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Die unendliche Geschichte hat ein Ende…(ck)

 

Die St.Clemens-Kirchengemeinde verkauft das alte Meyer-Haus in Nebel (Artikel vom 23.09.2008)
meyerhaus

Jetzt ist es amtlich. Das sogenannte alte Meyer-Haus, um das es immer wieder Querelen in der Amrumer Kirchengemeinde gab, wird nun doch verkauft. Das in unmittelbarer Nähe der St.Clemens-Kirche gelegene reetgedeckte Friesenhaus wurde im Herbst 2002 von der Kirchengemeinde erworben und hatte da schon reichlich für Diskussionsbedarf innerhalb der Gemeinde gesorgt. Die Entscheidung zum Kauf fiel seinerzeit inmitten der Kirchenvorstandswahl und der Verabschiedung des damaligen Pastors Henning Kiene. Trotz einer abgelehnten Bauvoranfrage beim Kreis Nordfriesland hatte der alte Kirchenvorstand auf seiner letzten Sitzung am 30.11.2002 in Anwesenheit des damaligen Propstes des Kirchenkreis Südtonern sowie dem Verwaltungsleiter des Rentamtes beschlossen, das alte Meyer-Haus für 450.000 Euro zu kaufen, um dort ein Pastorat und ein Grabsteinmuseum einzurichten. Das alte Pastorat im Smäswai sollte dafür für 500.000 Euro verkauft werden. Ein Kirchenmitarbeiter mit Familie sowie der Witwe des ehemaligen Kirchenmusikers räumten ihre Wohnungen. Das Gartengrundstück des schräg gegenüberliegenden Missionshauses wurde abgetrennt und als Baugrundstück vergeben. Weitere Ländereien um das alte und das jetzige Pastorat sollten ebenfalls als Bauland auf dem öffentlichen Markt angeboten werden. Doch die Rechnung ging nicht auf. Das geplante Grabsteinmuseum scheiterte an dem Einvernehmen mit dem Baudezernat der Nordelbischen Kirche. Der damalige Landesdenkmalschützer verfügte, die historischen Grabsteine dürften den Friedhof nicht verlassen.
Neue Ideen für das alte Meyer-Haus wurden entwickelt wie beispielsweises ein Gemeindezentrum mit großem Saal oder einem Kirchenladen mit angrenzendem Pastorat. Doch es kristallisierte sich immer mehr heraus, dass die geplanten Verkaufspreise der Immobilien und Länderein nicht erzielt und damit die Ideen nicht umgesetzt werden konnten. Neben der für das Meyer-Haus aufgelaufenen Schuldenlast von 484.000 Euro blieb auch noch das Finanzierungskonzept hinter seinen Erwartungen zurück. Weder das alte Pastorat noch die Baugrundstücke brachten die geplanten Gelder ein. Das Projekt um das Meyer-Haus war damit gescheitert. Hinzu kam noch der Einbruch der jährlichen Kirchensteuerzuweisungen, so dass die Kirchengemeinde sich 2007 von der defizitär laufenden Bücherstube und von der Trägerschaft für das Norddorfer Gemeindehaus trennte. Auch hier waren der Entscheidung viel Unmut und heftige Diskussionen innerhalb der Kirchengemeinde und der Amrumer Gäste vorausgegangen.
“Der Kauf des alten Meyer-Hauses hat sich als eine absolute Fehlentscheidung erwiesen”, sagt Amrums Pastorin Friederike Heinecke heute, die Anfang 1993 als neue Pastorin gewählt und damit verpflichtet wurde, das vom alten Kirchenvorstand Beschlossene umzusetzen.
Bereits im Mai diesen Jahres war sich der jetzige Kirchenvorstand nun einig darüber, sich vom Meyer-Haus zu trennen und es zum Verkauf auf dem öffentlichen Markt anzubieten. Doch die Bürokratie ließ eine sofortige Umsetzung des Beschlusses nicht zu. Erst jetzt erhielt die Gemeinde die kirchenaufsichtliche Genehmigung zum Verkauf durch den Kirchenkreisvorstand. “Von heute aus gesehen hat der Kauf des Meyer-Hauses einen enormen Schaden angerichtet, sowohl finanziell als auch auf der Vertrauensbasis in der Gemeinde”, bedauert Amrum Pastorin die Situation, “der letzte Schaden ist der Schlimmere.” Nun hofft der St.Clemensvorstand auf einen baldigen Verkauf. Das Grundstück mit Haus wird nun zu einem Mindestpreis von 300.000 Euro per Zeitungsanzeige angeboten. Bis zum 25. Oktober sollen die Kaufangebote im Nebeler Pastorat im Prästerstigh vorliegen, damit die Vorstandsmitglieder in der darauffolgenden Woche darüber beraten kann. Dann könnte die unendliche Geschichte endlich ein Ende haben, so dass sich der noch in diesem Jahr zu wählende neue Kirchenvorstand in der nächsten Amtsperiode mit diesem Problem nicht mehr belasten muss.

Verantwortlich für diesen Artikel: Carmen Klein
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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.
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