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Was für ein Lauf! Amrums Mukolauf ist eine Herzensangelegenheit!

Es ist ein bisschen wie im Märchen: Es war einmal ein Mann, der war sehr krank. Er hatte keine gute Lunge und konnte nicht laufen. Da ließ er andere laufen und sammelte mit ihnen Geld für Menschen, denen es nicht so gut geht. Um ihnen Mut zu machen. So ging das viele, viele Jahre. Eines Tages schenkte jemand dem Mann eine neue Lunge. Damit lief er los … und sammelte den Riesenbetrag von 5000 Euro ein!

Der Mann aus dem Märchen ist leicht auszumachen auf dem Vorplatz der Fachklinik Satteldüne: der lange Arm eines Puschelmikrofons hängt immer genau über ihm. Das Team vom Schleswig-Holstein-Magazin folgt Marcus Hausmann auf Schritt und Tritt – dem Mann, der zehn Jahre lang das größte Benefiz-Event Amrums organisiert hat, den Mukoviszidose-Lauf der Fachklinik Satteldüne zu Pfingsten. Vor zwei Jahren hat er das Spektakel in die Regie von Uwe Köller übergeben, weil die Krankheit es so forderte. Jetzt, neun Wochen nach seiner Transplantation, ist er mit neuer Lunge zurück. Am Start des 12. Muko-Laufes und am Start für ein, sagen wir ruhig: neues, frisches Leben.

Der Trubel ist dem 48-Jährigen gar nicht so recht, obwohl er natürlich weiß, dass große Aufmerksamkeit immer gut ist, eine große Sache voranzutreiben. Über 700 Läufer gingen dieses Jahr an den Start, das ist absoluter Rekord. Die Spendensumme ist es auch. Über 50.000 Euro kamen für die Regionalgruppe Amrum des Mukoviszidose Vereins zusammen. Eine Bilanz, die über die letzten Jahre ganz steil nach oben geht. Das Spendenranking im Internet live zu beobachten, war oberspannend. Tagelang dominierten Vera Friesendorff vom Weinfriesen in Nebel und Malte Harjes, Kinderfacharzt der Satteldünen-Klinik. Aber am letzten Morgen, wenige Stunden vor dem Start, katapultierten große und kleine Spenden Marcus Hausmann an die Spitze und verdoppelten seine Spendensumme auf satte 5.400 Euro!

Zum ersten Lauf  („Einmal um die Insel + um die halbe Insel) zählte Hausmann unter dem hoch aufragenden Puschelmikrofon von fünf runter auf  Start, nachdem der ärztliche Direktor Dr. Christian Falkenberg und  Verwaltungsdirektorin Saskia Louwers alle begrüßt hatten.  An den Conga- und Djembe-Trommeln: Musiktherapeutin Mechthild Wrede mit Patientenkindern und Eltern. Gemeinsam hatten sie für ihren Einsatz geübt. Zur kleinen 4,5-Kilometer-Runde startete Hausmann im Pulk seines Hamburger Krankenhaus-Teams.  Sein Arzt und er hatten sich vor der Operation in die Hand versprochen: wenn alles gut geht, laufen wir zusammen.

Das Faszinosum Nummer eins an diesem Laufevent ist der Spirit, der mitläuft und ins Ziel einläuft. Alle(s) für einen guten Zweck. Das glaubt man, ganz beseelt, selbst bei den Allerkleinsten zu spüren, die in der Kindergartengruppe organisiert, teilweise völlig selbständig, teilweise an den Händen ihrer Mütter und Väter mit fliegenden Kopftüchlein über die Ziellinie wackeln. Mit am Start Patienten von der Klinik, Ärzte, Husumer Rotarier mit ihren Ladies, der Bundesvorsitzende des Mukoviszidose Vereins Stephan Kruip, Insulaner, Gäste, Hochzeitsgäste! Tolle Aktion vom Team „Hochzeit“ um Anabel und Moritz Totzauer. Am Freitag geheiratet, am Samstag über die Zielschwelle des Mukolaufs getragen, Konfetti flog! Ein tolles Bild! Dank bestens beschrifteter T-Shirts mit Namen und Funktion (Trauzeugin, Schwägerin) hatte Mathias Hölck bei seiner Zielmoderation in diesem Fall leichtes Spiel. In anderen Fällen behalf sich der Lehrer der Öömrang Skuul sehr elegant mit Zurufen, Give-me-fives und seinem unwahrscheinlich guten Namensgedächtnis. Neben ihm immer mal wieder der ein oder andere Zieleinläufer zum kurzen Gespräch: Heike Janz zum Beispiel, aus Nettetal, jung, vor zwölf Jahren lungentransplantiert und jetzt glücklich, den Gegenwind und den tiefen Sand gemeistert zu haben. 1350 Euro Spenden hatte sie eingeworben. Sie lief das dritte Mal mit, war mit sechs Jahren das erste Mal Patientin auf Amrum und kommt jetzt als Gast immer wieder. Mit Freunden, die auch Mukoviszidose haben, die untereinander verdammt gut vernetzt sind, „dieser Buschfunk hilft uns sehr“.

