Reha- und Seniorensport auf Amrum …


AmrumSpa

Auch auf der Insel Amrum gibt es die Möglichkeit an einem Rehasport (Rehabilitationssport) teilzunehmen. Im „AmrumSpa Gesundheitszentrum“ mit angrenzendem „Amrum Badeland“ in Wittdün wird diese Möglichkeit angeboten, sich unter Anleitung und in Gruppen sportlich zu betätigen. Rehasport ist bei bestimmten Erkrankungen als eine ergänzende medizinische Maßnahme anzusehen und kann von einem Arzt für einen begrenzten Zeitraum verordnet werden. Rehabilitationssport ist im Sozialgesetzbuch verankert, die Kosten hierfür werden von den Versicherungsträgern (gesetzliche Kranken-, Renten- oder Unfallversicherung) übernommen. Der Patient muss eine ärztliche Verordnung bei seiner Krankenkasse vorlegen und kann dann, nach entsprechender Prüfung, in einer dafür zugelassenen Einrichtung sein Training aufnehmen. U. a. muss ein Rehasport-Anbieter geeignete Räumlichkeiten, wie einen Gymnastikraum, der pro Teilnehmer 5 m² Platz bietet, sowie einen qualifizierten Übungsleiter mit einer gültigen Übungsleiterlizenz „B Rehabilitationssport“, vorweisen können. In der Regel wird Rehasport in Form von Gymnastik oder Wassergymnastik durchgeführt. Ziel ist es sportliche Aktivität in Form von Bewegungstraining im Sinne von „Hilfe zur Selbsthilfe“ durchzuführen. Das bedeutet, dass der Patient durch regelmäßiges Training bestimmte Übungen erlernen soll, die er dann in Eigenregie fortführen kann.

Übungsleiterin Julia Fahlke (unten links) mit Wassergymnastikgruppe
Foto: AmrumSpa

Für gewöhnlich dauert eine Rehasportstunde 45 Minuten und wird üblicherweise mit 50 Übungseinheiten innerhalb von 18 Monaten verordnet. Die maximale Teilnehmerzahl soll 15 Personen nicht überschreiten, im AmrumSpa sind es derzeit, auf Grund der Corona-Hygieneregeln, maximal 9 Personen.

Geeignet ist Rehasport im AmrumSpa in erster Linie für Menschen mit orthopädischen Krankheitsbildern, sprich Beschwerden am Stütz- und Bewegungsapparat (z. B. Rückenschmerzen, Hüft- und Kniebeschwerden).

Rehasport ist nicht ausschließlich Senioren vorbehalten. Ab dem 15. Lebensjahr können auch Jugendliche am Erwachsenensport teilnehmen. Nicht geeignet ist Rehasport für Patienten mit akuten Beschwerden, wie z. B. nach Operationen. Hier ist die Physiotherapie das Mittel der Wahl.

Auch ohne Rehasport gibt es für Senioren auf Amrum noch viele weitere Möglichkeiten, Sport zu betreiben:

Neben individueller sportlicher Betätigung oder als Mitglied in einem Sportverein bieten die beiden Fitnessstudios in Wittdün und in Norddorf Seniorensport an.

Rehasportgruppe im AmrumSpa
Foto: AmrumSpa

Das „AmrumSpa“ bietet neben den Kursen in Seniorengymnastik auch Wassergymnastik, Aquafit, Rückenfit, Wirbelsäulen- und Faszientraining, Pilates, Ganzkörpertraining, Yoga und Nordic-Walking an.

Im Programm vom „Eilun Fit“ gibt es einen Seniorenzirkel sowie Outdoor-Workout, Rückenfit, Bauch-Beine-Po, Beckenbodengymnastik, Body-Workout, Cardiostep, Zumba und Tabata. In beiden Einrichtungen ist auch ein individuelles Gerätetraining unter Anleitung möglich. Die Teilnahmebedingungen sind bei den jeweiligen Einrichtungen zu erfragen, die aktuellen Hygieneregeln, v. a. in Hinblick auf die Corona-Pandemie, sind zu beachten.

Warum ist es sinnvoll auch im höheren Lebensalter Sport zu betreiben?

