Kritische Stimmen von Teilen des Nebeler Bürgerblocks zum Neubau Haus des Gastes in Nebel …


er geplante Neubau Haus des Gastes, Quelle: Architekt Daniel Zajšek

Der Vorsitzende des Nebeler Bürgerblocks, Hark Gereke, hatte zu einer internen, nichtöffentlichen Sitzung eingeladen, um mit einigen Mitgliedern des Nebeler Bürgerblocks sowie geladenen Gästen mit dem Nebeler Bürgermeister Cornelius Bendixen über die Neugestaltung des Haus des Gastes zu diskutieren.

Am kommenden Donnerstag, den 24.6.2021 soll auf der Gemeinderatssitzung endgültig darüber entschieden werden, ob der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs umgesetzt werden soll. In zahlreichen Veranstaltungen hatte der Nebeler Gemeinderat interessierten Nebeler Bürgern erklärt, welche Kriterien dazu geführt haben, dass der Entwurf von Daniel Zajsek/Gert Lübs als ein eingeschossiger Pavillon mit Flachdach als Siegerentwurf ausgewählt wurde. Anfang des Jahres wurde dann nicht zuletzt aufgrund von Anregungen aus der Nebeler Bevölkerung ein leicht überarbeiteter Entwurf mit geringerer Grundfläche und einigen optischen Änderungen vorgestellt. Der Charakter des Siegerentwurfs eines offenes Flachdachgebäudes mit viel Glas bleibt erhalten.

Die Teilnehmer der Veranstaltung standen dem Siegerentwurf sehr kritisch gegenüber. Die nahezu einhellige Meinung war, dass ein Flachdachgebäude mit viel Glas und Stein nicht in das Ortsbild der Gemeinde Nebel passt.  Reetgedeckte Friesenhäuser machen den Charakter der Gemeinde Nebel aus. Eine restriktive Ortsgestaltungssatzung sorgt dafür, dass der Friesenstil der Häuser im Ortskern erhalten bleibt. „Das Gebäude passt nicht in die Landschaft,“ so der Kommentar von Jens Quedens, dem Vorsitzenden des Öömrang Ferian, „es könnte überall auf der Welt stehen.“ „Die Urlauber kommen nur nach Amrum wegen des Friesendorfs Nebel mit seinen reetgedeckten Häusern, „so der Vorsitzende des Bürgerblocks Hark Gereke, „wenn alles so aussieht wie in Wittdün, würde kein Urlauber mehr nach Amrum kommen.“

„Uns hat überzeugt, dass das neue Gebäude nicht in Konkurrenz zur Kirche oder zum Ortskern mit den Reetdachhäusern steht,“ so Bürgermeister Cornelius Bendixen, „die Architektur ist kleinteilig, filigran und zurückhaltend, überzeugt aber gleichzeitig als eigenständiger Baukörper mit großer Identität. Die gewählten Materialien Holz und Glass sowie das begrünte Flachdach passen sich gut in das parkähnliche Grundstück ein.“

Neben den stylistischen Gesichtspunkten wurde auch das Konzept eins Flachdaches hinsichtlich Wasserdichtigkeit in Frage gestellt. „Es gibt sicherlich auf Amrum einige Beispiele aus der Vergangenheit (Öömrang Skuul), bei dem es Probleme mit der Dichtigkeit gab. Das ist aber Technik von vor 40 Jahren. Wir haben dieses Thema mit Fachleuten besprochen, die heutige Technik ist da sehr viel weiter.  Ein begrüntes Dach mit einer Neigung von 2,5 % lässt sich auf jeden Fall zu 100% abdichten und die neuen Technologien sind auch sehr langlebig“ so Bürgermeister Bendixen.

Eine weitere Diskussion drehte sich um die Kosten. Hark Gereke hinterfragte, ob die Kosten korrekt ermittelt worden sind und ob an die Folgekosten gedacht worden ist. Wie Cornelius Bendixen berichtete, geht man von einem Baupreis von etwa 5,3 Mio Euro aus, dieses schließt schon den üblichen Inselzuschlag ein. Bei einer erwarteten Förderquote von mindestens 50 % sind als etwa 2,65 Mio Euro von der Gemeinde zu finanzieren. „Bau- und Folgekosten sind nicht zuletzt auch maßgebliche Kriterien gewesen, die zu diesem Entwurf geführt haben,“ so Cornelius Bendixen „ein Gebäude mit Reetdach dieser Größe währe viel teurer geworden und hätte erheblich höhere Folgekosten bedeutet“.

