Mit innovativem Konzept in die geförderte Norddorfer Zukunft oder doch lieber das Funkloch …?


Theno „Wi man weder diar” (Wir sind wieder da!)

Ausverkauft in zwei Tagen, ja, wenn die friesische Theatergruppe „Theno” auf die schauspielerischen Bretter geht, dann ist die Gaststube vom „Strand33” an drei Tagen hintereinander voll besetzt. Am Donnerstag, Freitag und Samstag gingen die Vorhänge für das diesjährige Theaterstück „A Gemeenversamlang” auf.

Kai Quedens begrüßte die Zuschauer und erzählte, das nunmehr seit 30 Jahren diese friesische Theatergruppe spielt und der damalige Bürgermeister Korl-Hinne Schult den Anstoß dazu gab. Die Stücke des Theaters sind immer aus dem Inselleben gegriffen und treffen mit ihren Themen den Nerv der Zeit. Dies haben jahrelang Annegret Bachmann, Jan Ruth und Barbara Motzke gemacht. In den letzten beiden Malen ist diese Aufgabe an Kai Quedens gegangen, der auch in diesem Jahr die Feder in der Hand hatte. „Wi san weder diar (wir sind wieder da)”, begrüßt Kai die Zuschauer nach der langen Zeit ohne Theater und beisammen sitzen. “Es ist wirklich alles passiert was wir hier spielen. Doch ich befürchte nach unserem Stück stehen Neuwahlen der Gemeindevertretung auf der Tagesordnung”, stimmt Kai das Publikum, unter ihnen auch erstmalig Annegret & Dieter Bachmann und Jan Ruth, auf die nächsten zwei Stunden ein.
Die Badegastdame vermißt das Internet in dem „Funkloch” von Barbara

Bühne auf:

Das Ferienhaus von Barbara befindet sich mitten in den Dünen und ist gebeutelt durch ein ewiges „Funkloch”, was die Vermietung im mobilen Zeitalter nicht einfacher macht. Hinzu kommt ihre eigenwillige „in die Jahre gekommene” Einrichtung, die aus einem Sammelsurium des Sperrmülls zusammengestellt ist. „Wat an rommelkasje (was eine Rummel-Bude)”, beschwert und mokiert sich Nachbarin Andrea.
Nachbarin Andrea urteilt über die „rommelkasje” von Barbara

Bei der nächsten Gemeindeversammlung möchte Barbara sich beschweren und das „Funkloch” gelöst bekommen. Bürgermeister Reinhard begrüßt Saskia, Janne, Kirsten, Barbara, Jens, Maren und Kai. Die Abstimmungsmethoden des Bürgermeisters (eine Hand hoch ist einstimmig) werden mit schallendem Lachen und Schmunzeln vom Publikum quittiert.

Janne mit innovativen Ideen für eine Zukunft die nach vorne schaut

Das Hauptthema ist eine Förderung des Kreises Nordfriesland über fünfhunderttausend Euro, die an das innovativste Konzept gehen. „Was können wir machen, Wie sollen wir es umsetzen? Hauptsache es geht nicht nach Nebel oder Wittdün, geschweige denn Sylt, Föhr oder Pellworm”, bangen die Norddorfer und legen sich mächtig ins Zeug. Die Ideenschmiede wird in Gang gesetzt und alle werfen ihre Themen zusammen: Golfplatz, Flugplatz, Bürgermeisterin, Gosch Amrum und mehr Stellflächen für Strandkörbe. Es kam viel zusammen, doch es wurde danach auch viel diskutiert. Wieso Golfplatz anlegen? Die Kaninchen haben doch schon für genügend Löcher gesorgt, die bespielt werden könnten. Kai möchte ein Gosch Amrum an der Nordspitze eröffnen und zwar als „unehelicher Sohn des Gosch von Sylt”, so hatte er sich eine Geschichte ausspekuliert und einen entsprechenden „neuen Lebenslauf” erfunden. „Ralf von Amrum News, das ist jetzt nichts für die Presse, das schreibst du nicht mit”, mahnt der Bürgermeister während der Sitzung des Öfteren. „Wir müssen den Preis für Innovation bekommen und das können wir nur machen, wenn wir ganz groß denken. Norddorf first!”, stimmt Maren die Gemeindevertreter in ihre Wahl zur Bürgermeisterin ein. Plakativ wird dies Unterfangen untermalt und der Applaus des Publikums stimmt lautstark mit ein.