Seniorenzirkel im Eilun Fit

Mit zunehmendem Alter baut der Mensch insbesondere körperlich ab. Weniger Muskelmasse und eine geringere Knochendichte führen dazu, dass schnelle und komplexe Bewegungsabläufe nicht mehr so leicht durchgeführt werden können. Daraus resultieren eine höhere Sturzgefahr und eine größere Häufigkeit von Knochenbrüchen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass der bloße und natürliche Alterungsprozess nicht alleine für das Nachlassen von körperlicher Agilität verantwortlich ist. Eine reduzierte körperliche Leistung resultiert auch durch fehlendes Training und nachlassenden Alltagsbewegungen. Man kann also davon ausgehen, dass ein möglichst aktives Leben mit regelmäßigem körperlichem Training dem beschriebenen biologischen Alterungsprozess entgegen wirken kann. Diesbezüglich empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), sich mindestens dreimal pro Woche für 30 Minuten sportlich zu betätigen. Wichtig ist es hierbei ein kontinuierliches Training durchzuführen, da die positiven Effekte bei älteren Menschen gegenüber jüngeren nicht so intensiv sind und auch nicht so lange anhalten. Entscheidend ist es nicht nur ein Ausdauertraining durchzuführen, sondern v. a. die Muskulatur zu stärken. Muskeln sind nicht nur wichtig um Gliedmaßen bewegen zu können. Sie senden auch diverse Botenstoffe aus, die dazu führen können, Gehirnzellen anzuregen. Das bedeutet, dass ein Kraft- und Ausdauertraining auch die geistige Aktivität steigern kann.

Wann ist denn nun ein Mensch „alt“?

Das Altern ist ein sehr individueller Vorgang, der es schwer macht, „alt“ durch einen medizinischen Maßstab zu definieren. Man unterscheidet zwischen dem „biographischen Alter“ und dem „biologischen Alter“. Das „biographische Alter“ ist das Alter, das man seit dem Tag der Geburt erreicht hat (ausgedrückt als Anzahl der erlebten Jahre). Hierbei werden weder die Gesundheit noch, die geistigen Fähigkeiten oder der Lebensstil berücksichtigt. Beim „biologischen Alter“ rechnet man zum biographischen Alter noch körperliche und seelische Einflüsse wie Krankheiten und Leistungsfähigkeit hinzu (man ist so alt wie man sich fühlt).

Laut der WHO gilt der Mensch als “alt“, wenn er das 65. Lebensjahr erreicht hat, wobei hier das Mittel aller Menschen dieser Erde zu Grunde gelegt wird. Da der Lebensstandard und die Lebenserwartung sich in vielen Ländern jedoch sehr unterschiedlich darstellen, spricht man u. a. in Deutschland und Amerika erst ab einem Alter von 70 Jahren von „geriatrischen Patienten“.

Fahrradfahren auf Amrum
Foto: Totzauer

Prinzipiell gibt es keine Sportart, die man für ältere Menschen kategorisch ausschließen muss. Allerdings ist zu bedenken, dass eben das biologische Nachlassen der körperlichen Leistungsfähigkeit zu Einschränkungen führen kann und bei bestimmten Erkrankungen dann auch von bestimmten Sportarten abzuraten ist. Für sportliche Anfänger im höheren Alter eigenen sich in erster Linie Sportarten mit moderaten Belastungen wie z. B. Schwimmen oder Rudern. Hier ist eine Verletzungsgefahr geringer wie beim Boxen, Fallschirmspringen oder Klettern. Empfehlenswert ist es, vor dem Einstieg in ein Training einen Arzt zu konsultieren, um mögliche Risiken, vor allem auch bei vorbestehenden Erkrankungen, erkennen zu können. Die beliebtesten Sportarten bei Senioren (65+) in Deutschland sind Fitness und Gymnastik, gefolgt von Wandern, Fahrradfahren, Schwimmen und Laufen. Neben Vereinssport, Radfahren, Schwimmen, Joggen, Wandern, dem Fitnessstudio und Gymnastik stellen auch Alltagsaktivitäten wie Haus- und Gartenarbeit oder auch einfaches Spazierengehen, z. B. mit einem Hund, nicht zu unterschätzende wichtige körperliche Betätigungen dar. Wichtig ist allemal, dass man an der sportlichen Aktivität Spaß und Freude hat und kein Zwangsgefühl auftritt. Auch ist für die meisten Menschen das gemeinschaftliche Sporttreiben in einer Gruppe mit eher positiven Gefühlen verbunden.

Grundsätzlich kann man allen Menschen und insbesondere eben auch Senioren nur dazu raten, sich sportlich zu betätigen, wobei es letztendlich egal ist, ob man Sport in Eigenregie betreibt, sich zu privaten Interessensgruppen, wie z. B. Laufgruppen zusammenfindet, o. g. Rehasport in Anspruch nimmt, oder sich in einer der beiden Fitnesseinrichtungen auf Amrum anbindet. Welche der Sportarten man für sich entdeckt ist nicht entscheidend. Wichtig ist es, dass man die Notwendigkeit der Aktivität versteht und Spaß daran hat.

 

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Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay.,hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. Seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ arbeitet. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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