Auch das Konzept, eines Veranstaltungsraums für 99 Personen, ein Café und eine Wohnung für Angestellte wurde kritisch hinterfragt. Es wurden Zweifel geäußert, ob die Gemeinde Nebel so etwas überhaupt benötige und ob sich die Investition rechnet. „Gäste und Insulaner werden von einem neuen, sehr flexiblen und funktionalen neuen Haus des Gastes profitieren. Eine touristische Gemeinde benötigt ein Zentrum für den Urlauber und auch Einheimische werden von dem sehr flexiblen Veranstaltungskonzept profitieren. Solch ein Gebäude lässt sich nicht nach Kosten/Nutzen Kriterien beurteilen,“ so Cornelius Bendixen

„Für unsere Entscheidung, wie das neue Haus des Gastes aussehen soll, ist es uns auch wichtig kritische Stimmen zu hören „so Gemeindevertreterin Elke Dethlefsen „wir haben in den vergangenen Wochen auch viel positives Feedback erhalten.“

Kommentar des Autors

Die Gemeindevertretung hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Informationsveranstaltungen durchgeführt, um das Konzept des Siegerentwurfes der Gemeinde vorzustellen. Die fünf Gemeinderatsmitglieder des Nebeler Bürgerblocks haben alle Entscheidungen zum Neubau Haus des Gastes mitgetragen und waren komplett über alle Details informiert und stehen auch dazu. Daher stellt sich die Frage, warum der Vorsitzende des Nebeler Bürgerblocks Hark Gereke nun eine Woche vor der abschließenden Entscheidung eine Sitzung anberaumt und das gesamte Konzept in Frage stellt. Wenn einige Mitglieder des Nebeler Bürgerblock dem Konzept so kritisch gegenüberstehen, hätte man dann nicht schon vorher eigene Alternativen vorstellen müssen?

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Über Ralf Hoffmann

Ralf Hoffmann wurde 1955 in Schleswig geboren und zog mit seinen Eltern und Geschwistern 1962 nach Amrum. Nach dem Abitur in Niebüll studierte Ralf Luft und Raumfahrttechnik in Berlin. Die ersten 6 Berufsjahre verbrachte er als Entwicklungsingenieur bei VW und danach wechselte er als Aerodynamischer Entwicklungsingenieur zu Ford nach Köln. Als Leiter der Aerodynamischen Entwicklung für Ford Europa und die letzten 15 Jahre als Manager Aerodynamik und Motor- und Komponentenkühlung war er weltweit verantwortlich und viel unterwegs, um die jeweiligen Prototypen unter Hitze und Kälte zu testen. Nach all den Jahren auf dem Festland sind Ralf und seine Frau Karin nun wieder nach Amrum zurückgekehrt.

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15 comments

  1. Also meine Meinung ist das dieses Gebäude nicht zur schönen Insel Amrum passt . Da könnte man sich was schöneres vorstellen . Ich glaube das werdet ihr noch öfter zu hören bekommen . Also ich würde
    mich da nicht drin wohlfühlen

    Peter Schlechtriem

  2. Guten Tag! Wenn Tradition des Entscheidungskriterium ist, dann hätte man das alte Haus des Gastes sanieren müssen. Das hat Stil. Ein “Friesenhaus von heute”, also ein Friesenhaus in der benötigten Größe und Deckenhöhe wäre nur ein schlechtes Imitat alter Friesenhäuser, die Nebel ja – Gott sei Dank -reichlich besitzt.

  3. Herr Cornelius Bendixen als Bürgermeister der Gemeinde Nebel trug die Situation um den geplanten Neubau vor und erläuterte die nach seiner Meinung positiven Aspekte des Neubaus.