Norddorf first! Maren kandidiert als Bürgermeisterin

Die Konkurrenz zwischen Bürgermeister Reinhard und seiner Mitbuhlerin wird von dem Wettkampf für die beste Idee noch bestärkt: Amrum im Winter nur für Insulaner, Seilbahn nach Dagebüll, Pimo im Strandkorb am Fähranleger. Zur Klärung, was alles in Sachen Werbung nach Aussen gemacht werden kann, übernimmt Frank Timpe einen grandiosen Gastauftritt.

Frank Timpe mit seiner zukunftsorientierten Werbung hielt eine Rede die alle sprachlos machte

Minutenlang erzählt er und keiner versteht auch nur ein Wort, die Stille und ratlosen Gesichter der Gemeindevertreter „sagen alles” und Frank Timpe wird vom Publikum gefeiert für eine Rede, dessen Inhalt vermutlich keiner verstanden hat aber die beeindruckend klang.

Alt Bürgermeister Reinhard und Maren prallen immer wieder aneinander

Die Aufbruchstimmung der Norddorfer war kaum zu bremsen und nach dem Motto „Anschalten statt Abschalten” sollte es nun mit Volldampf voraus in die Zukunft gehen, um die fünfhunderttausend zu bekommen. Dies zu kontrollieren und auf den Zahn zu fühlen kam Marianne M. vom Kreis Husum vorbei. Nach beeindruckenden Zukunftsworten der Bürgermeisterin zog es die Kreisabgeordnete jedoch vor mit Vermieterin Barbara auf ein Klönschnack zu gehen. Alles sollte in die Wege geleitet werden Frau Marianne M. zu beeindrucken und was gibt es schöneres als romantisch im Sonnenuntergang am Leuchtturm mit Wein und einem betörenden Friesen?

Aus Husum kommt Marianne M. um sich das Innovativste Konzept für die Förderung anzuschauen

Jens, der Auserwählte, gab unter Jubel wirklich alles mit Leib und Seele, um sich für Norddorf einzusetzen. Hat es was gebracht? Die Spannung wuchs, doch Marianne M. verkündete zur Überraschung Aller (auch dem Publikum), das Vermieterin Barbara das Geld für das beste Konzept bekäme. „In der heutigen Zeit einfach mal abschalten, die Pension Funkloch, bringt die Gäste wieder zur Ruhe. In der immer schneller werdenden Zeit mit dem Überfluss an Informationen ist hier in dieser Pension ein ausserordentlicher Erholungswert”, erklärt Marianne M. und erntet von den Gemeindevertretern Fassungslosigkeit. „Maren das wirst du allen Norddorfern erklären müssen, viel Spaß dabei”, piesackt alt Bürgermeister Reinhard. 

Ab in die Dünen, Jens gab alles um Marianne M. zu überzeugen

So kann es kommen und Theno traf auch hier den Nerv der Zeit. Die Thematiken waren wie aus dem Leben gegriffen und die schauspielerischen Leistungen grandios. Tosender Beifall und ein großes Dankeschön von stellvertretenden Bürgermeisterin Sibylle Franz an die Schauspieler/innen für drei unvergesslich tolle Abende, in denen sie nicht nur Spitzen verteilten sondern auch viel freie Zeit (wochenlanges Üben) opferten und der friesischen Sprache wieder einen großen Sprung in den Alltag gebracht haben.

Die Amrumer Nationalhymne „Dü min tüs” wurde zusammen mit dem Publikum gesungen

Zum krönenden Abschluss des Theaterabends sangen die Schauspieler und das Publikum zusammen die Amrumer Nationalhymne „Dü min tüs” musikalisch begleitet von  Kai, Jens und Frank auf ihren Trompeten und Saxophon.

 
Mit gespielt haben: Barbara Motzke, Andrea Reinartz, Barbara Schult, Saskia und Guido Langforth, Janne Schult, Kirsten Tadsen, Reinhard Boyens, Jens Winkler, Maren Gerrets-Blome, Kai Quedens und Marianne Holzer-Martinen. Alle dankten Wolfgang Fastenrath für die Technik und dem Team von Maike und Christian Laß vom Strand 33.
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Über Kinka Tadsen

Kinka Tadsen erblickte 1972 in Hamburg das Licht der Welt. Aufgewachsen ist sie dann auf Amrum. Abitur hat sie auf Föhr gemacht und sich für eine Fotografenlehre in Bad Oldesloe entschieden. Fotografen- und Lebenserfahrung hat sie in der großen weiten Welt auf diversen Kreuzfahrtschiffen als Bordfotografin gesammelt. 2003 folgte dann die Rückkehr nach Amrum. Seit 2008 gehört sie als freie Journalistin zum Amrum-News Team.

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