Wenn ein Amrumer eine Reise tut 3.0 …


Im Dezember 2010 sowie im September 2021 hatte ich für Amrum News jeweils einen „Reisebericht“ über abenteuerliche Erlebnisse bei Reisen

Marschbahn und ICE in Altona

von und nach Amrum geschrieben. Nun habe ich wieder einmal Erfahrungen mit der Beschwerlichkeit des Reisens auf unsere Insel sammeln dürfen. Um bei den treuen Lesern von Amrum News keine Langeweile aufkommen zu lassen, wollte ich eigentlich nicht schon wieder so einen Reisebericht schreiben, aber dann war in der letzten Wochenendbeilage des Inselboten ein Artikel „Die Bahn ist die Zukunft Europas“. Hierin beschreibt der tschechische Journalist und Buchautor Jaroslav Rudis in einem Interview die Faszination und Freude am Bahnreisen. Er bezeichnet sich selbst als Eisenbahnmensch und berichtet von Glücksgefühlen beim Zugfahren. Derart euphorische Gedanken hatte ich meiner letzten Bahnreise nicht, und ich bin mir sicher, dass Herr Rudis nicht in einem Zug zwischen Hamburg und Düsseldorf unterwegs war, zumindest nicht am Wochenende nach Ostern. Ich bin der Meinung, dass in Deutschland die Bahn noch deutlich an ihrer Zukunft arbeiten muss, und so habe ich mich entschlossen, doch nochmal einen Reisebericht zu schreiben.

Zur Sache:

Am Samstag nach Ostern wurde mein zweiter Enkel, Louie, in Erkrath bei Düsseldorf getauft. Natürlich wollten wir, meine Tochter und Louies Tante Laura, Lehrerin an der Öömrang-Skuul, und ich dabei sein, und wir planten die Reise. Aus beruflichen Gründen kam für uns nur eine Kurzreise, Freitag Anreise nach Düsseldorf, Samstag Taufe und Feier, Sonntag Rückfahrt nach Amrum, in Frage. Es war das letzte Wochenende der Osterferien in vielen Bundesländern, und wir rechneten mit einem hohen Verkehrsaufkommen. Auch waren die Spritpreise ja ins Unerschwingliche gestiegen, so entschlossen wir uns mit der Bahn zu fahren. Tickets mit Platzreservierungen zwischen Hamburg und Düsseldorf waren rasch über das Internet gebucht. Ursprünglich wollten wir mit der 9:30 Fähre ab Wittdün los, dann war jedoch der Fährplan auf Grund von Niedrigwasser so gehörig durcheinander geraten, dass wir keine Chance sahen irgendwelche Anschlusszüge zu bekommen, mit denen wir an diesem Tag noch unser Ziel hätten erreichen können. Wir hatten die Tickets mit Stornierungsmöglichkeit bis 18 Uhr am Vortag der Reise gebucht, was sich als schlau herausstellte, denn so konnten wir, unter Abzug von 10 € Bearbeitungsgebühr pro Person, die ursprünglichen Tickets via Internet zurückgeben und neu buchen. Allerdings hatten wir zuerst neue Fahrkarten gebucht, bevor wir stornierten, um dann zu erfahren, dass man kein Geld zurückbekommt, sondern einen Gutschein, 3 Jahre gültig, für eine weitere Buchungsmöglichkeit erhält. Lerneffekt: Erst stornieren, dann neu buchen!

Die Reise ging für uns dann bei günstigen Wasserständen pünktlich am Freitagmorgen um 6:00 mit der W.D.R. ab Wittdün los. Problemlose Ankunft in Dagebüll, planmäßige Fahrt mit der NEG nach Niebüll und dort pünktlicher Umstieg in die Marschbahn ließen auf eine entspannte Fahrt nach Düsseldorf hoffen. Kurz vor Hamburg-Altona ereilte uns dann eine Push-up-Meldung der Bahn, dass der ICE von HH-Altona nach Passau, auf den wir gebucht waren, wegen technischer Probleme ausfällt. Es war ein Ersatzzug (Intercity) bereitgestellt worden, allerdings ohne Sitzplatzauszeichnung. Unsere Reservierung war somit hinfällig. In diesen Ersatzzug stiegen jedoch überraschend wenige Passgiere ein, so dass wir problemlos im hinteren Teil des Zuges gewünschte Sitze, beide am Fenster in einer 4-er-Siztzgruppe, fanden. Auf den Plätzen dem Gang gegenüber nahm eine junge Mutter mit 2 Kindern, geschätzt 5 und 8 Jahre alt, Platz, nachdem wir sie überzeugen konnten, dass sie nicht weiter nach ihren reservierten, nicht vorhandenen Plätzen suchen muss. Pünktlich verließ der Zug im Schritttempo HH-Altona und der freundliche Zugchef entschuldigte sich via Lautsprecherdurchsage für die Unannehmlichkeiten bezüglich des ICE-Ausfalls und der damit verbundenen Aufhebung der Sitzplatzreservierungen. Er tat dies auf Deutsch und Englisch, und so habe ich erfahren, dass „Ersatzzug“ auf Englisch „replacement train“ heißt. Man lernt nie aus!