    In der ersten Reaktion wurde doch sehr deutlich von den Anwesenden als Antwort vorgetragen, dass es sich hier um ein sehr fremdwirkendes Gebäude im Ortsbild Nebel handelt.

    Auf den Immobilienwertverlust der mit sich mit dem fremdwirkenden Gebäude einhergeht, ging Herr Bendixen nicht ein.

    Wird eine Autobahn durch ein Gebiet geplant, verlieren viele Immobilien an Wert, viele gewinnen durch den besseren Anschluss. Diese Einzelschicksale können nicht Gegenstand der Planung sein.

    Keiner der Anwesenden stellte in Abrede, dass die Gemeinde bei der Planung und Ausschreibung Fehler gemacht hat.

    Festzuhalten ist die sehr klare und eindeutige Aussage von Herrn Bendixen, dass in der Kostenschätzung von ca. Mio. 5,3 € sämtliche Kosten inkl. Kostensteigerungen enthalten sind. Gleichzeitig wird mit einem Zuschuss von mindestens 50% gerechnet, d.h. die Kosten für die Gemeinde betragen maximal nach Abzug des Zuschusses ca. Mio. 2,65 €.

    Die Umsetzung des Bauvorhabens soll erst nach Vorliegen des Bescheides über den Zuschuss erfolgen, dies bestätige Herr Bendixen ausdrücklich.

    Die Beurteilung dieser Aussagen zum Bau mögen jeder für sich selber einschätzen, der schon einmal gebaut hat.

    Die Sinnhaftigkeit einer Hausmeisterwohnung in dem fremdwirkenden Gebäude mit den damit verbundenen horrenden Kosten ist kaum zu erkennen, der Bau des Cafés grenzt schon an Verschwendungssucht.

    Insgesamt musste ein jeder sich Fragen, ist denn die Kubatur des fremdwirkenden Gebäudes hinterfragt worden?

    Was ist falsch gelaufen? Den Sachverhalt ist bekannt. Jeder der ein Gericht kochen backen will, stellt die Zutaten hierfür zusammen und kauft danach ein, oder jemand anderes kauft ein nach einem Einkaufzettel. Der Kochende hat ein klares Bild und eine geschmackliche Vorstellung von dem Gericht. Die einzelnen Zutaten mögen variieren, verschiedene Buttersorten, frischer Thymian, abgepackter Thymian …etc. Aber das Gericht bleibt das gleiche Gericht.

    Die Gemeinde hat sich davon losgelöst und „wahllos“ Zutaten eingekauft bzw. einkaufen lassen und aus den Produkten ein Gericht gebastelt. Nun ist die Suppe versalzen und das Gericht wird als Gericht eines Starkochs Ferran Adria, der wohl bekannteste Vertreter der Molekulargastronomie vorgestellt. Er verwendet spezielle Utensilien wie Trockeneis oder Stickstoff, seine Gerichte garen in Vakuum oder in einem temperaturkontrollierten Wasserbad.

    Jedes Gemeindemitglied der Dorfgemeinde Nebel muss nun die versalzende Suppe auslöffeln und jahrelang mit den Molekulargerichten leben.

    Ich bevorzuge heute Labskaus, morgen voraussichtlich Scholle und am Wochenende gehe ich in einem Restaurant in Nebel essen. Ärgerlich ist nur, dass neben den Kosten für mein Essen die Kosten für die Molekulargastronomie hinzukommen.
    Guten Appetit
    Carl Lorenzen

    …….und in eigener Sache möchte ich allen mitteilen, dass der Blumengarten meiner Mutter weiterhin so gepflegt wird, wie bisher.

  4. 1.Kann ein Flachdach nach einigen Jahren teuer werden und
    2. was viel wichtiger ist es passt weder in die Landschaft noch überhaupt zu Amrum.
    3. bei der Wohnraumknappheit könnte da doch noch ein oder zwei Appartement für
    Amrumer drauf.

    IN NEBEL IST EIN REDDACH EINFACH PFLICHT.

    Da kann man nicht gedacht haben.