Dann kam das Puschelmikrofon in Sicht, Marcus Hausmann konnte also nicht weit sein, und tatsächlich, da kam er mit seiner „Team LTX-UKE“-Entourage aus Medizinern, Familie und Freunden, lief glücklich über die Ziellinie. Mal eben 5412 Euro fünfzig erlaufen – und wahrscheinlich ein ganz neues Lebensgefühl. Glückwunsch!

Das nächste Faszinierende an diesem Laufevent hat seinen Ursprung in der Arbeit, die vorher zu leisten ist: Spenden auf sich zu vereinen. Der Lauf ist dann nämlich nur noch Belohnung. Kinderarzt Malte Harjes sprach von „sehr nachdrücklichen Erinnerungsmails“ an Freunde, Kollegen und Bekannte – und grinste. Vera Friesendorff, die mit Mann Jens und einem österreichischen Freund auf die Halbe-Insel-Strecke ging, hatte zwei, drei Wochen zuvor eine Spendendose aufgestellt und die rund 50 Mitglieder ihres Freundeskreises „Weinfriese“ ebenfalls „sehr offiziell und mehrmals“ an dieses Event erinnert. Marcus Hausmann bekam am Morgen des Lauftages einen Anruf von Organisator Uwe Köller, weil gerade ein Spender eine Summe gespendet hatte, von der man erst dachte, das Komma sei verrutscht. Dem war nicht so, wie Köller auf Nachfrage beim (edlen) Spender erfuhr. Derart gepuscht hat Hausmann dann noch mal alle Hebel in Bewegung gesetzt. „Leute, da geht noch was – spendet!“

Die drei Spendenkönige gewannen je ein paar Tage im Haus Sturmvogel des Mukoviszidose Vereins in Wittdün. Das 11-Appartment-Seele-baumel-Haus für Muko-Patienten und ihre Familien ist perfekt ausgerüstet und sehr bedacht, allergikerfreundlich, für deren Belange ausgerüstet. Dazu tragen auch jedes Jahr die Rotarier aus Husum und die Ladies des Inner Wheel Clubs bei, die wieder zwei Schecks über insgesamt 1.500 Euro an Uwe Köller überreichen konnten. Zusammengekommen aus privaten Spenden der Husum-Rotarier und dem Verkauf von handgearbeiteten Körnerkissen in Apotheken und Arztpraxen. Die Gruppe, zu der auch die Architektin Barbara Barten gehört, kümmert sich seit Jahren rührend. Barten hat vor drei Jahren gemeinsam mit Hausmanns Frau Gudrun die Sanierung und Neuausstattung des Sturmmöve-Hauses verantwortet.

Uwe Köller, Chef-Organisator dieses wieder so erfolgreichen Events war froh, dass er zur Siegerehrung nicht mehr so viel sagen musste. Das nahm ihm der Bundesvorsitzende Stephan Kruip ab, der dieses Jahr 50 geworden und das beste Beispiel ist für den Forschungs-Fortschritt bei dieser unheilbaren Erbkrankheit, die in Deutschland rund  8000 Menschen haben. Denn vor fünfzig Jahren, als der Mukoviszidose-Verein gegründet wurde, hatten Kinder, die mit dieser Krankheit geboren wurden, eine Lebenserwartung von vier Jahren. Heute sind es rund 40. Und Kruip ist schon 50. Und die Hoffnung – und die Forschung – gehen weiter. Kruip hat aber auch an die Muko-Betroffenen erinnert, die nicht laufen können und ihr Leben „zwischen Treppenlift und Krankenhaus“ verbringen. Weiter Spenden hilft!