Der nächste Halt war HH-Hauptbahnhof. Dort einfahrend habe ich noch nie einen so vollen Bahnsteig gesehen! Ein ICE hat bis zu 450 Sitzplätze, ein IC im Normalfall 300, kann aber durch zusätzliche Wagen verlängert werden, was in unserem Zug der Fall gewesen sein muss, denn die auf dem Bahnsteig geschätzt wartenden 500 Menschen drängten alle in den Zug. Es entstand ein riesiges Durcheinander, da alle ihre (nicht vorhandenen) reservierten Sitzplätze suchten. Offensichtlich waren viele der Zuggäste nicht darüber informiert, dass im „replacement train“ keine Reservierungen vorgenommen werden konnten. Während der IC sich dann mit gut 10minütiger Verspätung in Bewegung setzte, machte der freundliche Zugchef eine weitere Durchsage: „Sehr geehrte Fahrgäste, in diesem Ersatzzug nach Passau ist die Sitzplatzreservierung aufgehoben, wir bitten dies zu entschuldigen. Weiterhin missachten sie bitte die am Hamburger Hauptbahnhof angegebenen irrsinnigen Mitteilungen zu den Haltepunkten dieses Zuges. Selbstverständlich halten wir in allen vorgesehenen Städten. Die Mitteilungen „hält heute nicht in“ vergessen Sie bitte schnell. Unser nächster Halt ist HH-Harburg, dann Bremen, Osnabrück, Münster, Recklinghausen, Gelsenkirchen, Oberhausen, Duisburg, Düsseldorf (!) u. s. w.“.  In HH-Harburg warteten nur wenige Menschen auf unseren Zug, es hätten aber auch kaum mehr Passagieren hineingepasst. Noch immer irrten Menschen mit Gepäck in beiden Richtungen die Gänge auf der Suche nach Sitzplätzen umher, bis eine weitere Durchsage erklang: „Eine Mitteilung an alle, die noch keinen Sitzplatz gefunden haben, insbesondere in den Wagen am Ende und am Anfang des Zuges: In den mittleren Waggons des Zuges sind noch einige wenige Sitzgelegenheiten frei!“ Tatsächlich entspannte sich die Lage im Zug daraufhin, bis es auf halber Strecke nach Bremen auf freier Strecke plötzlich zu einer Vollbremsung kam. Als der Zug zum Stillstand gekommen war, ertönte nun eine weibliche Stimme aus den Lautsprechern: „Eine Mitteilung an das Zugpersonal: Es wurde eine Notbremse betätigt:“ Es herrschte eine große Stille im Zug, in die der 5-jährige Junge aus der Sitzgruppe neben uns laut und deutlich ausrief „Wer war das?“, was doch zur Erheiterung der anderen Fahrgäste beitrug. Das Zugpersonal eilte durch den Zug und wenig später setzte sich der IC wieder in Bewegung. Der freundliche Zugchef teilte mit: „Wir können weiterfahren. Die Notbremse wurde versehentlich betätigt.“ Der Rest der Fahrt verlief dann tatsächlich ohne weitere Behinderungen, und kurz nach Münster konnte der Zugchef vermelden: „Liebe Fahrgäste, unserer Lokführerin ist es gelungen die 10minütige Verspätung aufzuholen, wir fahren jetzt wieder fahrplangemäß, alle Anschlusszüge werden erreicht. Beten wir zu Gott, dass das auch bis Passau so bleibt.“ Vereinzelt war Applaus zu hören.

