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100 Jahre Seezeichenhafen Amrum

Häfen sind in der Regel die Mittelpunkte von Inseln und Küsten­orten. Schiffe fahren ein und aus, und Fischkutter legen sich nach der Fangfahrt längseits. Es riecht nach Fisch, Tang und Teer, und Möwen fliegen hin und her. Hier liegen die Schiffe des Rettungswe­sens, der »Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger«, der Tonnenleger und andere Behördenfahrzeuge sowie Motorboote und Segel­schiffe des Wassersports.
Immer gibt es Neues zu sehen, und deshalb sind Häfen immer auch Anziehungspunkt für Besucher. Und natürlich auch immer belebt von jenen Menschen, die hier beruflich zu tun haben .
Dies ist auch das Merkmal des Amrumer Hafens, der in diesem Jahr sein lOO-jähriges Bestehen feiert. Der Hafencharakter der windgeschützten Bucht am Amrumer Ostufer geht aber noch viel weiter zurück.

Schon auf der ältesten, genauen Karte von Amrum im Jahre 1799 wird die Bucht als »Amrumer Hafen« bezeichnet, obwohl es hier keinerlei Anla­gen gab, sondern nur die leeseitige Reede. Deshalb richtete der Land­vogt Peter Matthiesen anno 1768 einen Antrag an das »Königliche Commerzkollegium« in Kopenhagen über die Anlage eines Walfängerha­fens in der Steenodder Hafenbucht.
Das Ziel des Landvogtes war, die damals beachtlichen Erträge der »Grönlandfahrt« dem einheimischen Königreich Dänemark nutzbar zu machen, weil die inselfriesischen Walfänger fast ausnahmslos nach Hamburg und Holland gingen und den dortigen Reedern die Erträge des Walfanges zugute kamen. Die örtli­chen Verhältnisse wurden daraufhin auch untersucht, aber der Kapitän­leutnant Wengel kam zu dem Ergebnis, dass die Hafenbucht in stren­gen Wintern nicht eisfrei sei und der Ausbau über 40.000 Taler kos­ten würde. So blieben Vorschlag und Plan in der Schublade. Es dauerte dann bis zum Jahre 1905 – Amrum war inzwischen durch den Krieg 1864 aus dem Königreich Dänemark losgelöst und in das Deutsche Reich eingegliedert – ehe die Bucht bei Steenodde wieder in die Auf­merksamkeit einer Wasserbauinspektion geriet. Es ging nun darum, die Tonnenstationen von Husum, Tönning, Büsum, List und Amrum zusammenzu­fassen und ebenso für das demnächst ausgelegte Leuchtfeuerschiff »AMRUMBANK« einen Stützpunkt für Reparaturen zu schaffen. Und dafür wurde die Amrumer Hafenbucht ausersehen. Der Wasserbauinspekteur Hess­ler erhielt den Auftrag, einen entsprechenden Plan auszuarbeiten und nahm sich dieser Aufgabe mit großem Elan an. Dabei schoß er allerdings über das Ziel hinaus, als er im militärischen Überschwang sogar eine Station für Torpedoboote der Kaiserlichen Marine ins Gespräch brachte. Entsprechend waren dann die geschätzten Kosten von etwa 500.000 Mark, für die damalige Zeit eine unerhört hohe Summe, die das Ministerium in Berlin nicht akzeptieren konnte. Erst 1913/14 kam trotz des inzwischen ausgebrochenen Weltkriegs wie­der Leben in den Plan, nachdem die Kosten auf 315.000 Mark reduziert waren. Vom Wittdüner Hotelier Volkert M. Quedens konnte eine Fläche von 3,3 Hektar für 10.000 Mark erworben werden, so dass die Einrich­tung eines »Schutzhafens« für das Leuchtfeuerschiff eine konkrete Gestaltung erhielt. Hinzu kam der Beschluss, den Amrumer Hafen als Stationshafen für den geplanten Bau des Hindenburgdammes nach Sylt zu benutzen – was dann auch geschah. Allerdings begann der Bau des Eisenbahndammes vom Festland nach Sylt erst 1923, und da lag der Am­rumer Hafen voll mit den »Ungetümen« (Schaufelbagger u. a.) des da­maligen Bauvorhabens. Nach vierjähriger Bauzeit war der Sylter Damm vollendet und das »Neubauamt« gab am 1. Oktober 1927 den Seezeichen­hafen an das Wasserbauamt zurück.