    Ursula Schinkel

  5. Gut, dass so ein Beschluss, der ja für Generationen das Ortsbild verändert, nochmals auf den Prüfstand gestellt wird. Und, Herr Hoffmann, ich bin überzeugt davon, dass es nicht nur das Recht eines demokratisch gewählten Politikers ist, sondern sogar seine Pflicht, Entscheidungen nochmals zu überdenken, wenn erhebliche Zweifel daran aufkommen.

    Und dass der überwiegende Teil der Amrumer Gäste den Entwurf ablehnt, hat ja die Diskussion nicht zuletzt in diesem Forum, aber auch auf Facebook deutlich gezeigt. In diesem Sinne: mehr Demokratie wagen, und auch mal den Mut haben, einen Fehler einzugestehen und zu korrigieren!
    Udo Lahm

  6. Ich habe mich sehr über kritische Gedanken zum Neubau des „Haus des Gastes“ gefreut und hoffe, die kritischen Stimmen finden doch noch Gehör. Ich kann nicht nachvollziehen, dass 5,3 Mio € in einen Neubau investiert werden können, aber mit dieser Summe das wunderschöne bestehende Gebäude nicht ausreichend saniert werden kann. Leider wurden entsprechende Kostenvergleiche auf Amrum-News nicht veröffentlicht.Warum wird einer dem augenblicklichen Zeitgeist entsprechenden Architektur der Vorzug gegeben, die überall gebaut werden könnte und dem Charme von Nebel in keiner Weise entspricht? Warum werden die vielen Stimmen der Gäste, für die dieses Haus ja ist, gar nicht gehört? Von der Vorgehensweise bin ich maßlos enttäuscht und sehr traurig, dass so ein schönes authentisches Gebäude nicht restauriert und erhalten wird. Schade, dass nicht für die Erhaltung gekämpft wird.

  7. Gud dai!

    Mein Unverständnis für den Entwurf des neuen “Haus des Gastes” habe ich schon kurz nach Veröffentlichung der Pläne bei Amrum-News kund getan. Hoffnung macht, dass es nun wohl doch vermehrt kritische Stimmen zu diesem 5,3 Mio.! teuren Projekt gibt. Sehr viele negative Meinungen kommen von Freunden und Gästen der Insel. Nachdem es ja, wie der Name schon sagt, ein Haus des Gastes sein soll, wäre es doch einigermaßen befremdlich, wenn diese ablehnenden Haltungen gänzlich ignoriert würden! Außerdem ist das derzeitige “Haus des Gastes” nicht irgendein Gebäude in Nebel, sondern ein Haus mit Geschichte! Geprägt durch den Sanitätsrat Dr. Johannes Ide, der das Haus als “Nordseesanatorium” errichtete und in seinen Schriften die Heilwirkung des Nordseeklimas bekannt machte. Nicht zuletzt Menschen wie diesen, ist der heutige Wohlstand der Insel durch den Fremdenverkehr zu verdanken!

    In Wittdün war man in den 60er und 70er Jahren auch von seinem Vorhaben überzeugt, als man -dem Zeitgeist nach- die “modernen” Gebäude errichtete, die heute als Bausünden gelten. Wie konnte man damals so etwas zulassen, hört man es immer wieder.

    Ich hoffe, es findet in letzter Minute noch ein Umdenken statt!

    Viele Grüße auf die Insel
    W.Göschel

  8. Unsere Gemeinderäte fragen natürlich sich zu Recht, warum die Kritik erst jetzt kommt. Die Pläne sind schließlich seit dem letzten Herbst bekannt. Das hat zwei Gründe:
    Es gab während der letzten Legislaturperiode schon einmal ganz konkrete Pläne, das Haus zu sanieren und zu erweitern. Nach den damalige Erfahrungen sind wir alle davon ausgegangen, dass auch diesmal nichts dabei herauskommt. Jetzt, wo es ernst wird, müssen wir uns zu Wort melden.
    Wegen Corona-Lockdown hatten wir es sowohl als Vermieter als auch als selbstständige Künstler mit einer existenzbedrohenden Krise zu tun. Für ein Engagement gegen die Baupläne war da kein Raum.

    Wir appellieren an unsere Gemeindevertreter, mutig zu sein und den Beschluss angesichts der massiven Kritik zu überdenken.

