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Große Erfassung der Wat- und Wasservögel auf Amrum …


Der Säbelschnäbler mit Nachwuchs …

Nach vielen kurzen Nächten für die Mitarbeiter des Naturzentrums vom Öömrang Ferian i.f. ist die Brutvogelkartierung auf Amrum nun abgeschlossen. Seit vielen Jahren schon werden alljährlich die brütenden Wat- und Wasservögel auf Amrum und sogar an fast der gesamten Küste des Nationalparks Wattenmeer erfasst. Ziel ist dabei die frühzeitige Erkennung von Bestandsveränderungen sowie eine Optimierung des Schutzes der meist seltenen Vögel.

Für die Freiwilligen des Amrumer Naturzentrums (zwei im Freiwilligen Ökologischen Jahr, drei BundesfreiwilligendienstlerInnen) bedeutet die Brutvogelkartierung vor allen Dingen in aller Frühe aufzustehen und dann mit Spektiv, eine Art Fernrohr, und Klemmbrett über die Insel zu streichen, um Vogelreviere möglichst punktgenau zu erfassen. Am frühen Morgen sind die Vögel insgesamt aktiver und damit auch leichter zu entdecken. Trotzdem ist es häufig schwer zum Beispiel die gut getarnten Sandregenpfeifer auf dem weiten Amrumer Kniepsand zu finden. Deswegen lernen die Freiwilligen die schwer sichtbaren Vögel notfalls auch an ihrem Ruf zu erkennen. Die Gefahr, dass Vögel doppelt gezählt werden und so eine zu hohe Zahl herauskommt, ist relativ gering. Die meisten Vogelarten besetzen zur Brutzeit Reviere und sind somit, einmal auf der Kartierkarte eingetragen, auch in den nächsten Jahren leicht wiederzufinden.

Den Mitarbeitern müssen aber auch die typischen Ansprüche der Arten an ihren Lebensraum bekannt sein. So brütet der Rotschenkel am liebsten in höherer Vegetation und hat damit seinen Verbreitungsschwerpunkt auf Amrum in den unbeweideten Salzwiesen. Der Säbelschnäbler bevorzugt hingegen eine flachere Pflanzendecke, so dass ihm dieses Jahr ein von Gänsen kurzgefressenes Feld zwischen Nebel und Norddorf als Brutgebiet diente. Wichtig ist es also, den Vögeln ein Mosaik aus möglichst vielen verschiedenen Flächen zu bieten, wie es im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer beispielhaft der Fall ist. Nur so ist es möglich, die überwältigende Artenvielfalt der Vogelwelt des Wattenmeeres dauerhaft zu schützen.

Trotz der anstrengenden Arbeitszeiten macht die Brutvogelkartierung allen Helfern großen Spaß. Wer beobachtet nicht gerne die kleinen flauschigen Säbelschnäblerküken auf ihrem Weg in die nahrungsreichen Wattgebiete des Weltnaturerbes oder die Kiebitze bei ihren spektakulären Balzflügen?

Während der Rotschenkel zum Brüten die hochgewachsenen Salzwiesen bevorzugt, ist der Austernfischer auf der ganzen Insel ansässig. Zwergseeschwalben sind nur noch an wenigen Stellen am Strand zu finden.

Ein Ergebnis des Monitorings ist leider, dass viele Vögel immer seltener werden. Bei einigen Arten sind die Gründe dafür leicht zu finden, wie bei Zwergseeschwalbe und Sandregenpfeifer. Beide sind nur noch mit etwas mehr als 20 Brutpaaren auf Amrum vertreten. Diese am Strand in flachen Bodenmulden brütenden Vögel leiden unter der intensiver gewordenen touristischen Strandnutzung. Daher werden die wenigen verbliebenen Brutplätze auch konsequent von den NaturschützerInnen eingezäunt. Damit wird vermieden, dass Spaziergänger unabsichtlich für ein schnelles Ende der Brutbemühungen sorgen.

Schwieriger wird es bei der Suche nach Gründen für den bundesweiten Bestandsrückgang des Austernfischers. Die Bestände sind auf Amrum zwar im letzten Jahr mit ungefähr 650 Brutpaaren stabil geblieben, auf deutschlandweiter Ebene sind aber seit einiger Zeit deutliche Rückgänge zu verzeichnen. Verantwortlich dafür sind wohl mehrere Faktoren. Ein wichtiger Grund sind hier die durch den Klimawandel häufiger werdenden Sommersturmfluten. Zunehmend werden nun auch in der Brutsaison die Vorländer überspült und dadurch allzu oft die Brut der Bodenbrüter vernichtet.

Um solche Entwicklungen mitzubekommen und darauf aufmerksam zu machen, ist die Brutvogelkartierung jedes Jahr ein wichtiger Teil der Arbeit im Amrumer Naturzentrum. In den vielen Stunden, die draußen inmitten der Inselnatur verbracht wurden, konnten seit Mitte März ungefähr 10.000 Brutpaare von mehr als 20 verschiedenen Arten erfasst werden. So besteht ein guter Überblick über die Brutvogelwelt der Insel.

Im Rahmen des trilateralen Abkommens zwischen Deutschland, Dänemark und den Niederlanden werden die jeweils erfassten Zahlen im Wattenmeer zu den Brutvögeln zusammengespeist. Für 29 der 33 erfassten Brutvogelarten werden seit 1991 für das gesamte Wattenmeer die Tendenzen kalkuliert. Die Langzeit- und Kurzzeitdaten (die letzten zehn Jahre) können auf der Internetseite des Wattenmeer-Sekretariats im Brutvogelbericht „Trends oft Breeding Birds in the Wadden Sea“ eingesehen werden (http://www.waddensea-secretariat.org/news-and-service/news/15-17-07breeding-birds-still-at-risk).

Lukas Griem und Sarah Bauer für Amrum-News

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