Pünktlich kamen wir in Düsseldorf an, wo uns mein Sohn mit meinem älteren Enkel, Mats, abholte. Er wurde jedoch kurz zuvor aus dem Bahnhofsgebäude gewiesen, weil er seinen Mund-Nasenschutz zuhause vergessen hatte. Während der gesamten Zugfahrt hatten übrigens alle Passagiere brav ihre Masken, zum größten Teil sogar FFP2-Masken, auf, nur zur Nahrungsaufnahme wurden sie kurz abgesetzt.

Opa Peter und Tante Laura verbrachten dann am Samstag eine schöne Taufe mit anschließender Feier im Verwandten- und Freundeskreis, und traten am Sonntag nach einem gemeinsamen Frühstück die Rückreise nach Amrum an. Für unseren ICE, diesmal aus München kommend, war die Abfahrtszeit 10:35 Uhr angegeben. Bei einem pünktlichen Ankommen in HH-Altona wollten wir dann mit der Marschbahn und der NEG die 18 Uhr Fähre ab Dagebüll nach Amrum erreichen. So war der Plan. Aus früheren Erfahrungen wussten wir, dass man nie auf die letzte Fähre zu den Inseln (sonntags 20 Uhr ab Dagebüll) setzen sollte, was sich wieder einmal als richtig herausstellen sollte.

Wir waren rechtzeitig am Düsseldorfer Hauptbahnhof und konnten uns noch mit Reiseproviant und Getränken eindecken. Am Bahnsteig stellten wir uns dann in den Wartebereich „A“, hier sollte der Wagen Nummer 1, in dem wir Sitzplätze reserviert hatten, halten. Eine Lautsprecherdurchsage kündigte eine Verspätung des Zuges von etwa 5 Minuten an. Beim Blick auf die Anzeigetafel fiel Laura auf, dass dort die schemenhaft angegebene Wagenfolge in genau umgekehrter Richtung wie ursprünglich genannt angezeigt wurde. Wagen 1 hielt jetzt also im Wartebereich „F“. Wir begaben uns also zum anderen Ende des Bahnsteigs, was jedoch kein Problem war, denn die Anzeige gab jetzt eine Verspätung von bereits 7 Minuten an. Der Zug fuhr ein, wir standen an der richtigen Stelle und konnten schnell unsere Sitzplätze einnehmen. Viele andere Fahrgäste hatten jedoch offensichtlich die umgekehrte Wagenfolge noch nicht mitbekommen, so irrten dann wieder viele Reisende auf der Suche nach ihren Plätzen von hinten nach vorne und umgekehrt, bis schließlich im Zug eine Durchsage ertönte: „Wir begrüßen die in Düsseldorf neu zugestiegenen Fahrgäste. Bitte beachten Sie, dass dieser Zug heute in umgekehrter Wagenfolge verkehrt. Wagen 1 befindet sich am Ende des Zuges, die Wagen erster Klasse, 11 und 12, sind an der Zugspitze. Der Wagen 8 wird heute in diesem Zug heute nicht mitgeführt.“ Eine Durchsage am Bahnhof war nicht erfolgt.