    Den vielen wohlbegründeten Kritikpunkten, die in der Diskussion sind, wollen wir noch Folgendes hinzufügen:

    Die AmrumTouristik bemüht sich mit grossem Engagement und Werbeetat darum, die Alleinstellungsmerkmale unserer Urlaubsinsel herauszuarbeiten. Ist es dann nicht ein „Eigentor“, ein traditionsreiches historisches Gebäude abzureissen und den Gästen ein Funktionsgebäude zu bauen, dass überall auf der Welt stehen könnte?

    Wer mit der Fähre nach Amrum kommt, sieht schon von weitem als Wahrzeichen neben der Kirche das weisse Haus des Gastes mit seinem roten Ziegeldach. Wenn schon über fünf Millionen Euro an öffentlichen Gelder ausgegeben werden sollen, möchten wir dafür auch weiterhin ein Gebäude sehen, auf das wir stolz sein können.

    Es wird für die Gemeinde in Zukunft nicht einfacher werden, die strengen Bestimmungen der Ortsgestaltungsordnung durchzusetzen, denken wir doch nur an unsere reetgedeckten Garagen oder Toilettenhäuschen.

    Birgitt und Rüdiger Sokollek, Nebel

  9. Für jeden Eigentümer und jede Bauherrin im Nebeler Ortskern gelten strenge Vorschriften zur Erhaltung des Ortsbildes und der gewachsenen Substanz. Auch wenn das unmittelbar angrenzende Grundstück des Hauses des Gastes davon ausgenommen ist, wäre es solidarisch, wenn gerade die Gemeinde da mitmachen würde. Die Verantwortlichen haben das Gebäude jahrelang nur notdürftig instandgehalten, den jetzigen Zustand also herbeigeführt, eine wesentliche Ursache der verfahrenen Situation.

    Anke Kaiser, Stoltenberag 4

  10. Unserer Meinung nach ist die Gemeinde Nebel dabei, einen großen Fehler zu begehen.

    Das alte Kurklinikgebäude ist unbedingt erhaltenswert und sollte keinesfalls abgerissen, sondern sorgfältig saniert und in seinen Originalzustand zurückversetzt sowie durch einen modernen Anbau ergänzt werden. Bautenschutz-Experten können die feuchten Fundamente sachgerecht trockenlegen und stabilisieren. Die alten Fensteraufteilungen sollten originalgetreu wieder hergestellt werden. Turm und Dach sollten mit allen Originalverzierungen wieder hergestellt werden. Unpassend eingefügte Materialien wie die Granitfliesen im Erdgeschoss sollten entfernt und durch originalgetreue Zementfliesen und Holzdielenböden ersetzt werden.

    Alle Anbauten aus späteren Jahrzehnten sollten entfernt und durch einen modernen Neubau ersetzt werden, der alle notwendigen Räume (Veranstaltungssaal, Sanitäranlagen, Touristikräume) enthält. Dies auf annähernd gleicher Grundfläche wie die vorhandenen Anbauten, um möglichst viel von der Parkanlage zu erhalten.
    Dafür sprechen folgende Gründe:

    Das Haus ist das einzige erhaltene Klinikgebäude, das auf die Geschichte Amrums als Seebad und Kurort vor 100 Jahren zurückgeht und diese erlebbar und anschaulich macht. Es verleiht dem Dorf historische Authentizität und schafft als ein Wahrzeichen des Ortes Nebel Identität. Es für spätere Generationen zu erhalten, ist große finanzielle und bauliche Anstrengungen wert.

    Der Turm am vor rund 100 Jahren erbauten Haus des Gastes war nach einem Artikel von Georg Quedens erst der Anlass dafür, einen Kirchturm an der St- Clemens-Kirche zu errichten. Denn durch seinen Turm war das Haus des Gastes höher als die Kirche, was als skandalös galt und so auf die Dauer nicht bleiben durfte.

    Das Haus liegt schön eingebettet an prominenter Stelle im Ort, zwischen Kirche und Wattenmeer in einem Kurpark, der mit seinen altehrwürdigen Bäumen so dicht am Watt eine besondere ökologische Kostbarkeit darstellt und dessen Bäume unter Naturschutz stehen.

