„Theo Fischer“ – seit 27 Jahren mit der Speckflagge am Bug im Einsatz …


Ernst Meier-Hedde auf dem Trockenen in Bardenfleth. Foto: DGzRS

Seit dem vergangenen Wochenende vertritt die „Theo Fischer“ den SRK „Ernst Meier-Hedde“ von der Station Wittdün auf Amrum. Dieser ist zu einer großen turnusmäßigen Grundüberholung, die alle drei Jahre stattfindet, am vergangenen Sonntag in Richtung Fassmer-Werft in Badenfleth aufgebrochen. Der SRK „Ernst Meier-Hedde“ musste dafür zunächst aus seinem Element Wasser an Land um dann für die turnusgemäßen Arbeiten in die Werft verbracht zu werden. Nach voraussichtlich drei Monaten Werftliegezeit wird der SRK Ernst Meier-Hedde Mitte Juli auf der Station Amrum zurückerwartet.

Theo Fischer vor Wittdün. Foto: Gerd Arnold

Der 23,1-Meter-Seenotrettungskreuzers der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) „Theo Fischer“ wurde auf der Schweers-Werft (heute Fassmer) gebaut und am 11. April 1997 in Dienst gestellt. Stationiert war der Kreuzer zunächst in Warnemünde (1997-2003) und am Darßer Ort (2003-2021). Dort wurde er 2021 von dem neuen SRK „Nis Randers“ abgelöst. Seitdem ist er auf wechselnden Stationen im Einsatz. Benannt ist der SRK nach dem Maschinisten des Seenotrettungskreuzers „Alfried Krupp“, der bei einem Einsatz am 1. Januar 1995 ums Leben kam.

Die Taufe fand am 16. Oktober 1997 in Emden (zusammen mit dem Schwesterschiff „Bernhard Gruben“, Vormann der ebenfalls am 1. Januar 1995 verunglückte) statt.

Der Name des Tochterbootes „Ströper“ bezeichnet im mecklenburgischen Platt einen pfiffigen Jungen.

Dieser Seenotrettungskreuzer ist ursprünglich mit Gasschutzbetrieb für erschwerte Einsatzbedingungen in gefährlichen Atmosphären konstruiert worden. Er verfügt über einen geschlossenen oberen Fahrstand und einer Gasschutzanlage.

Für Einsatzsituationen, bei denen Vormann und Besatzung auf akustische Wahrnehmungen angewiesen sind, ist an der Achterkante des geschlossenen Aufbaus ein Außenfahrstand eingerichtet.

Die Schiffsform gewährleistet bei geringem Widerstand gute Stabilität und gute See-Eigenschaften. Besonderer Wert wurde auf gute Manövriereigenschaften und Kursbeständigkeit gelegt. Die Decksform (Bucht, Sprung) wurde vereinfacht. Das Achterschiff mit der größten Breite und einer Aufkimmung (Stützfläche) von etwa 45 Grad wurde nach den Erkenntnissen der DGzRS und der Bauwerft entwickelt (Delta-Form des Rumpfes).

Die Seenotrettungskreuzer der DGzRS zeichnen sich durch ihre hohe Seetüchtigkeit und ihre selbstaufrichtenden Eigenschaften aus.

Zur Stammbesatzung der „Theo Fischer“ gehören jeweils neun Rettungsmänner, von denen jeweils vier „auf Wache“ sind. Sie leben und arbeiten rund um die Uhr an Bord. Die Seenotrettungskreuzer sind jederzeit sofort einsatzbereit.

Der Seenotrettungsdienst stellt hohe Beanspruchungen und trotzdem erreichen die Rettungseinheiten der DGzRS, dank ständiger Pflege durch ihre engagierten Besatzungen, Dienstzeiten von durchschnittlich rund 30 Jahren. Alle paar Jahre werden sie mehrere Monate lang turnusgemäß generalüberholt. Aber auch kürzere Werftzeiten sind ab und zu nötig. Viele dieser Arbeiten werden in der hauseigenen Werft in Bremen erledigt.

Als Vertretung etwa während Werftzeiten unterhält die DGzRS zwei Seenotrettungskreuzer ohne feste Station. Die „Hans Hackmack“ und die „Theo Fischer“ kommen als Springer immer dort zum Einsatz, wo andere Seenotrettungskreuzer ihre angestammte Station vorübergehend verlassen. Beide verfügen über Stammbesatzungen, die ihre Schiffe bestens kennen. Verstärkung erhalten sie durch revierkundige Besatzungsmitglieder der jeweiligen Station. Zuletzt lag der SRK auf der Station Strucklahnungshörn auf Nordstrand. Der dortige SRK „Eiswette“ war zu einer größeren Werftzeit in Rostock zur turnusgemäßen Grundüberholung.

Pünktlich zum 26. Tag der Seenotretter 2024 wird die „Ernst Meier-Hedde” zurück erwartet. Dieser findet am Sonntag den 28. Juli 2024 von 11 bis 18 Uhr auf vielen Stationen an Nord- und Ostsee statt. Mehr Informationen folgen in Kürze auf der Website der Seenotretter https://www.seenotretter.de/magazin/tag-der-seenotretter.

Theo Fischer und Ernst Meier-Hedde beim Tag der Seenotretter 2023. Foto: Peter Totzauer

Gelegenheit sich einmal vor Ort über die Seenotretter zu informieren und an diesem besonderen Aktionstag einmal mehr die Technik, Leistungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft kennenzulernen. Selbstverständlich gibt es auch wieder das beliebte T-Shirt zum Tag der Seenotretter sowie Gästefahrten mit den Seenotrettungsbooten.

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Über Gerd Arnold

Gerd Arnold, 1957 in Nebel auf Amrum geboren. Ein „echter“ Amrumer mit der friesischen Sprache (öömrang) aufgewachsen. Bis 1972 die Schule in Nebel besucht, danach Elektroinstallateur in Wittdün gelernt. 1976/77 in Wuppertal den Realschulabschluss nachgeholt. Ab Oktober 1977 als Berufssoldat bei der Bundesluftwaffe und seit November 2010 Pensionär. Nach vielen Jahren der verzweifelten Suche nach passenden „bezahlbaren“ Wohnraum auf Amrum endlich fündig geworden, seit Februar 2022 wieder ständig auf Amrum. 2019 ins Team der Amrum News integriert, aber das soll neben dem Angeln nicht die einzige Aktivität auf der Insel bleiben.

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