Biakebrennen – „Trinjenam at biakeial“ …


Biake stammt aus dem Nordfriesischen und bedeutet zu hochdeutsch Bake bzw. Feuerzeichen. Es ist in Nordfriesland ein traditionelles Volksfest mit Feuerbrauch, das am Abend des 21. Februar gefeiert wird, dem Vorabend des Petritages.
Wochenlang hörte man auf der gesamten Insel das Geräusch der Motorsägen, dem unverkennbaren Zeichen, dass der Festtag der Friesen anstand – das Biakebrennen. Busch und anderes Gestrüpp wurden zu den Biakeplätzen mit Hilfe von Unternehmen, Privatleuten und auch von der Jugendfeuerwehr transportiert.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hatten die Konfirmanden das Vorrecht, Brennbares zu sammeln. Vom Bauern wurde ein Pferdewagen ausgeliehen, dieser wurde von jungen Konfirmanden mit Muskelkraft durch das Dorf hin zum Biakeplatz geschoben. Die Jungs gingen von Haus zu Haus und baten um Brennbares für das Biake. Vor Ort wurde dann der Biakehaufen akkurat aufgeschichtet. Es gab immer eine Art Wettbewerb unter den Konfirmanden der Insel, wer  den größten Biakehaufen zusammengetragen hatte.
Auch das Aufstapeln erfolgte nur mit Muskelkraft, heute sind hilfreiche Maschinen im Einsatz. „Feindseligkeiten“ unter den Dorfgemeinschaften brachten schon mal den einen oder anderen „nicht bewachten“ Biakehaufen vorzeitig in Brand. Das ist vergleichbar mit dem Brauch des Maibaumstehlens.
Seit mehreren Jahrzehnten sind die freiwilligen Inselfeuerwehren für den reibungslosen Verlauf am Biaketag zuständig. 
Am alljährlichen Biaketag loderten auf den Inseln, Halligen und an der Westküste die traditionellen Biakehaufen. Allerdings konnten nicht alle Biake angezündet werden, weil das Wetter an einigen Orten nicht mitspielte, und so wurde wegen einer Sturmwarnung aus Sicherheitsgründen das Feuer unter anderem auch in Wittdün nicht entzündet. Das soll im März nachgeholt werden.
Jedes Dorf auf Amrum hat sein eigenes Biake, und am Vorabend des Petritages wurden diese mit Einbruch der Dunkelheit gegen 18 Uhr, entzündet.
In Norddorf begann die Feier zum 16. Mal um 18 Uhr auf den Hüttmannwiesen. Es erfolgte eine Ansprache auf Friesisch und Deutsch über die Tradition des Biaken, bevor es mit einem Fackelzug zum Biakehaufen am Ortsrand losging.
Der Sturm fachte die Feuer ordentlich an …

In den Wochen vor Biake hatten „Sabine“ und „Victoria“ noch über ganz Deutschland getobt, es gingen heftige Stürme über das Land mit viel Wasser von oben. Für den Abend des Biake hatte sich „Wiltrud“ mit heftigen Winden angekündigt. Würden die Biakehaufen überhaupt entfacht werden können? Der kräftige Wind hatte die Haufen gut durchgelüftet und getrocknet, zudem kam er aus einer „ungefährlichen“ Richtung, sodass vier von fünf Inselfeuer kurz nach 18 Uhr angezündet wurden und den Abendhimmel rot erleuchteten.

Das Wetter gestaltete sich wie in den vergangenen Tagen mit Nieselregen und steifem Wind aus Südwest bei angenehmen +6°C. Die Feuerwehren sorgten für das Entfachen der Feuer, für das leibliche Wohl mit Glühwein, Grünkohlsuppe und Grillwurst sowie für die Sicherheit drumherum.
Zur Tradition gehört auch das typische Biake-Essen: Nach dem Biake kehrt man in eines der gemütlichen Insellokalitäten ein, um dort Grünkohl mit Fleisch, Kohlwurst und Kartoffeln zu genießen.
Da der Termin in diesem Jahr auf einen Freitag fiel, waren viele „Biakeheimkehrer“ angereist, und auch viele Gäste fanden sich – trotz des Schmuddelwetter – an den Feuerstellen ein.
Die Biake-Kleiderordnung empfiehlt: je älter, umso besser, denn es riecht auch noch Tage später alles nach Rauch! Auch die Wahl des richtigen Schuhwerkes sollte gut überlegt sein. Wie immer waren auch dieses Jahr wieder einige Kinder dabei, Stockbrot zu backen und zu kokeln.
Der Autor mit seiner Schwester ca. 1970 …

Mit dem Ruß schwärzten die Kinder jeden an, der sich in ihrer Nähe befand. Das „Anschwärzen“ gehört ebenso zum Biakebrennen wie der Piader.

Seit 1910 gibt es den Piader, eine selbstgebastelte Stroh-/Papierpuppe – eine Opferpuppe –, die den Winter symbolisch darstellt und mit dem Feuer ausgetrieben werden soll. Wir werden sehen, wie erfolgreich die diesjährige Tradition war.
Der Ursprung des Biake soll aus der heidnischen Zeit stammen. Es war ein Opferfeuer zu Ehren von Gott Wodan.
Als viele Insulaner im 17. und 18. Jahrhundert zum Geldverdienen auf Walfang fuhren, veränderte sich die Bedeutung des Biake. Die nordfriesischen Walfänger wurden zu ihren monatelangen Fangtouren in Richtung Grönland mit dem Feuer verabschiedet.
Heute wird das Biake mehr ein „Volksfest“ gefeiert, mit dem der Winter verabschiedet wird.
Seit Ende 2014 ist das Biakebrennen „Immaterielles Kulturerbe in Deutschland“.
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About Gerd Arnold

Gerd Arnold ist ein „echter“ Nordfriese, 1957 in Nebel auf Amrum geboren und der friesischen Sprache (öömrang) mächtig. Nach dem Schulabschluss erlernte er in Wittdün den Beruf des Elektroinstallateurs. 1976 zog es ihn nach “Deutschland”, Wohnorte waren u.a. Wuppertal, Owschlag, Koblenz und Pinneberg. 33 Jahre war er bei der Bundeswehr, u.a. als Flugzeugelektriker und Ladungsmeister auf der Transall C-160. Ende Oktober 2010 – ging es altersbedingt – in den Ruhestand. Als Hobby ist da zum einen das Angeln, seit 40 Jahren ist er im Amrumer Angelverein aktives Mitglied und zum anderen der Handball, da allerdings nur passiv bei den Damen der HG Owschlag-Kropp-Tetenhusen als Hallensprecher in der 3.Liga Nord. Von 1980-1995 und seit 2005 ist Gerd in Owschlag beheimatet, sein zuhause ist aber immer Amrum geblieben. Gerne würde er dauerhaft auf die Insel zurück, es fehlt bisher aber noch ein passendes Wohnungsangebot.

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