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Gesundheit auf dem Vormarsch – hier qualmt ab sofort gar nichts mehr ….

Überall in Deutschland stößt man auf die starken Einschränkungen für Raucher. Abgetrennte Bereiche z.B. auf Flughäfen und Bahnhöfen sind schon ein gewohntes Bild. Aber immer wieder werden neue Anordnungen gegen das Rauchen erlassen, ob nun vom Gesetzgeber oder aus eigenen Intentionen einer bestimmten Interessengruppe heraus. So nun auch auf der Nordseeinsel Amrum. Die „Perle der Nordsee“ geht bahnbrechende, neue Wege in Sachen Erhaltung der Gesundheit und führt mit sofortiger Wirkung ab dem 1. April 2018 die erste rauchfreie Insel ein. Die AmrumTouristik und alle Bürgermeister der Insel haben diesbezüglich eine gemeinsame Entscheidung getroffen, und informierten nun Amrums Bürger über die neue Verordnung.

Wittdüner Kaufmann beim Leeren der Regale …

Die Sitzung fand am 30. März am Abend im Nebeler St.Clemens-Hüs statt, welches dem Ansturm von Mitbürgern kaum gewachsen war. Befürworter und Gegner erschienen mit großen Protestplakaten und unterschriebenen Petitionen für und gegen die neue Verordnung. Es waren ellenlange Unterschriftenlisten, denn die Inselbewohner mussten ja auch schon im Vorfeld die Urlaubsgäste über die neue Vorschrift bei Buchung ihrer Feriendomizile informieren. Für die zukünftigen Gäste heißt es dann nämlich vor dem Verlassen der Fähre beim Anlegen in Wittdün auf Amrum: „Das Einführen von Zigaretten, Tabak und weiteren nikotinähnlichen Substanzen ist ab sofort untersagt“. Das Rauchen auf den Schiffen in den ausgewiesenen Raucherarealen bleibt aber weiterhin gestattet. Während der Überfahrt haben die Urlauber die Möglichkeit, ihre Zigaretten u.ä. zu beschriften und auf der Fähre an einen eigens dafür bestellten Mitarbeiter der AmrumTouristik zu übergeben. Auf der Rückreise erhalten die Urlauber ihre Rauchutensilien von diesem auch wieder zurück, wenn sie dann nicht schon innerhalb ihres Urlaubs dem Rauchen entsagt haben.

 

Die Apotheken auf Amrum sind mit allen Mitteln vorbereitet …

Besorgte rauchende Bürger und Vermieter wandten sich nun an die Redaktion von Amrum-News um ihrem Unmut öffentlich Luft zu machen. „Natürlich rauche ich weiter, und lasse mich nicht in meinen Rechten als freier Bürger einschränken und diskriminieren“, so ein Amrumer Bürger und Vermieter aufgebracht. „Ich vermiete 3 Wohnungen, vornehmlich an Raucher. Und das mit Erfolg. Die Renovierungen jeden Winter sind zwar kostspielig, aber ich habe regelmäßige Stammgäste“. Aber auch positive Stimmen zu dieser Thematik sind zu vernehmen. „Endlich wird etwas zum Wohle der Umwelt und vor allem der Gesundheit getan. Dann haben die stinkenden Aschenbecher und die vielen weggeworfenen Kippen endlich ein Ende“, so eine begeisterte Bürgerin. Natürlich ist auch der Einzelhandel von dieser neuen Regelung betroffen, denn Amrums Initiatoren haben gemeinsam mit der EDEKA-Kette einen Entwurf getätigt, dass die Lieferung von Zigaretten, Tabak und Co. für Amrum eingestellt und durch Nikotinersatzprodukte zum Abgewöhnen des Rauchens wie Pflaster, Kaugummis, Sprays etc. im Kassenbereich ersetzt wird. Hierzu ein Statement eines Wittdüner Kaufmanns: „Das ist eine Katastrophe für uns, und es wird Arbeitsplätze kosten. Innerhalb der Saison sind rundum die Uhr zwei Mitarbeiter mit dem Einsortieren und Auffüllen der Tabakwaren beschäftigt“.
Amrum-News war am 30. März abends bei der Sitzung vor Ort, auf der es zwar lautstark zuging, aber die erwarteten Tumulte zum Glück ausblieben.
Stellvertretend für die Initiatoren des neuen Konzeptes konnte Amrum-News mit Frank Timpe, Vorstand der AmrumTouristik, nach Sitzungsende kurz sprechen.

 

Raucher Frank Timpe verabschiedet sich von seiner letzten Packung …

Amrum News:
Herr Timpe, das war für Sie ein schwieriger Abend heute. Wie sehen Sie nun die weitere Zukunft in Sachen „rauchfreie Insel“ und die momentan noch recht skeptischen und aufgebrachten Gegner?

