Föhrer und Amrumer Naturschutzvereine gegen Müll in der Nordsee …


Bild 1:

Anlässlich der weltweiten Müllsammelaktionen “World Cleanup Day” und “International Coastal Cleanup Day” am 18. September starteten der BUND auf Föhr und der Verein Jordsand, die Schutzstation Wattenmeer und das Naturzentrum des Öömrang Ferian i.f. auf Amrum zeitgleich eine Müllsammelaktion, um für das Thema Müll in den Meeren zu sensibilisieren. Die Naturschutzvereine und einzelne Strandgänger, die sich teils spontan anschlossen, sammelten an den Stränden Müll ein und erhoben in einem Meldebogen des NABUs die Art des Mülls.

Die blaue Tonne wurde auf dem Kniepsand gefunden und gleich als Müllsammelbehälter für Spritze, Scherbe und co verwendet.

Ob die Spritze an der Amrumer Odde, das niederländische Glas mit getrocknetem Schnittlauch am Norddorfer Strand oder die vielen kleinen Plastikteilchen, die Auswertung der Müll-Meldebögen zeigt ein breites Spektrum an Fundstücken. Von den Naturschutzvereinen nicht ganz unerwartet bestand von den 661 Müllfunden auf dem Amrumer Kniep ein wesentlicher Teil, etwa 45 Prozent, aus Plastik unterschiedlichster Herkunft. Zählt man die Plastikfunde aus dem Bereich Fischerei noch hinzu, liegt das Ergebnis bei über 70 Prozent. Bei einer Studie des Nationalparkamtes handelte es sich bei 59 Prozent der gefundenen Müllteile im Spülsaum an der Nordseeküste um Plastik und/oder Styropor. Die genaue Herkunft der Müllfunde im Spülsaum lässt sich oft nicht mehr eindeutig zuordnen. Anders sieht dies aus im Fall von zum Beispiel Dolly Ropes. Die Plastikschnüre werden in der Grundschleppnetzfischerei eingesetzt. Der Verschleiß dieser Schnüre ist immens. Nach Schätzungen von Greenpeace reißen rund 25 Prozent der Dolly Ropes ab und landen im Meer, bevor sie an Bord oder an Land erneuert werden. 31 Prozent aller von den Amrumer Naturschutzvereinen gefundener Müllteile stammten aus dem Bereich Fischerei, dabei handelte es sich fast ausschließlich um abgerissene Dolly Ropes. Die tückischen Schnüre sind den Naturschutzvereinen auf Amrum und Föhr nicht fremd. Leider werden immer wieder Tiere aufgefunden, die sich in den Plastikschnüren verfangen haben und durch diese verendet sind. Das Umweltbundesamt führt die Schifffahrt und Fischerei als wichtigste Eintragswege marinen Mülls in die Gewässer der deutschen Nordsee auf.  Auch bei dem im Naturzentrum auf Amrum ausgestellten Pottwal wurde Müll im Magen gefunden sowie auch bei allen weiteren untersuchten Tieren des Pottwal-Strandungsereignisses in der Nordsee 2016. Bei 75 % der Müllteile in ihren Mägen handelte es sich um Fischereimüll, darunter ein 14 Meter langes Fischernetz. Des Weiteren wurde zum Beispiel eine Kaffeekapsel und eine Schokoriegelverpackung in den Mägen der großen Säugetiere gefunden.

Ein Blick in die Sammeltasche.

Die Kommission für den Schutz und Erhalt des Nordatlantiks OSPAR fasste bereits 1995 die Ergebnisse eines Arbeitstreffens in Stockholm wie folgt zusammen:  600.000 m3  Müll befinden sich schätzungsweise auf und im Meeresboden der Nordsee. Etwa 200.000 Tonnen Abfall werden jährlich in die Nordsee eingetragen, wovon 15 Prozent im Wasser, 70 Prozent auf dem Meeresboden und 15 Prozent an den Stränden verbleiben. Diese Zahlen sind nun bereits 27 Jahre alt. Folgestudien der OSPAR haben keine Besserung, sondern einen weiteren Anstieg der Müllbelastung in der Nordsee zum Ergebnis. Derzeit weisen Strände in der OSPAR Region eine durchschnittliche Anzahl von 712 Müllteilen pro 100 Meter Küstenlinie auf. Während der Aktion anlässlich des International Coastal Cleanup Days und des World Cleanup Days am Samstag konnten am Amrumer Kniep glücklicherweise „nur“  zehn bis zwanzig Müllteile pro 100 m Küstenlinie gefunden und eingesammelt werden. Die Müllfunde wurden im Anschluss der Aktion auf den Internetseiten www.worldcleanupday.de und www.gewaesserretter.de gemeldet. Informationen gibt es außerdem auf www.spuelsaummonitoring-foehr.de.

Eine kleine Veranschauung der 661 Müllfunde auf dem Amrumer Kniep nach Art des Mülls in Prozent.

Was kann getan werden, um das Problem Müll in der Nordsee bei den Wurzeln zu packen? Der BUND auf Föhr hat bereits 2016 das regionale Modellprojekt „Plastikfrei wird Trend“ gestartet. Das Projekt macht sich an der Küste Schleswig-Holsteins für die Vermeidung von Plastikmüll im Meer und für die Etablierung von plastikfreien Alternativen stark. Die Vermeidung von Einmalmaterial und die Einführung kreislauffähiger Produkte liegen dem BUND dabei besonders am Herzen. In einem interdisziplinären Netzwerk aus den Bereichen Fischerei, Einzelhandel, Naturschutz, Bildung, Tourismus und Materialentwicklung sollen in einer Reihe von Einzelprojekten Lösungen gefunden und in den Alltag integriert werden. Zunächst modellhaft direkt vor Ort, um die erprobten Lösungen später landesweit übertragen zu können. Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite www.plastikfrei-wird-trend.de. Weitere Informationen auf Amrum über die Meeresmüllproblematik gibt es außerdem in der Posterausstellung „Nach der Ebbe kommt die Plastikflut“ im Maritur über dem Naturzentrum.

 

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Über Lotte von Komorski

Lotte von Komorski wurde 1988 in Heidelberg geboren und wuchs später in der Lüneburger Heide auf. Nach dem Bachelorstudium der Forstwirtschaft in Göttingen absolvierte sie noch ihren Master in Wildtierökologie und Wildtiermanagement in Wien. Nach vielen praktischen Erfahrungen in der Wildtierforschung und ersten Berufserfahrungen in der Naturschutzarbeit in Osteuropa zog es sie Ende 2018 aus Frankfurt am Main nach Amrum, um hier das Naturzentrum zu leiten.

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