Aus „Öömrang Gin“ wurde „Oomram Gin“. Was auf den ersten Blick wie eine kleine Namensänderung wirkt, hat eine politische Debatte ausgelöst, die inzwischen bis nach Brüssel reicht. Ein einstimmiger Beschluss des Bundesrates soll verhindern, dass Begriffe aus Regional- und Minderheitensprachen künftig als exklusive Marken geschützt werden können. Auslöser war ein Rechtsstreit, der auf Amrum bis heute für Kopfschütteln sorgt. Was als Auseinandersetzung um einen Gin begann, könnte das europäische Markenrecht dauerhaft verändern.

Warum wird „Öömrang Gin“ jetzt als „Oomran Gin“ verkauft?
Der Grund ist, dass sich ein amerikanisches Weingut aus Stanwood, Washington (USA), die Marke „Öömrang“ rechtlich gesichert hat.
Ein friesisches Wort wird zum Streitfall
Manchmal reicht ein einziges Wort, um eine ganze Region in Aufruhr zu versetzen.
Auf Amrum ist „Öömrang“ weit mehr als nur ein Name. Es steht für die Insel, ihre friesische Sprache und ihre kulturelle Identität. Umso größer war die Überraschung, als ausgerechnet dieser Begriff europaweit als Marke für Spirituosen eingetragen wurde – und zwar nicht von einem Unternehmen aus Nordfriesland, sondern von einem US-amerikanischen Spirituosenhersteller.
Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. So erhielt der Amrumer Gin-Hersteller Stephan Klindtberg eine Abmahnung. Sein „Öömrang Gin“ musste umbenannt werden und wird seitdem als „Oomram Gin“ verkauft. Für viele Insulaner war das kaum nachvollziehbar.
Warum das Markenrecht eine Lücke hat
Dieser Fall hat ein bislang kaum bekanntes Problem sichtbar gemacht.
Zwar schützt das deutsche und europäische Markenrecht geografische Herkunftsbezeichnungen. Für Begriffe aus anerkannten Regional- und Minderheitensprachen gilt dieser Schutz jedoch bislang nicht in gleicher Weise. Wörter, die für Friesen, Sorben oder Sprecher des Niederdeutschen alltäglich sind, können deshalb unter bestimmten Voraussetzungen als Marken eingetragen werden.
Genau darin sehen Juristen, Sprachwissenschaftler und Vertreter der Minderheiten eine erhebliche Schutzlücke. Sie befürchten, dass sprachliches Kulturgut kommerzialisiert wird und regionale Betriebe ihre eigenen traditionellen Bezeichnungen plötzlich nicht mehr frei verwenden dürfen.
Bundesrat fordert Änderung des EU-Rechts
Der Streit um „Öömrang“ blieb deshalb nicht auf Amrum beschränkt.
Auf Initiative Schleswig-Holsteins verabschiedete der Bundesrat am 12. Juni 2026 einstimmig eine Entschließung. Darin fordert das Ländergremium gemeinsam mit Brandenburg, Bremen, Niedersachsen und Sachsen die Bundesregierung auf, sich in Brüssel für eine Änderung des europäischen Markenrechts einzusetzen.
Demnach sollen Regional- und Minderheitensprachen künftig den gleichen Schutz genießen wie die Amtssprachen der Europäischen Union. Zu diesem Zweck soll Artikel 7 der EU-Markenrechtsverordnung ergänzt werden. Demnach sollen allgemeine Begriffe und Redewendungen aus den durch die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen geschützten Sprachen grundsätzlich nicht mehr als exklusive Marken eingetragen werden können.
Der Minderheitenbeauftragte der schleswig-holsteinischen Landesregierung, Johannes Callsen, spricht von einem wichtigen Schritt für die Gleichbehandlung der Sprachen in Europa. Nun sei die Bundesregierung aufgefordert, die Initiative auf europäischer Ebene voranzubringen.
Der Fall „Öömrang“ als Auslöser
Für den Heimatverein Öömrang Ferian blieb es nicht bei politischer Kritik.
Der Verein entschloss sich, juristisch gegen die Markeneintragung vorzugehen, und erarbeitete gemeinsam mit Patentanwälten die Löschung der Marke. Nach Auffassung des Vereins darf ein Begriff, der die friesische Sprache und die Herkunft von Produkten beschreibt, nicht monopolisiert werden.
Die Argumentation stützt sich auf mehrere Punkte. Zum einen fehle dem Begriff als geografische Herkunftsbezeichnung die notwendige Unterscheidungskraft. Zum anderen bestehe die Gefahr, Verbraucher über die tatsächliche Herkunft der Produkte zu täuschen. Darüber hinaus sieht der Verein Anhaltspunkte dafür, dass die Markenanmeldung missbräuchlich erfolgt sein könnte.
Der Rechtsstreit verursachte erhebliche Kosten und entwickelte sich weit über Amrum hinaus zu einem Symbol für den Schutz regionaler Identität.
„Unser Einsatz hat sich gelohnt. Wir haben etwas auf den Weg gebracht, von dem auch andere Minderheiten profitieren werden“, so der Vorsitzende Jens Quedens vom Öömrang Ferian.
Was sich künftig ändern soll
Der Bundesratsbeschluss ist zwar noch keine Gesetzesänderung. Er setzt jedoch ein deutliches politisches Signal.
Nun liegt der Ball bei der Bundesregierung. Diese soll die Ergänzung der EU-Markenrechtsverordnung in Brüssel auf den Weg bringen. Gelingt dies, könnten friesische Begriffe wie „Öömrang“ sowie Wörter aus dem Niederdeutschen, Sorbischen, Saterfriesischen oder Romanes künftig deutlich besser vor einer kommerziellen Vereinnahmung geschützt werden.
Der Fall zeigt eindrucksvoll, dass Sprache weit mehr ist als ein Kommunikationsmittel. Sie ist Heimat, Geschichte und Identität. Ausgerechnet ein Gin von einer kleinen Nordseeinsel hat eine Debatte ausgelöst, die nun ganz Europa beschäftigt – und möglicherweise dafür sorgt, dass Minderheitensprachen künftig den Schutz erhalten, den viele seit Jahren fordern.
Für Stefan Klindtberg steht fest: „Ich werde meinen Gin nicht noch einmal umbenennen.“
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum


> „Ich werde meinen Gin nicht noch einmal umbenennen.“
Wenn ich das Richtig deute dann kann und darf er das auch nicht mehr wenn dann solche Begriffe “grundsätzlich nicht mehr als exklusive Marken eingetragen werden können.”
Interessant wäre noch ob es denn nun überhaupt ein Produkt aus den USA mit dem “korrekten” und Inkriminierten Namen gibt. Wenn nicht ist das doch irgendwie eine Luftnummer. Ich fand nur https://www.oomrang.com/ourstory nachdem eine Familie Stoecklein 2016 erst (unerwartet) damit anfing Wein zu Produzieren. Und wie lang gibt es diese Marke hier? Und was passiert nun/dann mit unserem Öömrang Hus?
Ob sich ein US-Betrieb überhaupt darum Schert was das EU-Markenrecht bestimmt? Denn beim Aktuellen POTUS hat der Rest der Welt (nach nunmehr 250 Jahren) irgendwie so überhaupt keine Relevanz. Eher im Gegenteil will er doch US-Produkte zollfrei in alle Welt haben. Und droht jedem der dagegen ist mit dem Knüppel. Zeit für ein “Hold my Beer”? :-/ KM