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Abgelassenes Öl bringt wieder Tod für Seevögel…(to)

Einmal mehr kostet das skrupellose Handeln in der Handelsschifffahrt einer noch nicht zu übersehenden Anzahl von Trauerenten das Leben (Artikel vom 07.02.2008)

Betroffene Trauerente

Betroffene Trauerente

In dieser Woche wurde den Bewohnern der Inseln und Halligen im nordfriesischen Wattenmeer wieder einmal verdeutlicht, dass der eigene sorgsame Umgang mit den Schätzen der Natur, angesichts einer weiteren von Menschenhand verursachten ökologischen Tragödie vor der eigenen Haustür, aus rein kommerziellen Beweggründen mit Füssen getreten wurde. Nach den ersten Einschätzungen hat abgelassenes Öl dazu geführt, dass eine noch nicht sicher einzuschätzende Anzahl von Trauerenten, die im Seegebiet Amrum Bank den Winter verbringen, verölt wurden. Völlig entkräftet oder aber auch schon verendet gelangen sie jetzt an die Küsten der nordfriesischen Inseln und Halligen.
Wie der Leiter des Naturzentrums des Öömrang Ferian Armin Jeß berichtete, seien in den vergangenen Tagen an der Norddorfer Küste eine Gruppe von rund 380 Trauerenten gezählt worden, die sich zum Teil auf dem Wasser dümpelnd oder aber auf den Sandbänken vor dem Amrumer Kniepsand aufhielten. Diese Anzahl sei bei neueren Zählungen, die in enger Zusammenarbeit mit Dieter Kalisch von der Vogelschutzstation Amrum Odde des Vereins Jordsand durchgeführt wurden, deutlich geringer ausgefallen.
“Mit bisher rund 60 tot aufgefundenen Tieren, die zwischen Nebel und der Amrumer Nordspitze von den Gemeindearbeitern eingesammelt wurden, falle die Menge noch eher gering aus und man müsse in den nächsten Tagen, je nach Windrichtung mit mehr oder weniger starken Funden rechnen. Es ist so nicht ersichtlich, welche Tiere sich nach den vergangenen Stürmen nur ausruhen und welche durch das aufgenommene Öl nicht mehr in der Lage sind den sonst üblichen Lebensraum im Winter, das Seegebiet Amrum Bank anzufliegen. Bei der Trauerente handelt sich um eine Tauchente, die sich im seichteren Bereich der Amrum Bank von Muscheln, Schnecken und Krebsen ernährt und ansonsten nicht an die Küste kommt. Bei guter Sicht kann mann in der Ferne Gruppen von 5 bis 10.000 Tieren in der Luft beobachten”.
Auf die Frage, wie man den verölten Tieren helfen kann, drückt Jeß sein Bedauern aus und sieht die Chancen fürs Überleben als sehr gering ein. Selbst die Möglichkeit einen verschmutzten Seevogel in einer der zwei Waschstationen in Schleswig-Holstein reinigen zu können, bleibt selbst für einen vermeintlich geretteten Vogel nur eine einprozentige Überlebenschance nach der Wiederauswilderung. Allein die Tatsache, dass der Vogel schon bei der Aufnahme einer minimalen Ölmenge im Gefieder, durch seinen Putztrieb, genügend Giftstoffe aufnimmt, um seinen Magen Darm Trackt nachhaltig zu schädigen, raubt jegliche Illusion durch eine mechanische Reinigung die Vögel dauerhaft zu retten.
Bei dieser persönlichen Einschätzung liegt er mit Silvia Gaus, Biologin der Schutzstation Wattenmeer gleichauf. Durch das Öl wird das Gefieder der Tiere wasserdurchlässig, die Vögel kühlen aus und irgendwann verlassen die Kräfte die Trauerenten. Schon ein Zwei-Euro-Stück großer Ölklumpen könne einem Vogel zum tödlichen Verhängnis werden.
Bei der von einigen Tierschützern favorisierten Reinigung von eingesammelten Tieren dürfe man nicht außer Acht lassen, welche Todesangst solch ein Wildtier erlebt, wenn es solch eine aufwendige und langwierige Tortour durchläuft. Und das vor dem Hintergrund einer noch eher unter 1% gegebenen, dauerhaften Überlebenschance.
“Hierbei handelt es sich klar um ein Problem der Ethik”, sind sich Gauss und Jeß einig. Werbewirksamer ist natürlich die vermeintliche Rettung der Tiere, doch müsse man, so die persönlichen Meinungen, an die Würde der Tiere denken. Die Landesordnung sieht eine klare Handlungsempfehlung für das Auffinden von verschmutzten und kranken Tieren vor. Die alle Möglichkeiten nach der eigenen, fachkundigen Einschätzung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vor Ort offen halten. Dabei ist auch eine Erlösung vom qualvollen Leiden vorgesehen.
Wie Norddorfs Bürgermeister Peter Koßmann erklärte, sammelten die Mitarbeiter der Touristikbetriebe die Kadaver ein. Hierfür seien durch den schleswig-holsteinischen Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz spezielle Behälter auf die Insel gebracht worden. Die bisher vorgefundenen Ölflecken hielten sich aber eher im kleineren Rahmen und wurden bei den Kontrollfahrten mit aufgenommen.
Die Suche nach den Verursachern der Verschmutzung läuft noch. Doch seien trotz der vom Havariekommando in Cuxhaven angeordneten Ölüberwachungsflüge noch keine konkreten Hinweise auf den Umweltsünder zu verzeichnen. Die am Montag auf Föhr gesammelten Ölfunde werden noch in einem Labor des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie untersucht. “Es ist relativ frisches Öl und entgegen der ersten geäußerten Vermutung von einer Tierärztin auf Föhr, kann man davon ausgehen, dass es nicht um Öl aus dem vor zehn Jahren vor Amrum gestrandeten Frachter Pallas handelt”, erklärte Hans-Heinrich von Wecheln von der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste in Husum, gegenüber den Medien.

Das Öl von der Pallas wurde im September 2004 abgesaugt…

Wie viele Opfer nach dieser erneuten Umwelttragödie zu beklagen sein werden, ist nicht abzuschätzen, doch schon jetzt besteht die Forderung nach einer besseren Handlungsmöglichkeit bei der Ermittlung der Verursacher und dessen gerechten Bestrafung. Wenn solch eine immer wiederkehrende Tragödie für die Tierwelt überhaupt mit Geld jemals wieder gut zu machen wäre, sollten die Strafen so hoch angesetzt werden, dass es sich für keinen Reeder lohnen würde, seine Altlasten ins Meer abzulassen.

Verantwortlich für diesen Artikel: Thomas Oelers

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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.
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