Das freche Wichteln


Haben Sie auch das Bedürfnis, dieses Jahr in fröhlicher Adventsrunde mit Verwandten oder Freund*innen zusammenzukommen und mal wieder herzhaft zu lachen? Konnten Sie beim letzten Ausmisten auch nicht einfach alles wegwerfen, würden aber diesen oder jenen Gegenstand lieber heute als morgen loswerden? Dann ist Schietwichteln – auch Hausgräuel, Schrottwichteln oder Grabbelsack genannt – genau das Richtige für Sie.

Laden Sie im Advent Ihre Verwandten, Freundinnen und Freunde zum Schietwichteln ein oder schietwichteln Sie mit Ihren Kolleginnen und Kollegen, Ihrem Club oder Verein auf der Weihnachtsfeier.

Schietwichteln ist eine freche Abwandlung des skandinavischen Julklapp, bei dem jemandem an einem verabredeten Tag heimlich ein kleines Weihnachtsgeschenk zugesteckt wird. In Zeiten des Über-Konsums wird aus dem Brauch, eine zuvor ausgeloste Person anonym zu beschenken, ein lustiges, vorweihnachtliches Gesellschaftsspiel: Zum Schietwichteln trifft man sich in nicht allzu großer Runde, um ausrangierte Dinge zu verschenken, indem man um sie würfelt.

„Wat den Eenen sin Uhl, is den Annern sin Nachtigall“ – insbesünnere bi dat Schietwichteln!

Das kann ungemein witzig sein; denn Gegenstände, die einem selbst vollkommen überflüssig oder geschmacklos erscheinen, finden andere vielleicht gerade schön und möchten sie gern haben. Mit „Schiet“,  plattdeutsch für „Sch…“ (na, Sie wissen schon), ist nämlich keineswegs Schrott oder Abfall gemeint. Es sind einfach Dinge, die mensch selbst nicht mehr haben möchte, aus welchem Grund auch immer. Und wer hätte nicht das Eine oder Andere aus dem eignen Haushalt zu verschenken? Die scheußliche Elefanten-Teekanne von Tante Hilde kann weg? Ihren auffallend witzigen Schlips haben sie noch nie getragen? Ihr Neffe zeigt Freude an der zerkratzten Venyl-Scheibe von anno dazumal, und Ihre beste Freundin war schon immer scharf auf dieses leere Flakon eines Pariser Parfums? Wickeln Sie es hübsch ein – in Weihnachts-, Zeitungs- oder Geschenkpapier – und bringen es mit zum Schietwichteln.

Konventionelle Geschenke sind da nicht angesagt. Ganz im Gegenteil. Es gilt: je geschmackloser, desto lustiger! Und bitte nichts neu kaufen – dann kommt auch der Nachhaltigkeitsgedanke zum Tragen. (Was Sie von jemandem aus der Runde selbst geschenkt bekamen, sollten Sie vielleicht besser nicht mitbringen, das könnte leicht peinlich werden.)

Hier mein persönlicher Tipp für Ihre Spielregeln:

Pro Person wird mindestens ein individuell verpacktes Geschenk zum Schietwichteln mitgebracht. Alle Geschenke kommen zusammen in einen Sack oder auf einen Haufen unter eine Decke. (Damit in jedem Fall für alle ein Geschenk vorhanden ist, empfiehlt es sich als gastgebender Wichtel, ein paar nett verpackte Gräuel-Geschenke in Reserve zu halten.)

Dann nimmt die gesellige Runde am Tisch Platz, und es wird reihum gewürfelt.

Erste Runde:

Bei einer Sechs darf man sich eines der verpackten Geschenke nehmen, aber noch nicht auspacken. Die restlichen Teilnehmenden würfeln weiter, bis alle Geschenke aufgeteilt sind.

Weitere Runden:

Zunächst muss die Zeit, wie lange gewürfelt werden soll, oder die Anzahl der Würfel-Runden festgelegt werden. Je nach gewürfelter Zahl werden dann bestimmte Wichtel-Aktionen ausgeführt, zum Beispiel:

Sechs: Das Geschenk darf ausgepackt oder mit einem beliebigen anderen getauscht werden.
Eins: Man muss sein Geschenk mit einem beliebigen anderen tauschen.
Zwei: Die ganze Runde gibt ihre Geschenke nach links ab.
Drei: Die ganze Runde gibt ihre Geschenke nach rechts ab.
Vier: Man setzt den nächsten Wurf aus oder trägt einen weihnachtlichen Reim vor.
Fünf: Man darf noch einmal würfeln.

Ich drücke Ihnen die Daumen und wünsche viel Vergnügen beim Wichteln.
Mein mitgebrachter Schiet fand nach ständigem Hin-und Her übrigens eine richtig glückliche Endabnehmerin, während ich unter großem Gelächter der anderen Wichtel ein grauenvolles Geschenk mein Eigen nennen „durfte“. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Ihnen allen eine fröhliche Adventszeit, aller größeren Sorgen zum Trotz!

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Über Astrid Thomas-Niemann

Astrid Thomas-Niemann ist gelernte Schifffahrtskauffrau sowie studierte Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin. Sie hat viele Jahre als Schifffahrtsanalystin gearbeitet und lebt seit 2015 in Wittdün. Als junge Frau kam Astrid 1981 das erste Mal auf die Insel und besuchte auf Zeltplatz II die Niemanns aus Hamburg, die Amrum seit 1962 urlaubsmäßig die Treue halten, inzwischen bereits in der 4. Generation.

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