Nicht zu glauben und doch wahr – Den Amrumern darf ihre Sprache nicht genommen werden …


Der Öömrang Gin heißt jetzt „Oomram“
@ Peter Totzauer

Ein Raunen der Empörung ging über die Insel, als die Berichte vom NDR und dem Inselboten eintrafen. Ein amerikanisches Weingut habe sich den Namen „Öömrang” schützen lassen. Damit verbunden bekam Stefan Klindtberg eine Abmahnung wegen der Benennung seines Gin, eine seiner drei Sorten heißt „Öömrang“. 2017 hat er den Vertrieb seiner alkoholischen Getränke „Ferring (inzwischen Föhring)”, „Sölring” und „Öömrang” begonnen. Über Rechtsanwälte konnte jetzt eine Einigung mit dem amerikanischen Weingut erreicht werden. Seine Amrumer Gin-Sorte heißt nun „Oomram” (Amrum auf Friesisch). „Mir geht es gar nicht mehr um den Namen. Es ist das Prinzip. Es sollte nicht möglich sein, sich dies schützen zu lassen. Es ist unsere Kultur. Ein Friese läßt sich nicht kaufen”, betont er mit fester Stimme und weist darauf hin, dass sich das Weingut in Amerika den Namen erst 2021, also Jahre nachdem er den „Öömrang Gin” auf den Markt gebracht hat, habe schützen lassen. Überall auf der kleinen Insel findet man Namen mit dem geschützten Begriff „Öömrang“: Öömrang Skuul, Ual Öömrang Wirtshüs, Öömrang Ferian, Öömrang Dansskööl, Öömrang Teooterskööl und auch in der Amrumer Hymne heisst es „Dü min tüs, min öömrang lun!”

Die Öömrang Skuul: Hier gehen alle Mädchen und Jungen von der 1. bis zur 10. Klasse zur Schule

Die Patentur bezieht sich bis jetzt nur auf Spirituosen, doch wie könnte es weiter gehen? „Wir möchten nicht, dass irgend jemand das Wort exklusiv für sich beanspruchen darf. Es ist unsere Identität, unsere eigenständige Sprache. Wir wollen nicht auf eine Schnapsmarke reduziert werden”, erklärt der Vorsitzende des Öömrang Ferian Jens Quedens, der noch auf außenstehende Unterstützung und Solidarität anderer Friesenvereine hofft. „Es kann jedem von uns so gehen. Es geht hier doch generell um die Kultur der Friesen: Auch wenn wir eine Minderheitensprache sind, sollten für uns die gleichen Rechte gelten. Schließlich können in Deutschland keine geografischen Begriffe geschützt werden, wieso sollte es für Öömrang dann anders sein?”

Er habe nichts dagegen, dass dieses Weingut beansprucht, seinen Wein zu nennen, wie es eh keiner in Amerika aussprechen kann, denn ein Ö gibt es ja gar nicht im englischen Alphabet, doch sie sollten von dem Patent auf diesen Begriff zurücktreten.“

Das Öömrang Hüs: Es wurde 1992 vom Öömrang Ferian übernommen und spiegelt die Kultur, Tradition und Sprache der Insel wider.

Auch für Frank Timpe von der Amrum Touristik ist dieses Thema unverständlich: „Ich habe so etwas nicht für möglich gehalten.” Auch er ist der Meinung, dass gesetzte Ortsnamen in vergleichbaren Kausalzusammenhängen nicht geschützt werden können.

Die Insulaner hielten die Nachricht für einen „schlechten Scherz”. „Wie kann jemand, der vermutlich noch nie hier war, dies für sich beanspruchen. Die Öömrangen, das sind wir, die hier leben. Nur weil vor 1929 ihr Vater hier gearbeitet hat, fühlt sie sich mit diesem Namen so eng verbunden, dass sie ihn uns nehmen möchte?!“ „Es ist unfassbar”, stimmt eine Insulanerin ihrer Freundin in der Diskussion zu.

Stefan Klindtberg hat sich zum Schutz seiner Gin-Sorten jetzt erst einmal die Markennamen „Oomram“ und “Sölring” rechtlich schützen lassen, räumt jedoch direkt ein, dass er diesen Schutz sofort aufheben lassen würde, wenn eine kollektive Nutzung rechtlich geklärt ist. Wir werden weiter berichten, denn wie heißt es „Leewer duad üs slaaw!”

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Über Kinka Tadsen

Kinka Tadsen erblickte 1972 in Hamburg das Licht der Welt. Aufgewachsen ist sie dann auf Amrum. Abitur hat sie auf Föhr gemacht und sich für eine Fotografenlehre in Bad Oldesloe entschieden. Fotografen- und Lebenserfahrung hat sie in der großen weiten Welt auf diversen Kreuzfahrtschiffen als Bordfotografin gesammelt. 2003 folgte dann die Rückkehr nach Amrum. Seit 2008 gehört sie als freie Journalistin zum Amrum-News Team.

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2 comments

  1. Wenn sich ein amerikanisches Weingut sich den Namen „Öömrang” schützen lässt, dann ist das nichts anderes als eine niveaulose, unverschämte Frechheit.

    Walter Axmann

  2. Kurios, Kurios. Heute scheint alles möglich zu sein. Nach Abzug aller Namen für Orte, Gegenden und Gemeinschaften frage ich mich unwillkürlich wie viele Worte dann noch als Schützbarer Begriff übrig blieben. Nach welcher Rechtsordnung und in welchem Raum. Es müssen viele sein sonst würde das viel häufiger passieren oder?
    Im Artikel wird übrigens nur in einem Zitat von irgend jemand gesprochen. Wäre es da nicht sinnvoll gewesen für jene die davon bisher nichts hörten einen Link zu setzen, z.b. auf den NDR-Artikel (1) oder zumindest das Ehepaar Stöcklein zu erwähnen? Es Würde mich mal interessieren ob diese in den USA dann auch regelmäßig Friesisch sprechen – und welchen Dialekt davon? Einer meiner Onkel konnte es – in den USA lebend. Seine Kinder aber nicht, so weit ich erinnere. K.M.

    (1) https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/US-Weingut-sichert-sich-Markenrecht-fuer-Amrumer-Friesisch,amrum466.html

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