Frank Timpe:
Wir wissen doch alle, dass Menschen unterschiedlich auf Erneuerungen, Verbote und Einschränkungen reagieren. Es war heute nicht leicht, den Bürgern unsere Argumentationen zu vermitteln, aber ich sehe trotzdem positiv in die Zukunft.
AN:
Herr Timpe, Sie sind ja selber Raucher. Was bedeutet es in Zukunft für Sie persönlich?
FT:
Anfänglich tat ich mich ehrlich gesagt sehr schwer mit dem Gedanken. Nun freue ich mich auf die kommende Zeit, und habe bereits das Rauchen unmittelbar nach der Veranstaltung eingestellt, um natürlich mit gutem Beispiel voranzugehen. Für den Gesundheitstourismus auf Amrum ist es wirklich ein mutiges und richtungsweisendes Projekt  Amrum–natürlich rauchfrei sozusagen.
AN:
Viele Bürger sind vehement gegen die neue Verordnung. Wie wird in dieser Hinsicht weiter verfahren?
FT:
Ab morgen früh, dem 1.April geht es in die Umsetzungsphase. In Anbetracht der nicht unerheblichen und nachvollziehbaren Widerstände haben wir uns gemeinsam auf eine Probezeit von 4 Wochen verständigt, in der wir in Kooperation mit den Krankenkassen kostenlose Nikotinpflaster in den Amrumer Apotheken und auf den Fähren anbieten.
Danach werden wir uns konstruktiv mit allen Beteiligten erneut an einen gemeinsamen Tisch setzen. Vielleicht kommen wir zu dem Ergebnis, dass es doch viel Rauch um Nichts war.

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Über Susanne Jensen

Susanne Jensen wurde 1965 in Hamburg geboren. In Appen bei Pinneberg aufgewachsen, kam sie nach der Erzieherausbildung 1985 auf die Nordseeinsel. Die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen arbeitete anfangs einige Jahre in der Fachklinik Satteldüne. 1992 begann sie im Kindergarten Wittdün, wechselte 1998 in den neuen Kindergarten Amrum e.V., den sie dreizehn Jahre bis 2015 geleitet hat. Jetzt leitet Susanne das Jugendzentrum in Nebel.

6 Kommentare

  1. Frohe Ostern an diesem “besonderen” Tag!
    Schön, dass alte Bräuche bei uns noch gepflegt werden, auch wenn bei einigen Mitmenschen der Blutdruck gefährliche Höhen erreicht haben dürfte. Bleibt gesund Leute!

  2. Schade, dass das Rauchverbot auf Amrum ein Aprilscherz ist. Dabei wäre eine solche Regelung für die Insel mehr als notwendig. Leider zählt der Gesundheitsschutz der überwiegenden Mehrheit der Nichtraucher nicht viel. In NRW und Bayern klappt es doch auch.

  3. Malte Ewertsson

    Liebe Mitarbeiter/innen bei Amrum-news,

    na endlich ist Amrum eine einzige rauchfreie Zone. Wurde aber auch Zeit! Und ich kann das so gut nachvollziehen und bin ganz und gar einverstanden damit, obwohl ich doch selbst Raucher bin. Aber auf Amrum habe ich noch nie geraucht, da ist mir die Luft einfach dafür zu schade. Amrum ist Urlaub und Erholung – auch vom Rauchen. Das gehört nur zum Berufsalltag.

    Wenn aber dann im nächsten Jahr, am 1. April 2019 die große Insel der kleinen Freiheit zur alkoholfreien Zone erklärt wird, kann ich zur Not auch noch mitmachen. Amrum wird immer gesünder und noch gesünder. Falls Ihr, liebe Amrumer jedoch irgenwann die koffeinfreie Zone ausruft, dann komme ich nicht mehr, denn einen richtig großen Pott starken Kaffee am Morgen, das muss einfach sein.

    Malte Ewertsson

  4. Was habe ich mich gefreut, als ich diesen Artikel gelesen habe! Gleich darauf schickte ich ihn an meine Freunde.
    Welch revolutionäre großartige Idee!
    Bis abends meine Tochter meinte, das ist bestimmt ein Aprilscherz…Bitte sagt mir das der Artikel echt ist!
    Ich denke, das so eine Rauchfreie Insel eine Menge neuer Gäste anziehen könnte und vielleicht in der Welt ein Zeichen setzen würde dem dann auch andere folgen.
    Viele Grüße aus dem vielzu zugequalmten NRW.

    Elke Johann

  5. sandrapohlen@yahoo.de

    Ich kann es kaum glauben, dass es Menschen gibt, die es gut finden, wenn man anderen Menschen die Schönheit der Insel vorenthalten möchte, nur weil sie rauchen!!! Ich denke, dass jeder erwachsene Mensch selber entscheiden kann und sollte, wie er leben möchte und ich glaube nicht, dass die Raucher auf der Insel andere Menschen stören oder die Insel gar zumüllen mit ihren Zigarettenstummeln! Auch Raucher wissen die Insel zu schätzen und verhalten sich umweltbewusst; wer hätte das gedacht! Also für uns wäre es ein Grund gewesen, den Sommerurlaub abzusagen, denn mein Mann raucht gerne und zur Entspannung im Urlaub gehört das für ihn dazu.

    Sandra Pohlen

  6. Ich habe nichts gegen Raucher aber die Freiheit eines Rauchers hat auch Grenzen.Jeden Sommer sehe ich sie mit der brennenden Zigarette durch den Wald spazieren muss das sein?Gerade in einem sehr trockenen Sommer ist die Waldbrandgefahr einfach zu groß.Ich kann mir nicht vorstellen das es überhaupt erlaubt ist.Egoismus muss man nicht unbedingt ausleben.Ich denke wer auf dieser Insel Urlaub macht liebt sie und will diese Idylle nicht zerstören.
    Ursula Schinkel
    51427 Bergisch Gladbach

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