„Dat mok ik noch mol“ …

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„Dat mok ik noch mol“

Für viele ist die Advents- und Weihnachtszeit die Zeit, in der Kekse gebacken und auch Schokolade gegessen wird. Süßigkeiten aus Schokolade oder Marzipan haben schon immer die Kinderherzen erfreut. Adventskalender mit Schokoladenüberraschungen sind heutzutage aus der Vorweihnachtszeit nicht mehr wegzudenken. Das war nicht immer so. In den Jahren des 2.Weltkrieges war Schokolade für Kinder etwas ganz Besonderes. Hiervon handelt diese kleine Geschichte, die mir meine 89 -jährige Mutter erzählt hat.

Mein jüngerer Bruder Horst war ein sehr aufgeweckter kleiner Junge, der sein Herz auf der Zunge trug und nie um einen flotten Spruch verlegen war. Wir wohnten damals auf dem Erdbeerenberg in Schleswig und unser Haus lag an dem Weg vom Bahnhof zur Innenstadt, so dass häufiger Fußgänger an unserem Grundstück vorbeikamen. Es war in der Vorweihnachtszeit des Jahres 1943, Horst war 7 Jahre alt und im Frühjahr des Jahres zu Schule gekommen. Nachmittgas spielte er meistens draußen vor dem Haus. Eines Tages kam sein Lehrer am Haus vorbei, er unterhielt sich angeregt mit seiner Frau. Natürlich hatte meine Mutter uns eingeschärft, immer freundlich zu den Leuten zu sein, insbesondere natürlich zu so wichtigen Leuten wie Lehrer Schmidt.  Da man mit dem Lehrer natürlich nicht Plattdeutsch sprechen durfte, grüßte Horst im besten Schuldeutsch: „Guten Tag Herr Schmidt“. Herr Schmidt ging an Horst vorbei, ohne auf den Gruß zu reagieren und unterhielt sich weiterhin angeregt mit seiner Frau. Das der Lehrer Horst einfach ignorierte, machte ihn ärgerlich und er rief, diesmal auf Plattdeutsch, „Hest du Schiet in ne Ohrn“. Das hatte Lehrer Schmidt aber gehört, er drehte sich um, schaute auf Horst, ging aber dann schmunzelnd weiter.

Als Horst dieses unserer Mutter erzählte, war sie natürlich entsetzt: „Du geihst morgen to dien Schoolmester un entschulligst di“. Horst war natürlich nicht begeistert: „ Ick goh blos, wenn du mitgeihst“. Da es meiner Mutter sehr wichtig war, dass Horst sich entschuldigt, willigte sie ein und so machten sich meine Mutter und Horst am nächsten Tag auf dem Weg zum Lehrerhaus. Hineingehen musste Horst aber allein. Eingeschüchtert und tief bedrückt verschwand Horst im Haus.

Nach 10 Minuten kam er strahlend wieder heraus und hielt eine Tafel Schokolade in der Hand. Anscheinend haben Horst und der Lehrer sich gut verstanden. „Dat weer överhaupt nich schlimm, de Schoolmeester wör bannich fründlich un hät mie een Tafel Schokolood geven“. Horst strahlte und auf dem Nachhauseweg, kam ein: „Dat mok ik noch mol“ aus seinem mit Schokolade vollgestopften Mund.

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Über Ralf Hoffmann

Ralf Hoffmann wurde 1955 in Schleswig geboren und zog mit seinen Eltern und Geschwistern 1962 nach Amrum. Nach dem Abitur in Niebüll studierte Ralf Luft und Raumfahrttechnik in Berlin. Die ersten 6 Berufsjahre verbrachte er als Entwicklungsingenieur bei VW und danach wechselte er als Aerodynamischer Entwicklungsingenieur zu Ford nach Köln. Als Leiter der Aerodynamischen Entwicklung für Ford Europa und die letzten 15 Jahre als Manager Aerodynamik und Motor- und Komponentenkühlung war er weltweit verantwortlich und viel unterwegs, um die jeweiligen Prototypen unter Hitze und Kälte zu testen. Nach all den Jahren auf dem Festland sind Ralf und seine Frau Karin nun wieder nach Amrum zurückgekehrt.

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