Entwurf des Neubaus Haus des Gastes in Nebel überarbeitet …


Ansicht von der Wattseite

Im September letzten Jahres wurde das Ergebnis des Architektenwettbewerbs zur Neugestaltung des Haus des Gastes in Nebel präsentiert. In den darauffolgenden Monaten wurde das Projekt in einer Reihe von Informationsabenden der Nebeler Bevölkerung vorgestellt. Der Siegerentwurf von Daniel Zajsek/Gert Lübs ist als ein eingeschossiger Pavillon mit Flachdach ausgeführt.

„Uns hat überzeugt, dass das neue Gebäude nicht in Konkurrenz zur Kirche oder zum Ortskern mit den Reetdachhäusern steht,“ so Bürgermeister Cornelius Bendixen, „die Architektur ist kleinteilig, filigran und zurückhaltend, überzeugt aber gleichzeitig als eigenständiger Baukörper mit großer Identität. Die gewählten Materialien Holz und Glass sowie das begrünte Flachdach passen sich gut in das parkähnliche Grundstück ein“.

Besonders gefallen hat der Jury auch der Atrium- ähnliche, kreisrunde Saal im Zentrum des Gebäudes, der durch lamellenartige Wandelemente geöffnet und geschlossen werden kann, wodurch auch das angrenzende Café und der Leseraum profitieren. Zusammen mit der nach Osten und Westen vorgelagerten Terrassen ergeben sich vielfältige Veranstaltungsmöglichkeiten. Durch filigrane Stützen und viel Glas wirkt das Gebäude hell, offen und lichtdurchflutet.

In den Vorstellungsrunden für die Nebeler Bürger gab es oftmals kritische Anmerkungen zu dem modernen Entwurf, doch je mehr man sich mit der Idee der Architekten auseinandersetzte, desto mehr Gefallen fand der Entwurf. Der bewusste Kontrast zu den reetgedeckten Häusern im Nebeler Ortskern und der benachbarten Kirche und insbesondere auch die funktionale Innenraumgestaltung mit dem Atrium- ähnlichen, kreisrunden Saal im Zentrum des Gebäudes, konnten überzeugen.

„Uns war es wichtig, ein möglichst umfangreiches Feedback über den Entwurf zu bekommen,“ so Bürgermeister Bendixen, „und so wurden in den vergangenen Monaten einige Details nochmals überarbeitet und nachjustiert.“ Der gesamte Fußabdruck des Gebäudes wurde auf 800 qm reduziert, was etwa 350 qm mehr als das heutige Gebäude ist.

Aufteilung der Räume

Gegenüber dem ehemals rechteckigen Grundriss ist der Wohnbereich und die Künstlergradrobe im nördlichen Bereich nun im rechten Winkel angesetzt. Dadurch wirkt das Gebäude nicht mehr so groß. Das aufgesetzte Flachdach im Hauptbereich des Gebäudes lockert die ehemals sehr flach anmutende Architektur nun etwas auf. Sowohl auf der Wattseite als auch auf der Parkseite entstehen großzügige Terrassen, die sich durch Treppen an das nach Norden abfallende Gelände aufbauen. Durch die großen Glasbereiche in der Mitte des Hauses wirkt das Gebäude zur Watt- und zur Parkseite sehr offen und lichtdurchflutet. Man kann durch das Haus hindurchschauen.

Der Innenraum wird durch den atriumähnlichen Veranstaltungsraum mit etwa 100 Sitzplätzen dominiert. Größe und Lichteinfall kann durch die flexiblen Wandelemente variiert werden. Die Bibliothek und das Café haben direkten Zugang zur Ostterrasse, die Räume der Kinderbetreuung liegt im südlichen Bereich mit Verbindung zum Spielplatz. Veranstaltungen sind sowohl auf der Watt- wie auch auf der Parkseite möglich.

Die Außenfassade wird neben vielen Glas- und Holzelementen durch langformatige, strukturierte Klinker verkleidet, die die flache und langgestreckte Bauweise weiter betonen. Im Innenraum werden helle Farben dominieren, um den leichten, lichtdurchflutenden Charakter zu unterstützen.

Einbettung des Neubaus im Park

„Der parkähnliche Charakter des gesamten Grundstückes soll auf jeden Fall erhalten bleiben, man wird versuchen wo immer möglich alle größeren Bäume zu erhalten,“ so Cornelius Bendixen

Die Gesamtinvestition wird eine Größenordnung von etwa 5,0 Mio. Euro haben.

„Wir möchten den nun weitgehend optimierten Entwurf nochmals unserer Gemeinde vorstellen,“ so Bürgermeister Bendixen, „es ist uns wichtig, dass wir das Gefühl haben, dass auch die Nebeler Bürger überzeugt von dem Konzept sind. Wir werden nochmals abschließende Vorstellungsabende einplanen und dann zeitnah in einer der nächsten Gemeinderatssitzung über eine finale Bauentscheidung abstimmen“.

Der überarbeitete Entwurf kann im Haus des Gastes eingesehen werden und sowohl Bürgermeister Bendixen als auch die Nebeler Gemeinderatsmitglieder stehen gern für weitere Fragen zur Verfügung.


