Mystische Orte auf Amrum …


Nach dem großen Erfolg der Serie „Amrumer Aussichtspunkte “ im Jahr 2023 präsentieren wir den Lesern von Amrum News ab heute eine neue Serie: „Mystische Orte auf Amrum“. Mystisch, das bedeutet geheimnisvoll. Es gibt eine ganze Reihe von Orten auf unserer Insel, die, zumindest auf den ersten Blick, geheimnisumwoben erscheinen und an denen der Betrachter sich fragt, was es mit den Begebenheiten, die er da sieht, auf sich hat. Wir wollen im Laufe des Jahres einige dieser Orte aufzeigen und versuchen deren Geheimnisse aufzudecken und Erklärungen dazu zu liefern. Neben Ortsbeschreibungen geben wir auch die jeweiligen Koordinaten an, da sich heutzutage viele Wanderer oder Radfahrer an Hand von GPS oder anderen Trackern orientieren wollen.

Mystische Orte auf Amrum 01 – Steinkreis  (54°38´50´´ N / 8°21´58´´ O)

Dass nicht immer alle Rätsel um bestimmte Orte geklärt werden können zeigt der erste Ort, der hier beschrieben wird, der „Steinkreis“. Vor nicht allzu langer Zeit hat sich eine Leserin mit der Frage was dieser Kreis zu bedeuten hat, an Amrum News gewandt, dies haben wir zum Anlass genommen die Serie „Mystische Orte“ ins Leben zu rufen.

Die Spirale befindet sich direkt am Watt gelegen, Ortsausgang von Nebel am Wattweg Richtung Steenodde, kurz vor Beginn des Kliffs „Ual Aanj“. Diese geheimnisvolle Stelle am Nebeler Watt ist mit Sicherheit kein Relikt aus einer früheren Zeit, dennoch lässt sie beim Betrachter so einige Fragen aufkommen. Was ist die Bedeutung einer derartigen Anlage? Wer hat sie gemacht? Aus Gesprächen mit vielen Amrumern haben sich keine befriedigenden Antworten auf diese Fragen ergeben. Keiner weiß so richtig wann das ganze entstanden ist, es dürfte aber erst nach dem Jahr 2010 geschehen sein, dass Menschen (!) die Spirale kreiert haben. Selbst die unmittelbaren Anwohner des Bereichs am Watt wissen nichts Genaues. Nur, dass deren Kinder ab und zu selbst Steine dazugelegt haben, und das dürfte in etwa 10 – 12 Jahre her sein. Der Steinkreis ist also definitiv erst in diesem Jahrtausend entstanden.

Der Steinkreis in Blickrichtung auf das Kliff Ual Aanj

Steinkreise gibt es seit 175.000 Jahren, bereits Neandertaler haben kreisförmige Steinanlagen errichtet. Diese rundlichen Anordnungen von aufrecht stehenden, oder liegenden Steinen dienen  nicht als Einfassung einer besonderen Anlage. Sie schließen nichts ein und können für gewöhnlich von allen Seiten betreten werden. Insbesondere im Bereich der Britischen Inseln und in Irland, aber auch in der Bretagne sowie in Schweden und Norwegen kennt man diese Gebilde. Vor allem in Skandinavien geht man davon aus, dass es sich hier um Thingplätze handelte, also um Orte an denen Volksversammlungen und Gerichtsversammlungen abgehalten wurden. Mit der berühmteste Steinkreis ist sicherlich Stonehenge in Süd-England. Im Gegensatz zu dieser riesigen Anlage mutet die Amrumer Steinspirale eher klein an. Sie dürfte wohl auch nicht  als Volksversammlungsplatz oder Gerichtsort gedacht gewesen sein, sondern ihr Zweck wird sich irgendwo im esoterischen Bereich ansiedeln. Derartige Gebilde sind auch als Schamanische Steinkreise, Energiekreise, Energiesteinkreise, energetische Steinkreise, Kraftsteine, Steinreihen, Spiralen oder Medizinräder bekannt. Sie sollen als Meditationshilfe dienen um Harmonie, Wohlbefinden und Lebenskraft zu fördern. Als Spiralform ist der Steinkreis auch eine Darstellung der Sonne, ihrem Stand am Himmel und somit des Ablaufs der Zeit.

Eingang in die Spirale entgegengesetzt dem Uhrzeigersinn …

Ein Spirale-Symbol, das sich im Uhrzeigersinn öffnet und nach rechts dreht, soll auf die Geburt und das Leben hinweisen. Geht die Spirale in die entgegengesetzte Richtung, dreht sich also nach links, gilt es wohl, zumindest in der keltischen Kultur, als Zeichen für eine Rückkehr zur Einheit, sprich zum Tod und einer möglichen Widergeburt. Der Amrumer Steinkreis dreht sich eindeutig entgegen dem Uhrzeigersinn. Geht man davon aus, dass es sich hier eben um ein spiritistisches Gebilde handelt, so kann man in den Kreis hinein laufen und der Spirale bis zu dem in der Mitte aufgestellten Steinsymbol folgen. Dabei durchläuft man quasi sein Leben, vom „Eingang“ bis zur zentralen „Erlösung“.

Das Ganze hat schon etwas mystisches an sich, v. a. wenn man bei nebligen Verhältnissen und niedrigen Wasserständen über den Kreis aufs Watt blickt. Und erstaunlich ist es schon, dass dieser Steinkreis in den letzten Jahren bislang weder durch hohe Wasserstände oder Sturmfluten zerstört, noch durch Pflanzenbewuchs überwuchert wurde. Zudem, so scheint es, wird die Spirale von Zeit zu Zeit etwas vergrößert. Ob es Teilnehmer von auf Amrum stattfindenden spirituellen Kursen, oder Kinder von Klassenfahrten aus dem nahegelegenen Schullandheim Honigparadies sind, die dafür sorgen, dass der Steinkreis erweitert wird, entzieht sich unserer Kenntnis. Aber offensichtlich gibt es immer wieder Menschen, die sich an diesem Ort erfreuen können.

Anm. der Redaktion: Vielleicht lesen ja die Erbauer:innen dieses Steinkreises diesen Artikel. In diesem Fall würden wir uns über eine Rückmeldung freuen und könnten dieses mystische Rätsel auflösen.

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Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay.,hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. Seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ arbeitet. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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