Wenige Minuten nach der Durchsage meldete sich der Zugführer erneut, nun mit einer sehr eindringlichen Mitteilung: „Liebe Fahrgäste, hier ergeht nochmals die Aufforderung das Rauchen zu unterlassen. In allen Zügen der Deutschen Bahn herrscht striktes Rauchverbot. In allen Räumlichkeiten sind Rauchmelder installiert. Bei einem nochmaligen Auslösen der Brandmeldeanlage muss dieser Zug aus dem Verkehr gezogen werden und darf nicht mehr weiterfahren. Und Sie wollen doch alle pünktlich an ihr Ziel kommen, oder?“ Mit in unserer 4er-Sitzgruppe und auf der anderen Seite des Ganges saßen  ein paar Fußballfans des FC Augsburg auf dem Weg zum Bundesligaspiel in Bochum (Augsburg hat übrigens 2:0 gewonnen), die sich sehr gesittet benahmen, jedoch durch die Maske hindurch grinsten und berichteten, dass irgendwo im Zug wohl auf einer Toilette geraucht worden war. Daher wohl die mittlerweile sich auf 10 Minuten ausgeweitete Verspätung. 10 Minuten waren gerade die angegebene Umsteigezeit in HH-Altona, aber in Erinnerung an die auf der Hinreise eingeholte Zeit zwischen Bremen und Münster, waren wir guter Dinge, dass auch diesmal die Verspätung wettgemacht werden könnte. Ob uns diesmal wieder eine Lokführerin kutschierte konnten wir allerdings nicht ausmachen. Hinter Münster wollte der ICE jedoch nicht mehr so richtig Fahrt aufnehmen, mehrmals wurde der Zug immer langsamer und einige Male wurden auch kurze Stopps eingelegt. Hierzu kam rasch eine weitere Durchsage: „Sehr geehrte Fahrgäste, vor uns fährt ein langsamer Zug. Dadurch haben wir jetzt eine Verspätung von 30 Minuten.“ Damit war unsere Hoffnung pünktlich in Hamburg anzukommen um die Marschbahn zum 18 Uhr Schiff zu erreichen dahin. Wenigstens gab es ja noch das 20 Uhr Schiff! Wenige Minuten später kam unser ICE dann wiederum zum Halt. Diesmal an einer Bahnstation und zwischen mehreren Bau- und Güterzügen. Es folgte erneut eine Durchsage: „Sehr verehrte Fahrgäste, wir stehen hier in Hasbergen. Dies ist kein regulärer Halt, bitte steigen Sie nicht aus. Leider ist unsere Fahrt hier auf unbestimmte Zeit unterbrochen. In Osnabrück  gibt es eine Bombenentschärfung, der Zugverkehr ist eingestellt, die Evakuierungsmaßnahmen sind noch nicht beendet. Wir können auch nicht in den Bahnhof Osnabrück einfahren, da alle Gleise bereits mit vorangegangenen Zügen belegt sind. Sobald wir weitere Informationen erhalten, werde ich diese an Sie weitergeben.“ Nun war auch das Erreichen der letzten Fähre nach Amrum an diesem Tag in Gefahr. In Gedanken sahen uns schon die Nacht  im Strandhotel Dagebüll verbringen. Nach etwa 15 Minuten gab es dann neue Infos: „Wie uns mitgeteilt wurde, werden wir in Kürze auf ein Nebengleis im Bahnhof Osnabrück einfahren können. Von dort aus werden wir nach Hannover umgeleitet. Nach einem Stopp im Hauptbahnhof Hannover werden wir dann entgegensetzte der eigentlichen Fahrtrichtung, also rückwärts, nach Bremen umgeleitet, von dort aus können wir dann wieder unsere eigentliche Fahrtstrecke aufnehmen.“ Tatsächlich setzte sich unser Zug in Bewegung, wir fuhren quasi in Schlangenlinien durch Güterzüge an das besagte Nebengleis in Osnabrück. Hier wurde uns mitgeteilt, dass die Fahrt nach Hannover weitergeht, sobald der Zugführer seinen neuen Streckenplan erhalten haben wird. Dies war tatsächlich nach wenigen Minuten der Fall. Während der Weiterfahrt wurden uns mehrmals Umsteigeempfehlungen in Hannover mitgeteilt, u. a. bestand die Möglichkeit in einen anderen ICE nach HH-Altona, aus Zürich kommend, ohne Umweg über Bremen, umzusteigen. Wir überlegten, ob wir das tun sollten. Einerseits wäre dieser Zug zwar ca. 1 Stunde früher als unser ICE, in dem wir ja Sitzplätze hatten, in Hamburg, die 18 Uhr Fähre würden wir trotzdem nicht erreichen. Andererseits hatten wir mit den vielen Zwischenfällen mit unserem Zug schon genug Ärger gehabt, und keiner konnte uns sagen, ob denn dann die reguläre Weiterfahrt ab Bremen auch wirklich stattfinden würde. Also entschlossen wir uns in Hannover den Zug zu wechseln. Diese Idee hatten schätzungsweise auch 300 andere Mitreisende. Am entsprechenden Bahngleis angekommen erinnerte ich mich unweigerlich an die Szene am Hamburger Hauptbahnhof bei unserer Anreise am Freitag. Dicht gedrängt warteten wir auf den Zug aus Zürich und hatten eigentlich keine Hoffnung auf Sitzplätze. Doch der ICE führ planmäßig ein und spuckte gefühlt ebenso viele Menschen aus, wie auf dem Bahnsteig gewartet haben. Das Gewühl war unbeschreiblich. Aber wir fanden prompt 2 Sitzplätze! Und das Umsteigemanöver  hat sich als absolut richtig herausgestellt. Kurz nachdem wir Platz genommen hatten, gab es eine weitere Push-up-Nachricht der Bahn. Unser eigentlicher Zug, der über Bremen fuhr, endete heute am Hamburger Hauptbahnhof und fuhr nicht bis Altona. Wären wir darin sitzen geblieben, hätten wir auch die 20 Uhr Fähre nicht erreicht!

