„Ohne Opa und Oma würde es nicht gehen“


Die Zeit der hochstellten Stühlchen ist noch nicht ganz vorüber

Seit Montag ist auch bei den Flenerk und Bütjen Jongen des Amrumer Kindergartens wieder mehr Leben eingekehrt.
Konnten auf Amrum in den letzten Wochen nur drei bis fünf Kinder in die Notbetreuung kommen, wird die pädagogische Betreuung nun Zug um Zug ausgeweitet. Doch bis alle 96 Jongen wieder in den Inselkindergarten dürfen, wird es noch eine Weile dauern. Erst ab Juni haben sie dazu eingeschränkt die Möglichkeit, und es wird nicht so sein wie vor der Corona-Pandemie.
Zunächst kommen jetzt erst einmal die Vorschulkinder und alle Kinder mit aktuellem Förderbedarf wieder in ihre Gruppen. Zusätzlich wird die Notbetreuung erweitert für alle Kinder von berufstätigen Alleinerziehenden und Eltern, von denen einElternteil (statt bisher beide Eltern) in einem systemrelevanten Bereich arbeitet.

„Uns war es wichtig, den Kontakt der Kinder zum Kindergarten nie ganz abreißen zu lassen und mit unseren drei zur Verfügung gestellten „Mitmachheften“ auch die Eltern ein bisschen zu unterstützen“, berichtete Kindergartenleiter Lothar Herberger. „Wir haben die Corona- Zeit zur Arbeit an unserem pädagogischen Konzept genutzt, und aus dem Team kam der Vorschlag für den Vorstandsbeschluss, dass alle Erzieherinnen ihren Jahresurlaub vorziehen, so dass die Einrichtung dieses Jahr während der Herbstferien geöffnet sein wird.“

Wie der neue Kindergartenalltag genau aussehen soll, darüber hat man sich im Amrumer Inselkindergarten bereits seit Ankündigung der Lockerungen den Kopf zerbrochen. Gespannt haben alle darauf gewartet, wie die neuen Beschlüsse jeweils konkret umgesetzt werden sollen. „Die Informationen kamen auch diesmal wieder extrem kurzfristig“, sagte Lothar Herberger. „Aber wir sind gut vorbereitet und werden die nötigen Infektionsschutzmaßnahmen einhalten können.“

Naturwochen für alle!

Um die Ansteckungsgefahr mit dem neuen Corona-Virus so gering wie möglich zu halten, treffen sich morgens künftig nicht nur die Bütjen Jongen draußen an einem verabredeten Treffpunkt irgendwo auf der Insel, sondern auch die Ringelblumen, Löwenzähne und Gänseblümchen, und mittags holen die Eltern sie auch draußen wieder ab. Die Kinder, die im Kindergarten Mittag essen, werden von den Erzieherinnen dorthin begleitet und können auf dem Spielplatz am Feederhuugam abgeholt werden. Nur die ganz kleinen Kinder in der Notbetreuung bleiben in der Einrichtung und drum herum.

Bis zum Schulanfang macht der Amrumer Kindergarten also Naturwochen für alle! Das kommt auch dem Wunsch der vielen Eltern entgegen, deren Kinder schon seit langem auf der Warteliste für die Naturgruppe stehen.

Leider wird der neue Krippenspielplatz frühestens im Spätsommer fertig. Die Anträge sind zwar gestellt, (72-78% der Kosten sollen aus Landesmitteln kommen), wurden aber noch nicht bewilligt. Frühestens im Juli ist damit zu rechnen.

Für die Zeit, in der die KiTa-Betreuung ausgesetzt war, brauchen alle Eltern keine KiTa-Beiträge zu bezahlen. Sie werden den Kindertagesstätten vom Land Schleswig-Holstein erstattet.

