Auch der Tod gehört zum Leben: Bestattungsrituale auf Amrum …


Kaffeetrinken und Gespräche in großer Runde

Am letzten Mittwoch im Mai ist im Clemens Hüs wieder ein Raum reserviert für den offenen Gesprächskreis der Kirchengemeinde. Dieses Mal haben die Ausrichter sich ein ernstes Thema für das Gespräch nach der lustigen Kaffeerunde überlegt: Welche Möglichkeiten gibt es auf Amrum, bestattet zu werden und welche Fragen gibt es rund um die Trauerfeier und Beisetzung.

Als „Fachfrauen“ haben Pastorin Martje Brandt und Annegret Wollny vom Amrumer Bestattungsunternehmen Wollny ihre Teilnahme zugesagt – um zu informieren und Fragen zu beantworten. Das Thema ist von großem Interesse – alle Stühle sind schnell besetzt. Seit jeher werden Amrumer:innen auf dem „Alten Friedhof“ rund um die Kirche in Nebel erdbestattet. Die „sprechenden Grabsteine“ erzählen hier ganze Familiengeschichten. Es gab Zeiten, da war dieser Ort der Totenruhe sehr gut belegt, so dass ein „Neuer Friedhof“ eingerichtet wurde, der nördlich von Nebel am Wirtschaftsweg liegt und eine besondere Ruhe ausstrahlt.

Auf beiden Friedhöfen gibt es zur Zeit genügend freie Plätze. Sowohl auf dem alten als auch auf dem neuen Friedhof sind Bestattungen in Urnen wie in Särgen möglich. Die Ruhezeit für einen Sarg beträgt 30 und für eine Urne 20 Jahre. Informationen zum Detail (Einzelgrab, Doppelgrab, Urnenrasengrab, Grabpflege …) findet man in der Friedhofssatzung bzw. Gebührenordnung der Kirchengemeinde Sankt Clemens. Sollte man dazu individuelle Fragen haben, kann man sich gerne an das Kirchenbüro oder an die Pastorin wenden.

M. Brandt berichtet, dass die meisten Wünsche erfüllt werden können, allerdings ist eine anonyme Bestattung auf den Amrumer Friedhöfen nicht möglich. Auch ein Kolumbarium wird es auf Amrum nicht geben. Neu eingerichtet werden gerade Plätze für Urnengräber am Baum. Diese Gräber bedürfen keiner Pflege durch Angehörige. Hier wird es aber keine Erinnerungsplaketten an den Bäumen geben, wie in manchen Friedwäldern auf dem Festland, sondern es ist geplant, einen zentralen Stein zu platzieren, an dem Plaketten angebracht werden können, die alle einheitlich gestaltet sein werden. Auch für diejenigen, die keiner Glaubensgemeinschaft angehören, ist eine Bestattung auf den Amrumer Friedhöfen möglich. Dann findet die Trauerfeier nicht in der Kirche, sondern nur auf dem Friedhof statt.

Pastorin M. Brandt hat hier im Gespräch noch einmal darauf hingewiesen, dass sie keine „weltlichen“ Beerdigungen durchführt.  Für sie ist eine kirchliche Bestattung mit der christlichen Hoffnung verknüpft, dass der Tod nicht das letzte Wort haben wird. Auf dem Festland ist es in Mode gekommen, für weltliche Bestattungen Trauerredner:innen zu engagieren. Laut A. Wollny haben wir auf Amrum noch nicht eine solche „Bestattungsindustrie“. Aber es ist natürlich den Angehörigen vorbehalten, für welche Art der Trauerfeier sie sich entscheiden – auf jeden Fall sollte der letzte Wille der Verstorbenen geachtet werden.

Neuer Friedhof: Es ist noch eine Ruhe vorhanden

So organisiert das hiesige Bestattungsunternehmen auch Seebestattungen, in der Regel mit der MS Eilun unter dem Kapitän Banidx Tadsen. Es ist aber auch möglich, sich für ein Schiff einer anderen Reederei zu entscheiden. Übrigens: Eine Seebestattung geht auch christlich! Zusammenfassend erklären die Bestatterin und die Pastorin: Man sollte alle Papiere für den Todesfall bereit haben und in seiner Wohnung aufbewahren, so dass man diese auch finden kann. In Deutschland gelten strengste Bestattungsgesetze!  Falls Hilfe nötig ist, kann man sich gerne an das hiesige Bestattungsunternehmen wenden: „Wir sind da! Ganz individuell! Wir helfen, wo wir können!“ Während des sehr informativen nachmittags konnten viele Fragen beantwortet werden – und zum Ende wurde noch die eine und andere Anekdote erzählt: U.a. erinnert man sich an die schöne Tradition, beim Abholen eines Sarges von der Fähre auf dem Weg zur Kirche bzw. Kastbarshüs (der Amrumer Leichenhalle), an der Wohnstätte des Verstorbenen zur Verabschiedung anzuhalten. Wobei Passanten am Wegesrand als Respekt vor dem Leichenzug stehenbleiben und u.U. die Kopfbedeckung abnehmen. Zum Abschluss verabschiedet M.Tadsen alle Gäste, nachdem N. Grevenitz ihr stimmungsvolles Gedicht „Augenblick“ vorgetragen hat.

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Über Brunhilde Wnuck-Jessen

Brunhilde Wnuck-Jessen wurde 1956 in Dorsten geboren und machte dort 1975 ihr Abitur. Anschließend ging es zum Studium nach Köln, wo sie eine Amrumer-Clique kennenlernte. Der Liebe wegen zog sie 1984 nach Süddorf auf Amrum, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann Sönke wohnt. Nach 38 Jahren Schreibtischarbeit freut sich die Jungrentnerin nun auf viel gemeinsame Zeit mit ihren beiden Enkeltöchtern.

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