Frühjahrsputz … viel zu tun für das Naturzentrum Amrum in den Schutzgebieten


Jakob Behrmann, Bundesfreiwilliger, bei der Reinigung der Tafeln des Dünenlehrpfades in Norddorf.

Gut zu tun hat das Naturzentrum Amrum des Öömrang Ferian i.f. und sein Freiwilligenteam. Zwar fällt die Sparte der Umweltbildung zurzeit weg, dafür bleibt umso mehr Zeit für die Aufgaben in den Schutzgebieten. Das frühlingshafte Wetter ist dabei ein guter Begleiter, nicht nur für das Freiwilligenteam, auch für die Tierwelt.

Ein Tisch vom Sperrmüll und der Strandfund Euro-Palette wurden kurzerhand zum Schuhregal und Stiefelhalter umfunktioniert.

Etwa 350 über die Insel verteilte Nistkästen wurden von den zwei ökologischen Bundesfreiwilligendienstlern (ÖBFDlern) und den zwei Absolventen eines Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJlern) des Naturzentrums Anfang des Jahres mit viel Eifer gesäubert und auf Schäden kontrolliert. Schnell stand fest, die Amrumer Singvögel sind dieses Jahr früh dran mit dem Nestbau, es muss sich beeilt werden. Die Reparatur der beschädigten und damit unbewohnten Nistkästen konnte in den vergangenen Tagen erledigt werden. Von den Nistkästen profitieren verschiedene Singvogelarten wie Blaumeisen, Kohlmeisen, Spatzen, aber auch der Zaunkönig, das Rotkehlchen oder der Hausrotschwanz. Etwa zwei Drittel der Nistkästen waren in den letzten Jahren belegt.

Auch die Wat- und Wasservögel werden von dem Freiwilligenteam nicht vernachlässigt. Seit 1987 werden die Wattenmeervögel im „Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer“ alle 15 Tage gezählt. Die bei den Freiwilligen des Naturzentrums beliebten Zählungen finden immer zur Springtide statt, also wenn Sonne, Mond und Erde sich auf einer Geraden befinden und es zu einer höheren Flut als üblich kommt. Zu dieser Zeit sind die Wattenmeervögel gezwungen dichter auf die Insel zu rücken und können besonders gut mit Hilfe des Spektivs erfasst werden. Die Naturschutzvereine auf Amrum leisten mit den Springtidenzählungen einen wichtigen Beitrag, um die Bestandsentwicklung der Tiere nachvollziehen zu können.

Es ist ein bisschen wie eine Schatzsuche. Lea Neiner, FÖJlerin, auf der Suche nach Laich in den Gewässern bei der Vogelkoje.

Wat- und Wasservögel werden das junge Team des Naturzentrums in Kürze noch weiter beschäftigen. Jährlich werden auf der gesamten Insel die Brutpaare der einzelnen Arten erfasst. Los geht es mit der Erfassung in diesem Jahr direkt nach Ostern. Die FÖJlerin Marina Jenuwein nahm hierfür stellvertretend für das Freiwilligenteam eigens an einem Ausbildungsseminar auf Hallig Hooge teil. Welche Tiere zähle ich als „Single“, welche Tiere als Paare? Wie erfasse ich die Paare bei großen Vogelansammlungen, beziehungsweise bei Kolonien? Welche Art finde ich in welchem Lebensraum? Fragen, die das Seminar behandelt und die sich die jährlichen Freiwilligenteams immer wieder neu stellen müssen. Antworten liefern auch die erhobenen Daten der vorherigen Jahre, denn eine Art behält ihren Anspruch an einen typischen Lebensraum in der Regel bei.

Zwei Hände voll Laich werden der Kamera präsentiert. Ein Foto, das zugleich den Projektpartnern des Amphibienprojektes, der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und Amphi Consult Germany, geschickt wird. In Kürze werden nur noch kleine Kaulquappen zu finden sein.