Das neue schleswig-holsteinische Kindergartengesetz tritt durch die Corona-Krise allerdings erst im Januar kommenden Jahres in Kraft. Doch die lange versprochene Reformierung der Elternbeiträge wird vorgezogen: Ab dem 1. August zahlen die Eltern für die Betreuung ihrer Kinder in allen Gemeinden des Landes Schleswig-Holstein gleich viel. Der gesonderte Zuschuss von 100 Euro pro Kind für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren fällt dann weg. Für einen Ganztags-Krippenplatz beträgt der Elternbeitrag im ganzen Land dadurch künftig 320,- Euro.

 

Ab 1.8. werden Krippenplätze auf Amrum etwas teurer, alle anderen günstiger

Zum Verständnis: In Itzehoe, um ein Beispiel zu nennen, kostete ein Ganztags-Krippenplatz für die Eltern bisher 650 Euro im Monat, abzüglich der 100 Euro Zuschuss vom Land also 550 Euro. Dank höherer Gemeindezuschüsse kostete die Amrumer Eltern  ein Ganztages-Krippenplatz bisher 400 Euro im Monat, abzüglich der 100 Euro Zuschuss vom Land also nur 300 Euro. Nach der neuen, landeseinheitlichen Beitragsordnung zahlen die Eltern an beiden Orten ab August dafür künftig 320 Euro.
Durch den Wegfall des Landeszuschusses wird die Betreuung der Kinder unter 3 Jahren für die Eltern also ein bisschen teurer als bisher, für die Betreuung der Kinder über drei Jahre bezahlen aber auch die Amrumer Eltern dann weniger als bisher.

Für den Amrumer Kindergarten bedeutet die Verschiebung des KiTa-Gesetzes auch, dass die Sondermittel für ein Qualitätsmanagement und die alltagstaugliche Sprachförderung einschließlich Bewegung und musikalischer Früherziehung bis Ende des Jahres zur Verfügung stehen werden, was auf der Jahreshauptversammlung im März noch unklar war.

Der Elternverein des Amrumer Kindergartens hatte es ja als einer der ganz wenigen Vereine auf Amrum gerade noch geschafft, kurz vor Einführung der Kontaktsperre im März seine diesjährige Jahreshauptversammlung durchzuführen und konnte eine erfreuliche Bilanz der Aktivitäten des vergangenen Jahres ziehen. Es würde aber den Rahmen dieses Artikels sprengen, hier noch einen Rückblick auf alle erfolgreich durchgeführten pädagogischen und baulichen Maßnahmen des Kindergartens im Jahr 2019 zu geben und alle Einzelpersonen, Unternehmen und Organisationen aufzulisten, denen für ihre vielseitige Unterstützung der Flenerk und Bütjen Jongen großer Dank gezollt wurde. Ausdrücklich dankte Philipp Joroch auch dem Zweckverband für Sicherheit und Soziales auf Amrum für die sehr gute Zusammenarbeit in den letzten beiden Jahren.

 

Rückblick auf die Jahreshauptversammlung am 13. März 2020

Interview mit Katja Krahmer, der neuen Vereinsvorsitzenden

Die große Überraschung auf der Jahreshautversammlung des Elternvereins war die Wahl von Katja Krahmer zur neuen Vereinsvorsitzenden, denn vielen war die Neu-Amrumerin noch gar nicht bekannt. Amrum News traf sich deshalb mit ihr und stellt sie hier kurz vor:

Katja Krahmer ist die Nachfolgerin von Sabine Grochla in der Außenstelle des Amts Föhr-Amrum. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann und den viereinhalbjährigen Zwillingen in Norddorf. Ursprünglich stammt sie aus Lahr im Schwarzwald, zog aber im Jahr 2010 nach Föhr um im Amt Föhr-Amrum zu arbeiten und traf dort Gerret Krahmer, ihren zukünftigen Mann – einen Amrumer! In den letzten Jahren sind die Beiden viel zwischen Amrum und Föhr viel gependelt, aber seit Januar ist Katja Krahmer nun das neue Gesicht des Ordnungsamts auf der Insel, und auch Gerret ist als Kassenleiter des Amtes oft auf Amrum.