    Der flache und sehr breite Neubau des Entwurfs würde viel zu viel Fläche des naturgeschützten Landes in der Umgebung verbrauchen und zerstören. Dass solch ein Vorhaben – mitten im Weltnaturerbe Wattenmeer – Aussicht auf Genehmigung durch die Naturschutzbehörde hat, ist nicht zu erwarten.

    Die Feriengäste kommen nicht nur wegen des Strandes, sondern auch wegen der schönen alten Häuser nach Nebel. Diese Häuser verschwinden aber zusehends, so dass der Ort in Gefahr ist, seine Attraktivität und sein unverwechselbares Gesicht (und somit auf lange Sicht auch die Gäste!) zu verlieren.

    Mit 5,3 Miollionen € kann man eine Menge erreichen – auch ein altehrwürdiges Gebäude liebevoll sanieren.
    Viele Feriengäste kennen und schätzen das ehrwürdige Gebäude. Sicher wären auch viele von ihnen bereit, für die fachgerechte Sanierung Geld zu spenden. (Z. B. Patenschaften für einzelne Eichendielen, Fenstersprossen…)

    Wie wäre es also mit einem Bürgerentscheid, bei dem auch Gäste abstimmen dürfen?

    Wer „von außen“ schaut, hat oft einen unbefangenen Blick.

    Anna Susanne und Jost Jahn, Nebel

  11. Ich möchte zu dem Artikel von Herrn Ralf Hofmann einiges erklären bzw. hinzufügen:

    In seinem Kommentar zur unserer Bürgerblocksitzung am 14.6.21 stellte er die Frage, weshalb der Vorsitzende des Bürgerblocks nicht schon vorher seine und andere ablehnende und kritische Fragen in einer Bürgerblocksitzung hätte klären können und nicht, erst eine Woche vor der Entscheidung des Gemeinderats. Dazu hatte ich wirklich ausführlich berichtet weshalb erst jetzt. U.a. habe ich gesagt, dass wegen Corona leider nicht anders ging. Ab dem 1.6.21 kam dann die Lockerung. Mit dem Bürgermeister hatte ich vereinbart, sobald wir vom Bürgerblock eine Sitzung abhalten können, bekäme ich Bescheid von ihm. Daraufhin von mir in der Sitzung angesprochen, bestätigte er dieses. Der früheste Termin war der 14.6.21, den wir dann auch gleich wahrgenommen haben. Soviel dazu. Abgesehen davon, wo ist unser dörfliches Leben in der “Coronazeit” gewesen. Auf einen Tiefpunkt! Meinungsaustausch konnte doch leider gar nicht funktionieren.
    Das die Architektur einzelner Gebäude von Wittdün nicht in den historischen Ortskern von Nebel passt, dazu stehe ich, auch nur das war gemeint und nicht das, was man da hininterpretiert.

    Georg Quedens – Naturschutzbeauftragter der Insel Amrum – kritischer Geist seit fast 60 Jahren auf Amrum, gerade auch gegenüber nicht inseltypischen Bauwerken und anderen Gegebenheiten, sagte u.a., „Private der Gemeinde Nebel müssen sich inselgerecht nach der Ortsgestaltung halten, nur die Gemeindevertretung will sich nicht daran halten und völlig unverständlich ein Gebäude bauen, das aussieht wie ein Flugzeughangar oder Tomatentreibhaus in Andalusien und das ins Friesendorf hinstellen“, weiter “unsere Bewohner werden in 20, 30 oder 40 Jahren sich fragen, welche Gemeindevertreter konnten doch bloß so ein Gebäude in unser schönes Nebel stellen.“
    Dieses fragen sich aber nicht nur die Teilnehmer der Sitzung sondern ein Großteil der Amrumer, denn, auch wie das Friesendorf Nebel gestaltet wird, es geht alle Amrumer an. Die überwiegende Meinung der Amrumer Gäste ist entsetzt über den Entwurf. Das geht nicht nur von Mund zu Mund sondern erscheint auch hundertfach in den Sozialmedien. Wir dürfen definitiv nicht vergessen, die Gäste sind unsere Klientel von denen wir leben, sie sind mit Ausschlaggebend, wie auch Nebel aussieht!
    Übrigens, als es um die veranschlagten Baukosten ging, kam die Antwort 3,9 Mio.Euro. Erst als Hark Gereke nachfragte und die Summe auf 6,3 Mio. Euro berichtigte, wurde diese Summe bestätigt, aber es wären aber nur 5,3 Mio. Euro netto. Abgesehen davon, wissen wir doch alle, bisher hat es noch nicht ein Bauvorhaben in Deutschlaand gegeben, bei dem Kosten der öffentlichen Hand nicht außer Rand und Band liefen. Auch auf Amrum gibt es Beispiele in Hülle und Fülle. Es ist ein Fass ohne Boden.

