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Umweltminister Habeck auf „riesengroßer Wattwanderung“

 

Anlässlich des 30jährigen Jubiläums des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer lud in der vergangenen Woche die Nationalparkverwaltung und das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) zur „riesengroßen Wattwanderung“ durch den Nationalpark. Mit von der Partie waren u.a. Minister Dr. Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Detlef Hansen (Leiter der Nationalparkverwaltung), Dr. Johannes Oelerich (Direktor des Landesbetriebs für  Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein), Vertreter von Naturschutzverbänden (Öömrang Ferian, Schutzstation Wattenmeer, WWF, Verein Jordsand), weiteren Angehörigen des Umweltministeriums und des Landesbetriebs sowie Vertreter der Presse.

Minister Dr. Robert Habeck (vorne), Dr. Johannes Oelerich (LKN), Dr. Detlef Hansen (Nationalparkverwaltung) und Dr. Hans-Ulrich Rösner (WWF) am Steenodder Kliff

Minister Dr. Robert Habeck (vorne), Dr. Johannes Oelerich (LKN), Dr. Detlef Hansen (Nationalparkverwaltung) und Dr. Hans-Ulrich Rösner (WWF) am Steenodder Kliff

Die Tour startete bereits am frühen Morgen mit einer Wattwanderung von Dagebüll nach Langeness. Von dort ging es dann mit dem Schiff weiter nach Amrum. Hier angekommen, wurde das Fahrrad zum Fortbewegungsmittel der Wahl. Nach der Begrüßung durch den Norddorfer Bürgermeister Peter Koßmann (stellvertretend für die Amrumer Gemeinden) wurde ins Seefohrerhus am Seezeichenhafen eingekehrt.

Gut gestärkt ging es entlang des Steenodder Kliffs weiter nach Norden. Am Kliff erläuterte Dr. Johannes Oelerich die Grundlagen der „Wattenmeerstrategie 2100“. Durch den im Zuge der Klimaerwärmung entstehenden Anstieg des Meeresspiegels wird sich auch das Wattenmeer verändern. Ohne ein Eingreifen des Menschen würden dann bis zu 75% des Wattenmeers kein Wattenmeer mehr sein, da die jetzt noch bei Ebbe trockenfallenden Flächen sich gravierend verkleinern werden. Dies hätte schwerwiegende Folgen für das gesamte Ökosystem des Wattenmeers und seine Bewohner und Nutzer. Daher werden verschiedene Szenarien zur Rettung des Wattenmeers getestet. Hierzu gehört z.B. das Einbringen von gewaltigen Mengen an Sand, um den Boden des Wattenmeers entsprechend dem Meeresspiegelanstieg zu erhöhen und damit dessen Folgen abzumildern.

Anschließend berichtete Dr. Thomas Chrobock vom Öömrang Ferian über die Situation der Amrumer Brutvögel im Allgemeinen und über die Eiderenten – Amrums inoffiziellen Wappenvogel – im Speziellen. Leider hat die Anzahl der auf Amrum brütenden Eiderenten in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen und somit wurde auch die Gesamtpopulation dieser früher sehr zahlreichen Vögel kleiner. Über die genauen Ursachen kann leider nur spekuliert werden. Einen Einfluss hat sicherlich die Nahrungsverfügbarkeit: der Bestand der Miesmuscheln, von denen sich die Eiderenten zu einem Großteil ernähren, hat in den letzten 60 Jahren um ca. 90% abgenommen. Dazu kommt die Erwärmung des Meeres (ca. 1,7°C wärmer als vor 50 Jahren), die alle im Meer lebenden Organismen beeinflusst und an kältere Temperaturen angepasste Lebewesen somit nach Norden abgedrängt werden.

Naturschutzdiskussion im Naturzentrum Amrum

Naturschutzdiskussion im Naturzentrum Amrum

Anschließend ging es über Nebel in die Amrumer  Heide, in der Dr. Habeck auf die Situation der Amrumer Heide aufmerksam gemacht wurde. Von Seiten des Öömrang Ferian und der Unteren Naturschutzbehörde war geplant, die Heide mittels Schafbeweidung zu pflegen. Dies scheiterte allerdings an den nicht zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln. Minister Dr. Habeck versprach, sich „…um die Sache zu kümmern…“.

Angekommen an der Vogelkoje erläuterte Jens Quedens vom Öömrang Ferian die Geschichte und Funktion der Vogelkoje. Diese sicherte in früherer Zeit die Nahrungsversorgung der Insulaner und ist heute eines der bedeutendsten kulturhistorischen Denkmäler der Insel. Danach ging es mit dem Rad weiter zur vorletzten Station auf Amrum, dem Naturzentrum Amrum am Norddorfer Strandübergang.

Hier berichtete der Leiter des Naturzentrums Dr. Thomas Chrobock über die Naturschutz- und Umweltbildungsarbeit des Öömrang Ferian. Am Strand entlang führte der Weg dann zum Vogelwärterhaus des Vereins Jordsand auf der Amrumer Odde. Hier berichteten Dr. Eckhard Schrey, Vorsitzender des Vereins Jordsand, und Dieter Kalisch, langjähriger Betreuer der Amrumer Odde, über die Geschichte eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands und die wissenschaftliche Arbeit des Vereins Jordsand.

Minister Dr. Habeck (im roten Pullover) auf „Vogelkiek“ an der Amrumer Odde

Minister Dr. Habeck (im roten Pullover) auf „Vogelkiek“ an der Amrumer Odde

Selbstverständlich durfte auch eine kurze Besichtigung der Amrumer Odde nicht fehlen. Nach einer Stärkung mit leckerer Fischsuppe wurde dann die letzte Etappe der „riesengroßen Wattwanderung“ in Angriff genommen. Der Weg führte die Teilnehmer von der Amrumer Odde übers Watt nach Föhr und von dort ging es dann mit der MS „Eilun“ wieder zurück nach Dagebüll. Insgesamt zeigten sich alle Teilnehmer begeistert von der Einzigartigkeit und Schönheit des Nationalparks Wattenmeer und seiner Inseln und Halligen.

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Über Thomas Chrobock

Dr. Thomas Chrobock hat Biologie an der Universität Potsdam studiert. Danach folgte die Promotion an der Universität Bern (Schweiz) im Fachgebiet Pflanzenökologie. Seit Sommer 2012 ist er der Leiter des Carl Zeiss Naturzentrums Amrum des Öömrang Ferian i.f. in Norddorf auf Amrum.
Amrumer Fotowettbewerb 2015