Die NEG hat gewartet

Der ICE aus Zürich fuhr dann, Wunder über Wunder, völlig fahrplangemäß und ohne Zeitverlust bis HH-Altona, wo wir genug Zeit hatten, uns erneut mit Essbarem (indisches Curry to go, gibt es auf Amrum nicht!) und Getränken einzudecken um uns dann in die bereitstehende Marschbahn zu setzen, die aber nicht zu der angesagten Zeit losfuhr. Erst mit 10 minütiger Verspätung starteten wir. Wir wurden dann von einer eher etwas mürrischen Zugbegleiterin begrüßt, die wenig später auch unsere Fahrkarten kontrollierte. Diese Kontrolle war übrigens die erste und einzige an diesem Tag in den Zügen der Deutschen Bahn. Alle anderen Zugbegleiter hatten wohl anderes zu tun als Fahrscheine zu kontrollieren! Während der Fahrt nach Dagebüll wurden regelmäßig vor jedem Halt die Verspätungszeiten und mögliche Anschlusszüge durchgegeben, die 10 Minütige Verspätung blieb bestehen, was uns wieder große Sorge bereitete, da wir als Umsteigezeit in die NEG in Dagebüll eigentlich nur 4 Minuten hatten. Als Begründung für den Zeitverlust wurde angegeben: „Vor uns fährt ein langsamer Zug“. Das hatten wir doch heute schon einmal gehört….

Kurz vor Bredstedt kam dann die erlösende Mitteilung: „Eine Durchsage an die Fahrgäste nach Föhr und Amrum: Der Anschlusszug nach Dagebüll wartet auf uns. Bitte verlassen Sie den DB-Bahnhof und begeben sich zügig zu dem bereitstehenden Zug am NEG-Bahnsteig und teilen dann bitte dem Zugführer dort mit, wenn alle im Zug sind, damit die Fahrt zum Fähranleger in Dagebüll starten kann. Der Zug nach Tondern wartet auch, im Bahnhof Niebüll am Bahngleis gegenüber. Ausstieg in Dagebüll in Fahrtrichtung rechts.“ Genauso war es auch, rund 30 Fahrgäste hasteten in Niebüll zum Triebwagen der NEG, der uns in gewohnt gemütlichem Tempo nach Dagebüll-Mole kutschierte, wo zeitgleich mit dem Zug die „Norderaue“ der W.D.R. anlegte, die uns dann ohne weitere Verzögerungen nach Amrum brachte.

Heimatliches Schiff in Sicht

Die Hinreise nach Düsseldorf hat ab Wittdün rund 8 ½ Stunden gedauert, die Rückreise nach Amrum fast 13 Stunden. Um auf den eingangs diesen Berichts angeführten Artikel „Die Bahn ist die Zukunft Europas“ zurückzukommen: Wir alle wissen, dass Amrum ein Ort ist, der nur mit großem Zeitaufwand zu erreichen ist, dennoch scheint es mir als ob das Management der Bahn noch nicht so ganz für die Zukunft gewappnet ist.

