen kreuzt oder Vögel am Wegesrand sitzen,“ so Ulrike Bock, die auf Amrum eine Hundeschule betreibt. „Ich weise meine Klienten immer darauf hin, dass es auf Amrum zahlreiche Schutzgebiete gibt, in denen die Hunde immer angeleint sein müssen.“

Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich alle verantwortlichen Vereine, Naturschutzverbände und politische Gremien nochmals mit dieser Thematik auseinandersetzen, um Gebiete festzulegen, in denen Hunde ohne Leine frei herumlaufen können, aber auch alle Schutzgebiete deutlich benennen, in denen Leinenzwang gilt. Erste Ansätze sind vorhanden, die neue Strandkonzession von Norddorf sieht auch einen Hundefreilauf vor.

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Über Ralf Hoffmann

Ralf Hoffmann wurde 1955 in Schleswig geboren und zog mit seinen Eltern und Geschwistern 1962 nach Amrum. Nach dem Abitur in Niebüll studierte Ralf Luft und Raumfahrttechnik in Berlin. Die ersten 6 Berufsjahre verbrachte er als Entwicklungsingenieur bei VW und danach wechselte er als Aerodynamischer Entwicklungsingenieur zu Ford nach Köln. Als Leiter der Aerodynamischen Entwicklung für Ford Europa und die letzten 15 Jahre als Manager Aerodynamik und Motor- und Komponentenkühlung war er weltweit verantwortlich und viel unterwegs, um die jeweiligen Prototypen unter Hitze und Kälte zu testen. Nach all den Jahren auf dem Festland sind Ralf und seine Frau Karin nun wieder nach Amrum zurückgekehrt.

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2 comments

  1. Guten Tag,

    da ist er wieder der Moment wo mir selbst als Hundehalter die Tränen in den Augen getrieben werden wenn ich solche Artikel lesen muss.

    Wer mir so kommt und sacht ich bin einheimischer und darf das, dann darf ich als einheimischer auch die Notwendigkeit in Erwägung ziehen betroffene Personen Anzuzeigen.
    Und ich bin dabei außen vor weil ich Tourist bin. Und auch da gibt es keine zwei Meinungen, Anzeigen.
    Unsere Gesellschaft wird leider immer schlimmer. Ich erlebe es täglich wenn ich mit unserer Fellnase spazieren gehe. Selbst an einer 120 cm Leine haben manche ihren *Liebling nicht im Griff.
    Und oft erkennt der leihe schon von weitem was zwischen Halter und Hund nicht stimmt.

    Wir haben eine 10 mtr Leine damit unser sich bewegen kann, und in diesem Radius ist zu beobachten das, dass abrufen teilweise schon für nicht angeleinte Hunde nicht klappt.
    Es bleiben immer Jäger und das kann man sehr gut beobachten, wenn diese plötzlich ihr Verhalten ändern.

    Wenn wir unseren Nachkommen noch eine gesunde Tierwelt hinterlassen wollen sollten wir diese auch Respektieren und Schützen!

    Ich appelliere als Tourist als Hundehalter an alle anderen. Nehmen Sie ihre Fellnase an die Leine gerne auch mit 10 mtr. so können wir und fremde Arten gut miteinander auskommen.

    Mit freundlichen Interesse und Grüßen
    Thomas und Sibylle Zeutzem

    Und dem Wunsch das alle Gesund bleiben

  2. Es gab vor einigen Jahren schon einmal einen Artikel über nichtangeleinte Hunde auf Amrum. Damals wurde eine Frau von einem Hund verletzt. Ich habe damals in den Kommentaren geschrieben, dass ich seit 2011 eine stetige Verschlechterung feststelle – jedes Jahr mehr freilaufende Hunde, und Besitzer, die sich nicht dafür interessieren, was erlaubt ist und was nicht. Damals wurde ich hier regelrecht mit einem Shitstorm belegt.

    Ich wiederhole es deswegen nochmal: Es wird jedes Jahr schlimmer. 2020 war extrem – wahrscheinlich, weil sich angesichts der Corona-Einschränkungen noch mehr Widerstand gegen Verbote regt bei Leuten, die sich ausschließlich für sich selbst interessieren. Dass Hundebesitzer echte Naturfreunde sind, ist eher die Ausnahme. Und dass die Einheimischen auch noch zum Großteil als schlechtes Vorbild fungieren, ist traurig. Kontrollieren und hohe Bußgelder – das ist doch am Ende wieder das einzige, was ein wenig helfen würde. So ist der Mensch – Appelle berühren nur die, die sowieso schon ein Auge dafür hatten.
    Maren R. Kirchhoff

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