Stellenwert der Frauen in unserer Gesellschaft …


M. Tadsen eröffnet die Gesprächsrunde

Beim offenen Gesprächskreis der Kirchengemeinde St. Clemens in Nebel geht es im Juli um die Rolle der Frau in der Gesellschaft und welche Wertschätzung die Frauen erfahren. Ein großes Thema für einen kurzen Nachmittag.

Nach der gemütlichen Kaffeerunde, an der 15 Frauen und 1 Mann teilnehmen, berichtet Marlies Tadsen- die die Gesprächsleitung des Nachmittags innehat – zunächst über einige Recherchen, die sie zu diesem Thema eingeholt hat: In Bayern mussten Lehrerinnen zölibatär leben wie Priester. Heirateten sie, mussten sie ihren Beruf aufgeben, denn sie sollten entweder voll und ganz für die Erziehung fremder Kinder zur Verfügung stehen oder die Zeit nutzen, um sich um den eigenen Nachwuchs zu kümmern. Das Bürgerliche Gesetzbuch schrieb außerdem vor: Wollte eine Frau arbeiten gehen, musste das ihr Ehemann erlauben. Erst 1977 wurde das Gesetz geändert.  Alle schütteln die Köpfe. Gefühlt ist 1977 noch nicht lange her. Aber heißt es nicht: Vor dem Gesetz sind alle gleich? Dazu passend erinnert man sich sofort an einen Schlager von Johanna von Koczian aus dem Jahre 1977; „Das bisschen Haushalt … sagt mein Mann“. Dieser Schlager nimmt die männliche Sicht auf die traditionelle Rollenverteilung bei der Haus- und Familienarbeit ironisch aufs Korn und wird noch heute als geflügeltes Wort gerne zitiert.

Diese älteren Damen würden sich nie als “Nurhausfrau” bezeichnen …

Aber die älteren Teilnehmerinnen in der Runde betonen sofort: Auf Amrum hat die Frau sich nie als „Nurhausfrau“ bezeichnet. Man stand eher an der Spitze eines „kleinen Familienunternehmens“. Während die Männer hauptsächlich zur See fuhren, haben die Frauen nicht nur den Haushalt geregelt und die Kinder betreut, sondern auch noch Feriengäste versorgt und in der Landwirtschaft gearbeitet – und dabei gab es zu dieser Zeit noch keine Kindergärten auf Amrum oder eine Ganztagsschule mit Vollverpflegung. Und man (oder Frau) konnte sich nicht dieser Rolle entziehen. Es war einfach nicht üblich, dass eine Berufskarriere angestrebt wurde. Man war nicht auf ein Studium fixiert, sondern auf die Hausfrauenfachschule, in der man alles lernte, was zu einer organisierten Haushaltsführung gehört.

Dennoch gab es auch zu dieser Zeit Ausnahmen – was natürlich nicht zu letzt mit der Einstellung im Elternhaus zu tun hat. Die Amrumer Inselärztin H. Kerler berichtet, dass es während ihrer Studienzeit schon etliche Medizinstudentinnen gab, die aber seltener als die männlichen Kommilitonen den Aufbau einer eigenen Praxis wagten, sondern sich eher in einem Krankenhaus anstellen ließen. Haben die Frauen nicht genug Mut oder ist immer der Gedankte der Familienplanung im Hintergrund? Denn eines kann man auch heute noch nicht ändern: Die Frauen müssen die Kinder zur Welt bringen! Auch wenn es heute die durch die Politik eingeführte „Elternzeit“ gibt, d.h. sowohl die Mutter als auch der Vater eines Säuglings kann sich eine zeitlich begrenzte Auszeit von der Berufstätigkeit nehmen, um das Kind zu versorgen, bis es das Kitaalter erreicht hat, bleibt die Chancengleichheit der Frau auf der Strecke. Welcher Arbeitgeber stellt eine Frau im gebärfähigen Alter ein, wenn es einen männlichen Bewerber mit der gleichen Qualifikation gibt? Eine Teilnehmerin der Runde, die auf Amrum Urlaub macht und sich als Soziologin vorstellt, betont: Es gibt zu wenig Frauen in gehobenen Positionen! Aber die Runde ist sich einig: Wir brauchen keine Quotenfrauen, sondern eine andere Einstellung zur Frau in der Gesellschaft! Die Aufgabe u.a. der Politik sollte es sein, dafür zu sorgen, dass Familienbildung und Berufsleben besser in Einklang gebracht werden können.

E. Pagels, der Sommerküster der Kirchengemeinde schlägt ein Thema für das nächste Treffen vor …

Die Zeit ist viel zu schnell verflogen, um das spannende Thema im Detail zu diskutieren. M. Tadsen beschließt den Nachmittag mit der Frage nach einer Themenidee für das nächste Treffen am letzten Mittwoch im August. Eckhard Pagels, der Sommerküster der Kirchengemeinde, schlägt vor: „Was ist mir heilig?“  Dieser Vorschlag wird von allen Anwesenden mit Beifall angenommen. E. Pagels wird das Thema für den Gesprächskreis vorbereiten und die Gesprächsleitung für diesen Nachmittag übernehmen. M.Tadsen bedankt sich im Rahmen der Runde und hofft auf eine gute Beteiligung am 30. August.

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Über Brunhilde Wnuck-Jessen

Brunhilde Wnuck-Jessen wurde 1956 in Dorsten geboren und machte dort 1975 ihr Abitur. Anschließend ging es zum Studium nach Köln, wo sie eine Amrumer-Clique kennenlernte. Der Liebe wegen zog sie 1984 nach Süddorf auf Amrum, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann Sönke wohnt. Nach 38 Jahren Schreibtischarbeit freut sich die Jungrentnerin nun auf viel gemeinsame Zeit mit ihren beiden Enkeltöchtern.

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