Kinka Tadsen und Peter Lückel hatten die Möglichkeit ein Interview mit Bürgermeister Cornelius Bendixen zu diesem Thema zu machen:

 

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Über Ralf Hoffmann

Ralf Hoffmann wurde 1955 in Schleswig geboren und zog mit seinen Eltern und Geschwistern 1962 nach Amrum. Nach dem Abitur in Niebüll studierte Ralf Luft und Raumfahrttechnik in Berlin. Die ersten 6 Berufsjahre verbrachte er als Entwicklungsingenieur bei VW und danach wechselte er als Aerodynamischer Entwicklungsingenieur zu Ford nach Köln. Als Leiter der Aerodynamischen Entwicklung für Ford Europa und die letzten 15 Jahre als Manager Aerodynamik und Motor- und Komponentenkühlung war er weltweit verantwortlich und viel unterwegs, um die jeweiligen Prototypen unter Hitze und Kälte zu testen. Nach all den Jahren auf dem Festland sind Ralf und seine Frau Karin nun wieder nach Amrum zurückgekehrt.

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2 comments

  1. Nebel entfaltet seinen Charme mit reetgedeckten Häusern, verwunschenen Gassen und markanten historischen Bauwerken. Cafés, Restaurants und kleine Läden tragen zur heimeligen Atmosphäre bei. …… So liest es sich im Internet.
    In der Ansicht von der Wattseite wird die Neugestaltung des Haus des Gastes als Solitär dargestellt, die harmonische Einbettung des Gebäudes von der Wattseite in das mehr als harmonische Bild der reetgedeckten Häuser ist offensichtlich sehr bewusst aus dem Panorama ausgeblendet worden.

    Die Charmebeschreibung des Ortes ist sicherlich ein Ergebnis der Ortsgestaltungsatzung der Gemeinde Nebel. Die Väter dieser Satzung hatten eine Blickrichtung, die im Ergebnis für alle und insbesondere für den Ort selbst sich positiv entwickelt hat. Eine Ortsgestaltungssatzung ist ein legitimes und brauchbares Mittel, um ein weitgehend einheitliches Ortsbild zu bewahren und gestalterische Auswüchse zu verhindern.

    Es mag dahingestellt sein, dass ein jeder mit der Satzung seine Problemstellung hat, oder ob die Satzung für die Neugestaltung bestand hat oder nicht.

    Es ist aus der Ferne nicht nachvollziehbar, warum der Gemeinderat in Nebel sich jetzt gegen jegliche Vernunft die allgemein bestehenden und erfolgreichen Vorschriften außer Kraft setzen will.

    Sicherlich ist die Neugestaltung des Haus des Gastes an modernen Ansprüchen auszurichten, entsprechend der Gastronomen, die innerhalb der Ortsgestaltung jeweils ihren Betreib nach modernen Ansprüchen ausrichten.
    Oder soll nun die Neugestaltung das Fanal einer modern ausgerichteten Ortsgestaltungssatzung sein?

    Der gigantische Fußabdruck der Neugestaltung auf dem parkähnlichen Gelände, das man dem Café-Betreiber mit der Gewerbeanmeldung gleich dem Insolvenzantrag mitgeben muss – der Gemeinderat wird sicherlich eine Vollkostenanalyse des Betriebs vorgenommen haben, oder sind versteckte Subventionen für den Betreiber berücksichtig? Bekommen dann alle anderen Gastronomen die gleichen Subventionen?
    Nur einigen Fragen, deren Beantwortung man unter dem Deckmantel des Unverständnisses legen muss.

    Nebel entfaltet seinen Charme mit reetgedeckten Häusern, verwunschenen Gassen …. Ergänzt wird dieses Ensemble durch einen futuristischen Neubau mit filigran Stützen, mit viel Glas… mit Artium-ähnlichen kreisrunden Saal… ,

    Ich kann leider dafür kein Verständnis finden.
    Carl Lorenzen

  2. Es tut mir leid – für Nebel und die Einwohner. Aber rein persönlich finde ich das dieser Entwurf nicht viel anders ist und immer noch nicht paßt. Das (Simulierte) Bild wirkt wie absichtlich auf Retro-futuristisch getrimmt und im ganzen Erinnert es mich auch an so was. Als man Gebäude so Designte wie man meinte das sie in der Zukunft sein würden (Brasilia? Stadt vom Reißbrett).
    Auf einer Weltausstellung nur kurios. Aber als Zentrales Gebäude für Nebel?

    Wenn das Absicht ist das dies Gebäude ein Fremdkörper ist und genau das Gegenteil von “Sich einfügen” dann, meinetwegen. Aber ich wage zu bezweifeln ob das in 10 oder 20 Jahren immer noch gut ankommt – oder ob es das jetzt schon nicht tut. War es denn unmöglich ein Klassischeres Gebäude mit den gleichen Funktionen zu planen – oder gab es einfach keine Vorschläge dazu? Lag das eventuell auch an den Vorgaben (z.B. Behindertengerecht = Teurer Fahrstuhl oder Rampen) das man nicht weiter in die Höhe dachte? Wenn ich da nichts überlas sollte man so was vielleicht auch mal kommunizieren. Wer kennt sich schon aus mit Kommunalen Sachzwängen.

    K.Martinen (Nicht aus Nebel) 🙂

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