Der Amrumer Hafen als Station für den Bau des Hindenburgdamms

Der Amrumer Hafen als Station für den Bau des Hindenburgdamms

Ausbau zum Tonnenhafen
Der Amrumer Hafen bestand zunächst nur aus kleinen Gebäuden und der langen Pier, an der die »Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger« einen Liegeplatz für das Rettungsboot, zunächst für »Picker«, dann für »Hermann Freese« erhielt. Aber auch als Liegehafen für Fischkutter erhielt der Hafen eine gewisse Bedeutung. Schließlich machten hier in den Jahren vor und insbesondere nach dem 2. Weltkrieg Hunderte meist Büsumer Krabbenkutter fest. Stationshafen für Krabbenfischer ist der Seezeichenhafen bis heute geblieben, wenn es sich auch nur noch um einzigen einheimischen (Andreas Thaden) und gelegentlich um Kutter von Büsum oder Friedrichskoog handelt.
Gebaut für das Feuerschiff “AMRUMBANK “, hat der Hafen aber m. W. diesen Zweck nie erfüllt: Das Schiff lag ab 1907 bis 1919 und ab da mit ei­nem Neubau gleichen Namens (heute im Hafen von Emden) auf seiner Po­sition. Aber es gibt keinen Nachweis, dass eine »AMRUMBANK« im Amrumer Hafen gelegen hat, obwohl dieser eigens dafür gebaut worden war. Seine eigentliche Hauptaufgabe als Seezeichenhafen wurde erst 1928 erfüllt. In diesem Jahr wurden die Tonnen aus dem »Tonnhaus« der Familie Ricklefs auf Steenodde in den Amrumer Hafen verlegt, nach­dem der Bauunternehmer Heinrich Behrens für knapp 9000 Mark den ge­räumigen Schuppen nebst Werkstatt am Hafen gebaut hatte, aufnahme­bereit für reichlich  200 Tonnen.

Der Tonnenhafen in den 1960er Jahren

Der Tonnenhafen in den 1960er Jahren

Tonnenleger von Generation zu Generation
Ein besonderes Kapitel des Amrumer Hafens ist auch die Geschichte der Tonnenleger-Familie Ricklefs, der das Amt um 1850 durch die dä­nische Regierung zugesprochen wurde. Seitdem ist diese Aufgabe bis zum Jahre 2015 in Händen der Familie geblieben. Zwar hatte die Was­serbauverwaltung mit der Einrichtung des Tonnenhafens auch den Bau eines eigenen Dampfers geplant, aber der Tiefgang eines solchen verhinderte die Ausführung, so dass die Familie Ricklefs mit ihren fast al­tertümlichen Schiffen, zuletzt mit der »Hildegard«, als »Vertrags­tonnenleger« ihr Amt behielt – durch 6 Generationen über einen Zeitraum von rund 130 Jahren.
Erst im Oktober 1983 stellte der Staat einen modernen Tonnenleger, die »Johann Georg Repsold«, in den Dienst, und die »Hildegard» wurde in Husum als Museumschiff aufgelegt. Kapi­tän des neuen Tonnenlegers wurde Hinrich William Ricklefs, der auf diese Weise die Familientradition bis 2015 fortsetzte. Auf die »Repsold« folgte im Jahre 2012 ein noch größerer Ton­nenleger, die »AMRUMBANK« , eine Erinnerung an den gleichnamigen Vorgänger.

Tonnenleger "Hildegard", im Dienst der Familie Ricklefs

Tonnenleger “Hildegard”, im Dienst der Familie Ricklefs

Zum »Aufsichtsbezirk Amrum« gehören derzeit 10 Leucht- und Leitfeuer, 327 Tonnen, darunter an besonders wichtigen Positionen 50 Leuchttonnen, 1100 Baken an Prielen und schmalen Wasserläufen, die Bake mit Rettungsraum auf Süderoog-Sand und die Loran-Station in den Dünen von Hörnum auf Sylt. Rund 25 Angestellte bilden die »Mannschaft« des »Aufsichtsbezirkes Amrum« des Wasser-und Schiffahrt­amtes. Chef dieser Behörde ist, nun auch schon seit 25 Jahren, Wolf­gang Stöck.

Der Yachthafen
Nach dem 2.Weltkrieg, mit dem Wiederaufblühen des Fremdenverkehres und dem wachsenden Wohlstand auf Amrum, begann sich in den 1960er Jah­ren auch der Wassersport mit Motorbooten und Segelyachten zu regen, der heute mitbestimmend für die Atmosphäre und für das Bild des Am­rumer Hafens ist. Ein Verein, der Amrumer Yachtclub, hat mit bemer­kenswerter Initiative, mit finanziellem Aufwand und freiwilliger Ar­beitsleistung im Seezeichenhafen mit Brücken und Liegeplätzen die entsprechende Abteilung des Hafenbeckens eingerichtet.

Georg Quedens

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Über Georg Quedens

Amrumer Fotowettbewerb 2015