Was einst als Urlaubsreise begann, entwickelte sich zu einer beeindruckenden Dokumentation der Inselgeschichte. Mit viel Geduld und akribischer Recherche hat der Franke eine einzigartige Chronik über die Insel erstellt, die Ereignisse aus Millionen Jahren Geschichte zusammenführt. Was den Autor antrieb, welche Schätze seine Sammlung birgt und woran er bereits arbeitet, erfahren Sie im weiteren Verlauf.

Aus dem ersten Urlaub wurde eine große Liebe
Im Jahr 1991 reisten Wolfgang und Angela Göschel aus Ansbach in Westmittelfranken zum ersten Mal auf die Nordseeinsel Amrum. Die ersten Urlaube verbrachten sie in Wittdün und Nebel. Nach einigen sporadischen Aufenthalten kommen die Göschels seit 1998 Jahr für Jahr auf die Insel.
Von ihrer Ferienwohnung auf „Huuchstian“ genießen sie den Blick auf den Leuchtturm, über die gesamte Insel und das Wattenmeer. Für die Franken gehört der Urlaub an der Nordsee längst zum festen Bestandteil ihres Jahres.
Amrum in den 1970er-Jahren
Damals war das Freizeitangebot noch stark von Naturerlebnissen und der Ursprünglichkeit der Insel geprägt. Wattwanderungen, Strandburgen bauen und ausgiebiges Baden am schier endlosen Kniepsand gehörten ebenso dazu wie Spaziergänge durch den um 1948 aufgeforsteten Amrumer Wald und Erkundungen der Dünen.
Wer mehr über die Inselgeschichte erfahren wollte, besuchte das Heimatmuseum in der Nebeler Windmühle. Auch der Besuch der historischen St. Clemens-Kirche, der Aufstieg auf den Amrumer Leuchtturm, ein Abend in der Kultkneipe „Blaue Maus“ oder eine Fahrt mit dem Ausflugsschiff waren für viele Inselgäste selbstverständlich.
Bis in die 1970er-Jahre war der Tourismus auf Amrum überwiegend familiär geprägt und bestand hauptsächlich aus Privatunterkünften. Anfang der 1970er- und besonders in den 1980er-Jahren entstanden daraus eigenständige Ferienwohnungen. Diese Entwicklung veränderte das soziale Miteinander und den Alltag der Einheimischen nachhaltig.
Georg Quedens prägte Generationen von Inselgästen
Große Begeisterung weckten bei Wolfgang Göschel die Lichtbildvorträge von Georg Quedens. Bereits 1958 hielt dieser seinen ersten Diavortrag. Ab 1961 erschienen seine ersten Bildbände, später folgten zahlreiche weitere Bücher sowie die bekannten Amrum-Chroniken, die er von 1983 bis 2012 schrieb.
Neben seinen Büchern veröffentlichte Georg Quedens unzählige Beiträge in Magazinen und Zeitungen, unter anderem in den „Amrum News“ und im regionalen „Insel-Boten“, für den er bereits seit 1954 schrieb. Themen seiner Vorträge waren unter anderem „Amrum, die Insel“, „Amrum in der guten alten Zeit“, „Nordsee ist Mordsee“, „Nordsee und Wattenmeer“, „Seevögel“ sowie „Von Insel zu Insel“. Seit seinem Rückzug im Jahr 2010 führt sein Sohn Kai diese Tradition fort.
Für seine Verdienste erhielt Georg Quedens 2004 den Hans-Momsen-Preis, 2009 das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland und 2021 die Ehrenbürgerschaft seines Heimatortes Norddorf.
„Er hatte eine so tolle Aussprache und rollte das ,R‘ wie wohl kein anderer“, erinnert sich Wolfgang Göschel. Sämtliche rund 80 Bücher von Georg Quedens hat er gelesen – ebenso zahlreiche Werke anderer Autoren über Amrum. Darunter befinden sich die Lokalzeitung „Der Insel Bote“ und die hiesige Online Zeitung „AmrumNews“.

Eine Chronik mit 1.763 Seiten
Sechs Jahre lang arbeitete sich Wolfgang Göschel durch Bücher, Chroniken und Veröffentlichungen zur Insel. Weil das ständige Suchen nach einzelnen Informationen immer aufwendiger wurde, legte er eine Excel-Datei an. Daraus entstand eine umfangreiche Chronik mit kurzen Textauszügen und Hinweisen auf Ereignisse rund um Amrum.
Die Göschel-Chronik beginnt im Karbon – vor rund 300 Millionen Jahren – und reicht bis zum 27. Juni 2026. Während seines diesjährigen Inselurlaubs überreichte Wolfgang Göschel dem Vorsitzenden des Öömrang Ferian, Jens Quedens, einen USB-Stick mit seiner Chronik. Ausgedruckt umfasst das Werk 1.763 Seiten.
Wie diese außergewöhnliche Sammlung künftig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, steht noch nicht fest.
Fest steht jedoch: Wolfgang Göschel hat unzählige Stunden in die Geschichte Amrums investiert. Entstanden ist eine beeindruckende chronologische Zusammenstellung vieler Ereignisse auf und rund um die Nordseeinsel.
Das nächste Amrum-Projekt wartet bereits
Wie heißt es doch so schön: „Einmal Amrum und immer wieder Amrum …“ Die Franken sind längst vom Amrum-Virus erfasst. Doch für Wolfgang Göschel ist seine Arbeit noch nicht beendet. Bereits jetzt widmet er sich seinem nächsten Vorhaben: der „Amrumer Inselbahn im Miniaturformat“. Man darf gespannt sein, wie dieses Projekt am Ende aussehen wird.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

