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Milde Luftmassen strömten mit orkanartigen Böen über die deutsche Bucht und wirbelten einiges durcheinander…

Sturmtief Barbara sorgte mit zwar mildem aber durch die intensiven Schauer eher ungemütlichen Wetter während der Weihnachtstage für viel Dynamik und eindrucksvolle Naturgewalten. Im Bereich der Amrumer Strände wurden zum Beispiel wieder enorme Sandmassen ins Meer gerissen, der Strandbohlenweg in Nebel bis auf Höhe Leuchtturm am Strand verteilt und die Wasserstände zwangen die Wyker Dampfschiffs-Reederei, den Fährverkehr einzuschränken und schließlich ganz einzustellen und wurden so zu Herbergsvätern.

„Wir haben gerade 150 Decken gepackt, um die gestrandeten Fahrgäste auf dem Weg nach Amrum auf der Fähre im Wyker Hafen zu versorgen“, berichtete Geschäftsführer Axel Meynköhn am Telefon. Allein 110 Autos konnten an dem stärksten Anreisetag der Weihnachtstage nicht auf die Inseln übergesetzt werden. „Das ist in meiner Zeit als Geschäftsführer einmalig, dass solch eine große Anzahl an Fahrzeugen in Dagebüll stehen geblieben ist“, so Meynköhn. Vielen gestrandeten Passagieren konnten auf dem Festland Hotelzimmer vermittelt werden.

Aber das zur Ebbe nicht ablaufende Wasser und der zudem noch aufbrausende Sturm mit über 100 km/h in Böen sorgten dafür, dass die Hebebühnen nicht mehr genutzt werden konnten. Um 1,86 m am Wittdüner und mit 2,12 Metern am Dagebüller Pegel war das Nachthochwasser höher als im Mittel aufgelaufen und hatte um 23:40 Uhr den höchsten Wasserstand erreicht.

Überschattet wurde der ohnehin stark frequentierte Tag bei der Reederei durch einen Arbeitsunfall, der sich am Mittag im Wyker Hafen an Anleger 3 ereignet hat. Wie WDR-Geschäftsführer Axel Meynköhn gegenüber den Medien berichtete, ging gegen 12 Uhr ein Mitarbeiter beim Anlegemanöver der „MS Nordfriesland“ über Bord und dass vor den Augen des Festmachers, der an Land die Leine in Empfang nehmen wollte. „Der hohe Wasserstand bedeutete da Glück im Unglück“, so Meynköhn. Der Kollege habe den Verunglückten, der ordnungsgemäß eine vollautomatische Rettungsweste getragen hat, packen und an Land ziehen können. Allerdings sei der erfahrene und langjährige Mitarbeiter kurzzeitig zwischen Schiff und Dalben eingeklemmt gewesen und wurde dabei verletzt. Der Notarzt entschied, den Verunfallten für weitere Untersuchungen nach Flensburg ausfliegen zu lassen.

An der Amrumer Westküste sorgten nicht nur die Brecher für hohe Sandverluste. Die Spaziergänger, die es nutzen, wollten das Naturspektakel live zu erleben, konnten miterleben, wie selbst bei ablaufendem Wasser fast jede Welle Stück für Stück den erst in diesem Jahr erneuerten Sandpuffer vor dem Landschulheim Ban Horn zurück ins Wasser holte. Und das laut Pegel bei rund 82 cm über MTHW. Aber auch das kostenfreie Peeling durch die vom Sturm vor sich hergetriebenen und schier unzählbaren Sandkörner in der Luft, beeindruckten.

Ein Spaziergang um die Nordspitze war aufgrund des Wasserstandes zwar nicht möglich, aber dass hielt einen Spaziergänger nicht davon ab, auf einer Bank in Lee der Nordspitze mitten in den überfluteten Wattflächen Platz zu nehmen. „Hier spüre ich die Verbundenheit zu Amrum, wo meine Mutter mal Lehrerin war“, beschrieb der junge Mann sein Gefühl auf der Bank.

Nicht so entspannt hatten es die gestern Abend gestrandeten Fahrgäste auf dem Weg nach Amrum. Der Mehrwert der Fahrkarte beinhaltete nicht nur die Übernachtung an Bord, sondern brachte sie heute Morgen erst zweimal nach Dagebüll, bevor es dann endlich auch nach Amrum weiter ging.

Fotos: Thomas Oelers u. Peter Lückel

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Über Thomas Oelers

Thomas Oelers wurde 1966 in Wittdün auf Amrum geboren - ein echtes Inselkind. Nach seiner Schul- und Ausbildungszeit entschied er sich auf der Insel zu bleiben. Heute arbeitet der Vater von 2 Kindern in einem Wittdüner Betrieb als Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister. Seit 2003 recherchiert und fotografiert er als freier Journalist akribisch im Amrum-News Team.
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