Zu dem Geschehen „Bombenentschärfung“ konnte ich später folgendes herausfinden: Bereits im März wurde bei einer gezielten Suche nach Blindgängern aus dem 2. Weltkrieg im Osnabrücker Stadtteil Gartlage eine amerikanische Fliegerbombe vermutet und auch gefunden. Am 21.4. gab die Stadtverwaltung bekannt, dass am 24.4., unserem Reisetag, die Bombenentschärfung stattfindet. Es wurde angekündigt, dass ab 9:00 Evakuierungsmaßnahmen von 11500 Menschen beginnen und ab 11 Uhr der Bahnverkehr eingestellt wird. Die Bombe wurde letztendlich um 16:30 Uhr vor Ort gesprengt. Es muss der Bahn also bereits Tage vor dem Geschehen bekannt gewesen sein, dass, u. a. eben auch unser Zug, nicht planmäßig über Osnabrück hat fahren können. Hierzu gab es bis zu dem Stopp in Hasbergen keinerlei Informationen oder Empfehlungen über mögliche Reiseplanänderungen seitens der Bahn. Als Reisender muss man immer mit unerwarteten Zwischenfällen und Zeitverzögerungen rechnen, egal ob man mit dem Auto, Bus, Zug, Flugzeug oder Schiff unterwegs ist. Wetterkapriolen, technische Defekte, Unfälle etc. können schon mal eine Planung durcheinander bringen. Aber vorhersehbare oder sogar angekündigte Störungen müssen zumindest mit den Betroffenen kommuniziert werden um ihnen die Chance zu geben die Reiseplanungen zu ändern!

 

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Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay.,hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. Seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ arbeitet. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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… und das hat wieder richtig Spaß gemacht! Die Wetterbedingungen hätten nicht besser sein können …

3 comments

  1. Gud dai,

    seit dem Jahr 2000 reisen wir aus Franken mit der Bahn auf die Insel. Wir sind -wenn alles gut läuft- knappe 11 Stunden unterwegs. Es würde mittlerweile ein Buch füllen, unsere nicht reibungslosen Fahrten aufzuzeichnen.
    Mehrmals hat auch uns die letzte Fähre vor einer Übernachtung in Dagebüll bewahrt.
    Als Bahnfahrer ist man im Laufe der Jahre leidensfähig geworden. Die Fahrten werden jetzt mit der Einstellung angetreten: Mal sehen was heute passiert…
    Trotzdem ist die Anreise per Zug immer noch unsere erste Wahl.

    Grüße aus Franken
    W.Göschel

  2. Was lernen wir daraus? Rechtzeitig eine Übernachtung in Hamburg-Altona buchen. Dann können wir am nächsten Tag in Ruhe und ohne Stress auf die Insel fahren.
    Herzliche Grüße
    Reinhard und Brigitte Vetter aus München

  3. Das ist mir als Amrumer auch schon passiert. Das eine mal in den 80’rn am Berufsschultag nach Niebüll. Wg. des Fahrplans mußte man immer am Vortag nach der Arbeit das Schiff bekommen, in Niebüll übernachten und nach der Schule wieder zurück. Es war Winter. Es gab viel Eis im Watt und in der Schule wurde eine Durchsage gemacht das die Schüler nach Föhr und Amrum im Büro warten möchten ob Zug (Damals NVAG) und Schiff überhaupt fahren. Ankunft Amrum war dann gg. 22 Uhr mit 3 Std. Fährzeit. 🙂 Normalerweise wäre man gg. 17 Uhr zurück gewesen. Davor saßen wir für mehrere Stunden im Verwaltungsbereich der Schule . Ohne Essen, Ohne Getränke, nur mit den Schulsachen und viel Ungewißheit.

    Jahrzehnte Später (200x) sollte ich zu einem Termin nach Sylt und es war wieder Winter ohne Eisgang aber mit Schnee. Die Adler Express war noch in der Winterpause also gab es nur den Weg über das Festland. Netto 2 Std. WDR und etwa 1 Std. (?) von Niebüll nach Westerland. Mit Wartezeiten (wenig Verbindungen), Ungeplanten Verzögerungen und mehr waren es Tatsächlich mehr als 5 Stunden bis zur Ankunft auf Sylt. Der gleiche Weg im Frühjahr mit der Adler hat dann kaum 3 Std. gebraucht davon etwa 1 Std. Bus. 🙂 Von Amrum kennt man maximal 20 Minuten.

    Die Wochenend-Heimfahrten mit PKW von HH->Amrum in den 90’rn waren dagegen weniger Stressig – wenn man erst mal zügig aus dem Stadtverkehr heraus kam. Natürlich hat man versucht zumindest die Vorletzte Fähre zu erreichen. Notfalls hätte man immer noch das Auto in Dagebüll stehen lassen können. Doch auf dem Weg dahin war schon Vorfreude da und das Wochenende begann praktisch wenn man glücklich auf der Fähre nach Amrum saß. 🙂 Mit der Bahn wäre das damals kaum möglich gewesen. K.M.

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