Amrumer Aussichtspunkte 27 – Fähranleger Wittdün …


Der Fähranleger in Wittdün ist quasi das Tor zur Insel. Eine Wegbeschreibung dorthin erübrigt sich, denn jeder der nach Amrum kommt oder die Insel verlässt muss den Weg über den Fähranleger nehmen, bzw. dicht an ihm vorbei fahren. Je nachdem welche Uhrzeit und welche Jahreszeit herrschen, ist es rundum den Anleger sehr turbulent, oder der Besucher kann in Ruhe  die Aussichten genießen. In Blickrichtung Süd und Süd-West blickt man auf Wittdün und die Wittdüner Bucht, in Richtung West auf den Leuchtturm und den Seezeichenhafen, in Richtung Nord-Ost auf Föhr und im Osten kann man die Hallig Langeneß erkennen.

Über den Fähranleger gelangen nicht nur die Amrumer und ihre Gäste auf die Insel oder verlassen diese, auch alles was hier benötigt und per Autos und Lastwagen antransportiert wird kommt hier an. Und alles was nicht auf der Insel entsorgt werden kann, wird per Schiff abtransportiert. Am Fähranleger befindet sich auch das Reedereigebäude der W.D.R. (Wyker Dampfschiff Reederei), in dem auch die Amrum-Touristik ihre Räumlichkeiten hat. Die W.D.R. hat das Monopol bezüglich der Autofähren nach Föhr und Amrum. Die W.D.R. gibt es seit 1895, wenngleich schon zuvor andere Schiffe die nordfriesischen Inseln angefahren haben. So ist seit 1662 ist ein regelmäßiger Fährverkehr zwischen Föhr und dem nordfriesischen Festland nachgewiesen:

„Anno 1662 ist im Lecker Herbstmarkt zwischen Dagebüll und Föhr ein Schiff, nach Dagebüll gehörig, vergangen, auf welchem 22 Personen ums Leben gekommen, nämlich 20 von Föhr und 2 von Deezbüll.“ (aus den „Historischen Nachrichten von den Merkwürdigkeiten des Amtes Tondern“)

Regelmäßig wurden und werden die Hafenanlagen in Dagebüll, Wyk auf Föhr und Wittdün auf Amrum erweitert bzw. modernisiert und die Flotte erneuert. So hat heute jeder der drei Fährhafen neben einer Fährbrücke jeweils einen überdachten Fußgänger-Seiteneinstieg, der mit einer Hydraulik an die jeweiligen Wasserstände angehoben werden kann. Die aktuellen RoRo-Fährschiffe („Roll on Roll off“) sind die drei modernen Doppelendfähren „Uthlande“, „Schleswig-Holstein“ und „Norderaue“, die vom Volksmund wegen ihrer typischen Bauweise scherzhaft auch als „Erdbeerkörbchen“ bezeichnet werden. Viele werden sich auch noch an die gemütlicheren älteren Fähren wie die „Rungholt“ oder „Uthlande“ erinnern. Von diesem Schiffstyp ist hier noch die „Nordfriesland“ bei der W.D.R. in Betrieb. Viele der ausgemusterten Fähren sind verkauft worden und noch weit über die Welt verstreut bei anderen Reedereien in Betrieb.  So beispielsweise die 1970 gebaute „Insel Amrum“, die bis 2012, zuletzt als Zusatzschiff bei hohem Verkehrsaufkommen, bei der Reederei eingesetzt wurde, bevor sie an die N.P.D.G. (Neue Pellwormer Dampfschifffahrtsgesellschaft) verkauft wurde und jetzt auf seinen Einsatz als Arbeitsschiff in Norwegen wartet. Weiterhin betreibt die W.D.R. die sog. Halliglinie zwischen Schlüttsiel, Hallig Hooge und Hallig Langeneß. Traditionsgemäß heißen die hier eingesetzten Fähren „Hilligenlei“, die bis 2019 auch Amrum angefahren haben. Auch wird der Busverkehr auf Föhr und Amrum durch die W.D.R. betrieben.

Der Fähranleger Wittdün dient noch anderen Schiffen als Anlaufstelle. Neben den vielen Ausflugsschiffen ist es insbesondere die Reederei „Adler-Schiffe“, die zwischen Anfang April und Ende Oktober einen Personen-Linienverkehr aufrecht erhält und Wittdün zu einer Art Drehkreuz für Fahrten im Wattenmeer, den nordfriesischen Inseln und Halligen, sowie Helgoland und darüber hinaus, gemacht hat. Zu bestimmten Zeiten treffen sich hier „Adler-Express“ (Nordstrand – Pellworm – Hallig Hooge – Amrum – Hörnum auf Sylt), „Adler Rüm Hart“ (Dagebüll – Föhr – Amrum – Hallig Hooge – Hallig Langeneß) und „Adler Cat“ (Sylt – Amrum – Helgoland), und bieten Umsteigemöglichkeiten zu den jeweiligen Fahrtzielen. Wenn innerhalb kurzer Zeit all diese Schiffe am Fähranleger Wittdün anlegen, ist hier, v. a. während der Saison, richtig was los, wogegen im Winter oder abends, wenn die letzte Fähre abgelegt hat, am Anleger eher gähnende Leere herrscht.

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Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay.,hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. Seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ arbeitet. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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