 

Frau Krahmer, Ihre Wahl war für viele ja eine große Überraschung. Was war Ihre Motivation, für den Vereinsvorsitz zu kandidieren?

„So konkret kann ich das gar nicht sagen. Ganz generell habe ich aber die Einstellung: Man kann nicht immer nur meckern, man muss auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.“

 

Was haben Sie sich als Vorsitzende des Elternvereins vorgenommen?

„Wir sind letztes Jahr im August nach Amrum gezogen, aber unsere Kinder waren ja auch schon in Midlum im Kindergarten. Wir waren mit dem Klima im Kindergarten da sehr zufrieden.

Ich möchte ein gutes Umfeld für die Kinder schaffen. Für alle Kinder, nicht nur für meine. Die Kinder sind unsere Zukunft, sie sind so interessiert, an allem, saugen wie ein Schwamm alles in sich auf. Der Inselkindergarten soll keine Einrichtung sein, wo Eltern ihre Kinder einfach nur abstellen.“

 

Sie waren ja gerade erst gewählt, als plötzlich der Corona-Lock-Down kam. Wie war das für Sie?

„Oh, das war wirklich ein ganz schöner Schock für mich. Ich bin am Donnerstagabend gewählt worden und am Freitagmittag habe ich erfahren, dass der Kindergarten am Montag geschlossen werden soll.“

 

Wie kommt man mit der Schließung klar, wenn beide Eltern berufstätig sind? Sie sind ja persönlich auch davon betroffen.

„Wir arbeiten zurzeit beide im Home Office und die Kinder sind dann immer bei den Großeltern in Süddorf. Ganz ehrlich? Ohne Opa und Oma würde es auch bei uns nicht gehen.“

 

Machen Sie sich Sorgen?

„Für kleine Kinder sind zwei Monate ein sehr langer Zeitraum in ihrem Leben. Am meisten Sorgen mache ich mir um die Gefühle der Kinder. Wochenlang die Freunde nicht sehen zu können ist ein großer Einschnitt für die Kleinen. Und künftig engen Körperkontakt meiden zu sollen und nicht kuscheln zu können, das wird wohl nicht ohne Folgen für die Beziehungen und die emotionale Entwicklung der Kinder bleiben.“

 

Vorstand des Amrumer Kindergartenvereins (v.l.n.r.): Johannes Matthias, Kim Burger, Andrea Hölscher, Tobias Lankers (Zweckverband) und die neue Vorsitzende Katja Krahmer, (nicht im Bild: die neue 2.Beisitzerin Dana Tadsen)

Der Kindergarten beschäftigt inzwischen 17 fest angestellte Mitarbeiter/innen und vier Freiwillige im sozialen Jahr, kein unbedeutender Arbeitgeber auf der Insel, und Sie verantworten als Vorsitzende des Kindergartenvereins ein Jahresbudget von rund 1,2 Millionen Euro.War Ihnen das bewusst, als Sie Ihr Amt übernahmen?

„Ich war schon erstaunt, dass ich plötzlich eine so hohe Personalverantwortung trage. So ganz klar ist Einem diese Dimension vorher nicht.“

 

Wie verstehen Sie ihre Aufgabe als Vorsitzende des Vereins?

„Wir entscheiden im Vorstand alles gemeinsam. In den operativen Bereich des Kindergartens mischen wir uns nicht ein. Ich gehöre aber nicht zu den Leuten, die grundsätzlich alles befürworten, was die Leitung macht. Mir ist es wichtig, die Meinung von allen Mitarbeiterinnen zu hören. Ich bin an guten Lösungen interessiert. Natürlich kann man es trotzdem nie allen recht machen.“

 

Auf der Jahreshauptversammlung wurden viele Pläne für die kommende Zeit  vorgestellt, der Tag der offenen Tür im Mai, das Sommerfest im Juni  und vieles mehr. Fällt das durch Corona nun alles aus?

