Archäologische Untersuchung auf Amrum …


Graben mit viel Motivation …

Vom 5. bis 16. Juli war Amrum erneut Ziel eines Teams des Archäologischen Landesamtes Schles­wig-Holstein (ALSH). Nachdem von Mitte April bis Anfang Mai in Norddorf schon eine stein-/bronze­zeitliche Grabanlage untersucht und dokumentiert wurde, hat ein Team des ALSH unter Leitung der zuständigen Dezernentin Dr. Stefanie Klooß jetzt die im Februar 2020 und Juli 2020 begonnene Ausgrabung einer etwa 2000 Jahre alten Siedlung fortgesetzt.

Angefangen wurde mit der Abtragen einer kleinen Düne, die im Juli des letzten Jahres die Fort­setzung der Grabung verhindert hatte. Darunter lag die Erweiterung des beeindruckenden Stein­pflasters mit einer gepflasterten Zuflussrinne zu einem in das Pflaster eingelassenen Becken von ca. 1 m Ø und knapp 1 m Tiefe. Leider hat die Entdeckung dieser Zuflussrinne noch nicht das Rätsel um die Funktion dieser Grube gelöst. Westlich davon befinden sich Spuren von Pfostenlöchern, die wegen der zeitlichen Begrenzung in dieser Grabungsperiode nicht näher untersucht werden konnten.

Zu einer Sensation weitete sich allerdings die Untersuchung einer kleinen Pflasterung mit faust­großen Steinen aus, die schon im letzten Jahr in einiger Entfernung am Dünenrand sichtbar war. Die Freilegung dieses Pflasters führte zur Entdeckung eines weiteren, größeren Wohn-/Stallhauses, von dem ein Mistgang teilweise freigelegt werden konnte und mehrere Feuerstellen von einem dazu­gehörigen und möglicherweise einem weiteren Haus, das offensichtlich schon damals einem Feuer zum Opfer gefallen war.

Große Flächen von gebranntem, verziegeltem Lehm, durchsetzt mit viel Holzkohle, sind ein deutliches Zeichen für diese These. Da die damaligen Bewohner das oder die abgebrannten Gebäude offensichtlich durchsucht und alle noch brauchbaren Gegenstände von der Unglücksstelle entfernt hatten, wurde neben kaputten Tonscherben nur wenig Keramik vorgefunden. Ein Topf hatte aber eine sehr schöne Verzierung. Ein besonderes Highlight war ein etwa 50 cm langes Holzstück, das unter einer Kleischicht offensichtlich 2000 Jahre überdauert hatte, obwohl organisches Material normalerweise nur so lange erhalten bleibt, wenn es im Wasser konserviert wurde.

Die Grabung wurde durch zahlreiche Zeichnungen, Fotos, Luftbilder und Meßdaten dokumentiert und für weitere Analysen festgehalten. Außerdem wurden Bodenproben für Pollenanalysen und Altersbestimmung entnommen.

Diese Grabungskampagne im Juli 2021 hat nur wenige Fragen aus dem Jahr 2020 aufgelöst, aber viele neue Fragen aufgeworfen. Die Archäologen sind wieder begeistert von dem guten Erhal­tungszustand der Siedlung unter den Amrumer Dünen, den sie so bei ähnlichen Fundstellen auf dem Festland nicht vorfinden, weil die Befunde meistens durch überpflügen zerstört wurden. Sie sind nach zwei Grabungskampagnen auf Amrum sehr an einer Fortsetzung der Grabung im kommenden Jahr interessiert. Auch wir hoffen auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr, da es in dem Dünental noch viele Fragen zu lösen gibt.

Besonders lobenswert ist die Motivation der Archäologen, die 2020 und 2021 teilweise ihren Urlaub für die Teilnahme an dieser Grabung geopfert haben.

Den ehrenamtlichen Helfern und Helfershelfern von der Insel danken wir für ihre Unterstützung und der Firma Maus-Bau für die geliehenen Gerüstbretter, dem Kiosk an der Vogelkoje für die täglichen Kaffee­rationen, Freddy Flor mit dem Friesenhof Kapitän C. Bendixen für das Entgegen­kommen bei der Unterbringung des Teams, Leif Quedens für die Veranstaltungsplakate, dem Öömrang Ferian für die Errichtung und Über­wachung der Einzäunung.

 

Jens Quedens

Vertrauensmann des Archäologischen

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