Fernglas und Spektiv können getrost zur Seite gepackt werden, wenn es derzeit heißt „Sachen packen für das Amphibienschutzprojekt“. Mit Wathose, GPS-Gerät und Karte ausgestattet bringt es dem Team bei herrlichem Amrumer Wetter besonders viel Spaß, sich aufzumachen und in den feuchten Dünentälern und um die Vogelkoje herum nach Laich zu suchen. Noch schöner ist es, wenn die Suche von Erfolg gekrönt ist, wie im Falle der Laichballen des Moorfrosches. Mit den nächsten wärmeren Tagen erhofft sich das Team, auch Laichschnüre der seltenen Kreuzkröte zu finden, eine nach Bundesnaturschutzgesetz streng geschützte Art. Sie laicht etwas später als der Moorfrosch und braucht hierfür flachere, wärmere Gewässer. Mit dem GPS-Gerät müssen außerdem die Gewässer ausgemessen werden, die im Rahmen des Amphibienschutzprojektes des Kreis Nordfrieslands für die Tiere aufgebessert wurden, in dem sie mit der Baggerschaufel ausgeschält und von Vegetation befreit wurden.

Gut zu tun hatte Tom Hillienhoff, Bundesfreiwilliger, und das Team bei der Kontrolle und Reparatur der 350 Nistkästen.

Mit Putzzeug, neuen Rähmchen und Akkubohrer bewaffnet ist das Team zurzeit außerdem auf der Insel unterwegs, um die Tafeln der Lehrpfade und der Nationalparkpavillons zu kontrollieren und zu reinigen. Zwei mal im Jahr, im Frühling und im Herbst, findet diese Kontrolle durch das Naturzentrum statt. Zerkratzte und beschmierte Tafeln werden dem Nationalpark gemeldet und ausgetauscht. In diesem Jahr wird die Aktion von dem Freiwilligenteam gleich genutzt, um anhand der Tafeln eine Rallye für Schulklassen und Gruppen auszuarbeiten.

 

Bei der Pause während der Laichsuche. Das Freiwilligenteam des Naturzentrums Amrum von links nach rechts: Jakob Behrmann (ÖBFDler), Marina Jenuwein (FÖJlerin), Lea Neiner (FÖJlerin) und Tom Hillienhoff (ÖBFDler).

So schön es in Amrums Natur ist und so wichtig die Aufgaben dort auch sind, auch das Naturzentrum selbst darf in der touristenleeren Zeit nicht zu kurz kommen: die Werkstatt wird aufgeräumt, Arbeitsgeräte gewartet, Wathosen geflickt, Sträucher zurück geschnitten, Aquarienbecken komplett gereinigt, selbst die Mülltonen werden geputzt. Am meisten Spaß hatte das Team bei den Arbeiten rund um das Naturzentrum bisher aber bei der Nutzung des Hochdruckreinigers. So bekam der Pottwalschädel vor dem Eingang des Naturzentrums eine Sonderreinigung. In einem kleinen Upcycling-Projekt wurde kurzerhand außerdem aus einer Europallette und einem Tisch vom Sperrmüll ein Schuh- und Gummistiefelregal gefertigt. Eine Erinnerung an das gegenwärtige Team auch für nachfolgende Generationen, die sich auf die vielen Aufgaben in den Schutzgebieten für Amrums Tier- und Pflanzenwelt freuen dürfen.

 

 

 

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About Lotte von Komorski

Lotte von Komorski wurde 1988 in Heidelberg geboren und wuchs später in der Lüneburger Heide auf. Nach dem Bachelorstudium der Forstwirtschaft in Göttingen absolvierte sie noch ihren Master in Wildtierökologie und Wildtiermanagement in Wien. Nach vielen praktischen Erfahrungen in der Wildtierforschung und ersten Berufserfahrungen in der Naturschutzarbeit in Osteuropa zog es sie Ende 2018 aus Frankfurt am Main nach Amrum, um hier das Naturzentrum zu leiten.

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