„Dazu kann ich momentan noch gar nichts sagen. Wir müssen abwarten, wie es nach dem Sommer weitergeht. Bis Juni sollen ja erst einmal alle Kinder wieder in den Kindergarten kommen. Das sind dann ja aber schon knapp 100, und zurzeit dürfen an Veranstaltungen höchstens 50 Personen teilnehmen.“

 

Ihr Vorgänger, Herr Joroch, sprach im Jahresbericht des Vorstands unter „Verschiedenes“ zwei Fragen offen an, die es in naher Zukunft zu klären gilt: die Nachfolge von Kindergartenleiter Lothar Herberger und die künftige Trägerschaft des Kindergartens. Wie sehen Sie das?

„Über die Nachfolge des Kindergartenleiters haben wir im Vorstand noch nicht diskutiert. Es wird sicher schwierig, eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden, die oder der sich so gut in der Sozialverwaltung auskennt wie Herr Herberger. Vielleicht müssen wir die Leitung des Kindergartens auch umstrukturieren.

Zur künftigen Trägerschaft habe ich persönlich eine Meinung, möchte jetzt darüber aber noch nicht sprechen. Es ist jedenfalls nicht einfach, kontinuierlich immer neue Vorstandsmitglieder zu finden, die ehrenamtlich Verantwortung für eine so groß gewordene Einrichtung übernehmen.“

 

Frau Krahmer, Ihr Arbeitgeber ist das Amt Föhr-Amrum, die Verwaltung der drei Amrumer Gemeinden, die den Inselkindergarten zum Großteil finanzieren. Als Vorsitzende des Trägervereins werden Sie künftig die Verhandlungen mit dem Zweckverband der Gemeinden führen. Wie werden Sie mit potenziellen Interessenskonflikten umgehen, die hier ja nicht ganz auszuschließen sind?

„Mein Beruf und mein Ehrenamt sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich kann das eine vom anderen trennen. Außerdem bin im Amt ja nicht für die Finanzen, sondern für ordnungsrechtliche Angelegenheiten zuständig, und der Kindegarten ist beim Hauptamt angesiedelt.“

 

Wenn Sie heute drei Wünsche frei hätten, was würden Sie sich für den Inselkindergarten wünschen?

„Ich wünsche mir, dass die Corona-Zeit schnell vorbei ist, alle Kinder gesund bleiben und bald wieder in ihrem gewohnten Umfeld spielen können.

Ich wünsche mir, dass wir die Individualität jedes einzelnen Kindes erkennen und im Kindergarten fördern.

Ich wünsche mir, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Eltern und Kinder sowohl innerhalb ihrer Gruppen als auch gruppenübergreifend ein gutes, verständnisvolles Miteinander pflegen.“

 

Frau Krahmer, haben Sie vielen Dank für das offenherzige Gespräch.

 

 

 

Bildunterschriften:

 

Rückblick auf die Jahreshauptversammlung am 13. März 2020

 

Vorstand des Amrumer Kindergartenvereins (v.l.n.r.): Johannes Mathias, Anniki Teige, Andrea Hölscher, Tobias Lankers (Zweckverband) und die neue Vorsitzende Katja Krahmer, (nicht im Bild: die neue 2.Beisitzerin Dana Tadsen)

 

Die Zeit der hochstellten Stühlchen ist noch nicht ganz vorüber

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About Astrid Thomas-Niemann

Astrid Thomas-Niemann ist gelernte Schifffahrtskauffrau sowie studierte Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin. Sie hat viele Jahre als Schifffahrtsanalystin gearbeitet und lebt seit 2015 in Wittdün. Als junge Frau kam Astrid 1981 das erste Mal auf die Insel und besuchte auf Zeltplatz II die Niemanns aus Hamburg, die Amrum seit 1962 urlaubsmäßig die Treue halten, inzwischen bereits in der 4. Generation.

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