Auch Köller, dessen anstrengender Orga-Job für dieses Jahr langsam zu Ende ging, gehört zu denen, die in ihrer Jugend die Prognose „wird nicht erwachsen“ bekamen. Ein Irrtum, dank besserer Therapien und Antibiotikabehandlungen. Der 42-Jährige, der vor acht Jahren der Luft wegen nach Amrum kam, weiß, wie wichtig die Fachklinik Satteldüne für die Muko-Patienten ist. Seit den 80er Jahren wird die Krankheit hier behandelt. Und für ganz viele Menschen ist die Satteldüne zu einem Fixpunkt geworden. Zu dem sie immer zurückkehren.

Die später am Abend vor der Bühne zur rockigen Musik von Johnny Hamburg und Band tanzenden Jugendlichen sieht man mit ganz anderen Augen, wenn man weiß, dass ihnen dieses wilde Rumgezappel zu Hause gar nicht möglich wäre. „In Potsdam würde ich das luftmäßig gar nicht schaffen“, sagt Aileen. Die 16-Jährige ist zum zweiten Mal auf Amrum und liebt diesen Ort. „Du kommst her, hustet dich einen Tag lang frei und bekommst dann vier Wochen toll Luft.“ Von dem Luftphänomen berichten auch andere Teenies. Zwölf von der „Station Sonnendeck“ sind mitgelaufen. Muss ein unglaublicher Unterschied sein zwischen Festlands- und Inselluft. Die Jugendlichen nutzen Amrum als Kraftort. „Hier konzentriere ich mich wieder ganz in Ruhe auf mich und meine Atemtherapie, hier ist nichts, was mich ablenkt, kein Alltag, kein Schulstress und das ganze Drumherum“, sagt Aileen. Ihre Lebenserwartung war bei Bekanntwerden ihrer Krankheit schon 16 Jahre angestiegen.  Da ist sie nun. Es geht ihr gut. Natürlich denkt sie an das, was kommt. Daran, dass sie irgendwann – wie alle – eine neue Lunge brauchen wird. „Es gibt gute und schlechte Tage“, sagt sie. Journalistin, das wär so ihr Traumjob. Gute Wahl, denke ich und freue mich, dass ich sie fotografieren darf.

Alle Teilnehmer hatten mit dem tiefen Kniepsand und dem starken Wind zu kämpfen, alle haben Tolles geleistet. Hier kommen die Zeiten: Beim Lauf einmal rundrum siegte Matthias Becker aus  Salzgitter in 01:46:49. Zweiter war Insellauf-Dauersieger Jan-Peter Brückner aus Eckernförde  in 01:52:25. Björn Nahnsen aus Vollstedt wurde Dritter und Malte Harjes von der Satteldüne Vierter. Beim Lauf um die halbe Insel siegte „Amrums Laufwunder“ Matthias Dombrowski in 00:52:01.

Alle Ergebnisse unter www.amrumer-mukolauf.de

Ein großer Dank gebührt allen, die mitgeholfen haben. Der Amrumer Blaskapelle, den Kinderschminkern, den Bäckern, Bratern und Cocktailmeistern, den Müde-Muskeln-Massierern und denen, die später hunderte von Handtüchern zu waschen hatten, weil die Läufer in der Fachklinik Satteldüne duschen durften. Toller Service!

Wer die hervorragende Band um Satteldünen-Psychologe Sebastien noch einmal hören möchte, kommt Samstagabend ins Amrum Spa.

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Über Undine Bischoff

Undine Bischoff war drei Jahre alt, als sie 1968 das erste Mal in einer Schubkarre über den Kniep gerollt wurde. Da draußen am Meer baute ihr Vater der Familie zwanzig Jahre lang eine Holzhütte für die Sommerferien. Jetzt leitet die Journalistin und PR-Beraterin aus Hamburg während der Saison das Inselkino und ist (glückliche) Gastautorin bei Amrum-News.
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