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Die „Zonenrocker“ – Ostrock eindrucksvoll präsentiert…

Gestern Abend präsentierten die Bandmitglieder der „Zonenrocker“ in der „Blauen Maus“ eindrucksvoll die Songs der DDR-Rockgiganten der 80er Jahre. Dabei verstanden sie es, die eigene Begeisterung zu transportieren und das Publikum mit einzubinden. Selbst die nicht ganz Textfesten unter den Besuchern waren schnell abgeholt. Die Gäste und Insulaner, die es am Sonntag nicht geschafft haben in die Kult- und Kulturkneipe von Jan von der Weppen zu kommen um die Rockmusik zu erleben – und davon gab es doch erstaunlich viele – haben heute Abend ab 21.00 Uhr die Chance beim zweiten Auftritt dabei zu sein. Sehr zu empfehlen.

Gute Stimmung auf - und vor der Bühne

Gute Stimmung auf – und vor der Bühne

Unbekannt sind die Musiker Enrico (Git/Voc) und Andre Schelzer (Drums/Voc. auf Amrum wahrlich nicht, wenn auch sie mit dieser Besetzung und unter dem Bandnamen „Zonenrocker“ erstmalig auf der Insel aufgetreten sind. „Heute wahren sie zum siebten Mal hier“, resümierte Jan von der Weppen. Allerdings haben sie 2012 ihre Identität als die „Hurensöhne“ abgelegt und sich in „Zonenrocker“ umbenannt. „Die Veranstalter hatten sich zu oft an dem alten Bandnamen gestört“, erklären die Zwillingsbrüder. Da sich die Zusammensetzung der Band in dem Jahr ohnehin geändert hat und Gunter Thil (Keyboard) und Mike Meyer (Bassgit.) zu den Brüdern stießen, war es zudem an der Zeit, die Konserven über Bord zu schmeißen und auf absolut Livemusik umzustellen. „Wir haben dann mal die Computer schweigen lassen und komplett auf Handmade umgestellt“, so Frontmann Enrico Schelzer aus Ilsenburg bei Magdeburg. Mit Gunter, einem echt alten Hasen im Geschäft, haben sie einen Keyboarder, der bereits in den 1970gern bei der Band „Alexanders Berlin“, aus der die Band Karat hervorging, gespielt hat. „Das hätte ich auch nicht gedacht, dass ich mit fast 63 Jahren noch Rockmusik spiele“, schmunzelt Gunter Thil.

Die Zonenrocker lassen den Rock der 80er Jahre aufleben

Die Zonenrocker lassen den Rock der 80er Jahre aufleben

Das sie es wirklich können haben sie eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Dabei ließen die vier Bandmitglieder keinen Zweifel daran, dass sie Spaß an Musik haben und es verstehen ihr Publikum einzubinden. Die Nähe zu den Musikern ist in der „Blauen Maus“, die laut der Band sicherlich den kleinsten Veranstaltungsort während der vielen Bühnenauftritte im Jahr darstellt, inklusive. Zudem gibt es keinerlei Berührungsängste während des Auftritts und in den Pausen. „Wir haben großen Spaß auf Amrum aufzutreten“, versichert die Band. 2010 wurde während der zweitägigen Inseltour sogar die Musik mitgeschnitten und eine Live-CD produziert.. Die musikalischen Fähigkeiten faszinierten zwar das gesamtdeutsche Publikum, doch einige Rockfans verbanden an diesem Abend eine fast überwältigende Erinnerung mit dem Liedergut des Ostrocks. „Man muss schon genau zuhören, um alle Kritik und Botschaften in den Liedertexten zu hören“, erinnert sich ein Amrumer an die Zeit, wo in der DDR nicht alles zugelassen war. „Als ich mit meiner Familie von Kühlungsborn aufgebrochen bin, um über Ungarn zu fliehen, spielte das Lied „als ich fortging“ im Original von Karussell. Und seit 26 Jahren habe ich keine Ostrockband mehr spielen sehen“, schwelgt der nun Wittdüner zwischenzeitlich in seinen Erinnerungen.

Mit diesem Auftritt unterstreicht Wirt Jan von der Weppen erneut den Anspruch neben einer Kultkneipe auch eine Kulturkneipe zu sein. „Seit rund neun Jahren forcieren wir Liveauftritte in unseren vier Wänden und können mittlerweile auf weit über 100 Auftritte von Bands, Liedermachern und ganzen „Kultevents“ zurückblicken“, bilanziert Jani. Hierbei werden die Mühe und der finanzielle Aufwand unterm Strich vom Publikum eindrucksvoll gedankt. Solch relativ teure Auftritte lassen sich aber nicht refinanzieren. Selbst wenn am Sonntag das Haus voll gewesen wäre. „Aber das habe ich vorher gewusst. Ich würde mich natürlich freuen, wenn heute Abend alle die kommen, die sich schon im Vorfeld auf die hochkarätige Musik gefreut haben“.

Die Zwillingsbrüder vor 46 Jahren geboren begannen ihre langjährige und intensive musikalische Ausbildung bereits im zarten Alter von 10 Jahren. Sie spielten in den letzten Jahrzehnten in verschiedensten Bands und standen sogar schon zusammen mit KARAT auf der Bühne. Im Jahre 1990 gründeten die Brüder die Band „Taufrisch“ und tourten bis 1993 unter diesem Namen durch die Lande. Es dauerte dann bis Anfang 2008 bis aus einer Idee, die DDR-Rockgeschichte auf die Bühne zubringen.

Die DDR-Rock-Kultur brachte ihrer Meinung nach so viele beeindruckende Werke hervor, dass man sie nicht alle in einem zweistündigen Konzertprogramm unterbringen könne. Ihr Anspruch war es von Anfang an, dass der Sound und die musikalische Qualität den Originalen in nichts nachstehen dürfen. Dass ihnen das gelungen ist, bewiesen sie bereits als die „Hurensöhne“ und nun als „Zonenrocker“ bei ihrem Auftritt eindrucksvoll, mit wunderschönen Melodien, Rockballaden und groovige DDR-Rocksongs im frischen Sound aber mit dem Gefühl der 80er Jahre..

Und man muss nicht in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik aufgewachsen sein, um sich für die unglaublich authentische und druckvoll präsentierte Musik begeistern zu können. Eine sehr schöne zweieinhalbstündige Liveshow, die mit Songs wie: Albatros, alt wie ein Baum, der Clown, der blaue Planet, am Fenster, Rockerrente, Schwanenkönig und über sieben Brücken, eine entsprechende Resonanz beim Publikum fand und erst nach mehreren Zugaben entließen sie die Musiker von ihren Instrumenten.

Weitere Infos und Tour Termine finden Sie auch im Internet unter: www.zonenrocker.de

 

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Über Thomas Oelers

Thomas Oelers wurde 1966 in Wittdün auf Amrum geboren - ein echtes Inselkind. Nach seiner Schul- und Ausbildungszeit entschied er sich auf der Insel zu bleiben. Heute arbeitet der Vater von 2 Kindern in einem Wittdüner Betrieb als Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister. Seit 2003 recherchiert und fotografiert er als freier Journalist akribisch im Amrum-News Team.
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