    Da nun mal die Geschmäcker eines Menschen Gott sei Dank verschieden sind, kann man vielleicht sagen, ich finde den Entwurf nicht schlecht, aber leider er passt nicht in unser historisches Friesendorf.

  12. Sehr schade, dass das alte Haus des Gastes überhaupt abgerissen wird. Gegen einen Neubau ist grundsätzlich nichts einzuwenden, aber als ich diesen Entwurf gesehen habe, war ich doch ziemlich geschockt. Das neue Gebäude passt 0 in den Kurpark, geschweige denn in die schöne Landschaft drumherum. Neuerungen wurden bisher doch immer so behutsam und liebevoll gestaltet. Die neuen Fähren z.B. finde ich super, genauso wie die digitalen Infotafeln in Wittdün oder auch den “neuen” Kiosk an der Vogelkoje. Es wurde nach meinem Empfinden immer darauf geachtet, dass sich Neues harmonisch in Altbekanntes und -geliebtes einfügt, aber so eine Bausünde würde ich überall vermuten, nur nicht auf Amrum. Ich denke ich spreche für viele, dass die meisten Urlauber auch nach Amrum fahren, weil es hier noch beschaulich zugeht und eben NICHT alles auf Teufel komm raus modernisiert wird. Aber irgendwie vermittelt mir das Gebäude den Gedanken, “mitziehen” zu müssen, “moderner” zu werden und genau das hat Amrum nicht nötig, weil genau das macht seinen Charme aus… und genau deshalb kommen wir seit 24 Jahren immer wieder.

    Lisa K., Nürnberger Land

  13. Welche Rolle spielte die Ortsgestaltungssatzung, auf die ja großer Wert gelegt wird, denn eigentlich bei der Planung? Es ist schon irritierend, welche Anforderungen an private Bauherren gestellt werden (Reetdachpflicht etc.) und von der Gemeinde wird dann ein komplett kontroverser Vorschlag gemacht. Passt nicht wirklich.
    Ole Diedrichsen

  14. Jetzt mal ein ganz anderer Gedanke:
    Nicht nur dass das Gebäude meiner Meinung nach, wie ich schon einmal schrieb, potthässlich ist und nicht wirklich nach Amrum passt, Flachdächer hier nicht taugen, stelle ich mir die Frage,
    wer dann, sollte das Gebäude so gebaut werden, laufend die ganzen Glasflächen putzen soll? Bei unserem Klima, bei Wind und Wetter mit Salz und Sand im Gepäck, von innen laufend irgendwelche Fingerabdrücke, kann man wohl getrost eine Dauerputzstelle einrichten. …. Sehr unpraktisch und bestimmt bald unansehnlich!
    Ich möchte sie nicht putzen müssen!

    Gruß
    Gyde Thonfeld

  15. Christiane Junge

    Baut es nicht. Ich schrieb hier schon einmal – es ist und bleibt (auch in der überarbeiteten Version) eine Flachdach-Hässlichkeit und wird ein Schandfleck für viele, viele Generationen mitten in Nebel werden.
    Ich kenne niemanden, der diese Entwürfe umgesetzt sehen möchte.
    Diese Ausschreibung hat nicht funktioniert, und das sollte man sich einfach eingestehen.

    Christiane Junge
    Norddorf / Amrum

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