Jahreshautversammlung des Öömrang Ferian i.F. – neue Mitglieder gesucht …


Begrüßung. Der Vorstand – v.li.: Kinka Tadsen, Jens Quedens und Christian Engels. Foto: Gerd Arnold

Der 1.Vorsitzende des Öömrang Ferian i.F. (ÖF) Jens Quedens (seit der Gründung 1974 im Amt!) konnte auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung rund 30 Zuhörer*innen im Tagungsraum des Norddorfer Seeheim begrüßen.

Die Versammlung wurde zu Beginn traditionell auf Friesisch (öömrang) geführt, doch da unter den Anwesenden einige dabei waren die diese Sprache nicht verstehen wurde auf Hochdeutsch fortgesetzt.

Als erstes sprach der Vorsitzende Dank an alle Mitwirkenden im Öömrang Ferian aus, ein besonderes Dankeschön richtete er an seine Vorgänger im Öömrang Hüs, an Helga und Jan Ruempler. Die beiden haben seit der Übernahme im Jahre 2005 mit viel Engagement die Betreuung des Öömrang Hüs geleitet. Einige Highlights: Durch Initiative von Jan Ruempler wurde das „Höske“ gebaut und konnte 2011 bezogen werden. 2012 erfolgte die Installation einer neuen umweltfreundlichen Heizung. 2016 kam hinter einer Vertäfelung eine alte Fliesenwand zum Vorschein, diese wurde freigelegt und saniert, die Fugen der Südfassade wurden erneuert und der Fußboden in der „Köögem“ neu verlegt. Im Oktober 2021 erfolgte die Übergabe an Kerstin und Jens Quedens.

Auch Ralf Hoffmann bekam Dankesworte für seine ehrenamtliche Arbeit rund um das Naturzentrum in Norddorf, insbesondere bei der Übergabe der Leitung. Die zwei festangestellten Mitarbeiterinnen hatten beide kurzfristig gekündigt und somit mussten die Positionen neu besetzt werden, was durch die Unterstützung von Ralf bereits vollzogen wurde.

Es folgte der Jahresbericht des Vorsitzenden, er berichtete über viel Wirbel am Anfang des Jahres. Ein US-Weingut in Stanwood (nördlich von Seattle) hatte sich 2021 das Markenrecht „Öömrang“ auf Wein und Spirituosen international gesichert. Kurz nach der Eintragung flatterte beim Amrumer Stefan Klindtberg bereits eine Mahnung ins Haus. Seit 2017 vertreibt er seinen eigenen Gin unter den Namen „Öömrang Gin“, dass durfte er fortan nicht mehr. Eine Strafzahlung wurde fällig und er musste den Namen für seinen Gin ändern, heute trägt er den Namen „Oomram“ (Amrum News berichtete).

Jens Quedens berichtete, dass der Öömrang Ferian einen Patentrechtsanwalt aus München eingeschaltet hat um die „geschützte Marke“ wieder löschen zu lassen. Das Verfahren läuft immer noch und inzwischen hat sich auch der Minderheitenbeauftragte des Ministerpräsidenten Schleswig-Holstein, Johannes Callsen (CDU), eingeschaltet.

Quedens fuhr in seinem Jahresbericht mit der Grabung in Norddorf fort und es wurde ein kurzer Film darüber gezeigt. Im Vorfeld für ein Bauvorhaben im „Taft“ wurde im April/Mai 2021 der bekannte Grabhügel „Naiarhuuch“ von Archäologen des Landesamtes Schleswig-Holstein ausgegraben. In dem gut erhaltenen Grabhügel wurden unter anderem Bernsteinperlen (Kette), Flintteile (Feuerstein), Keramikreste, eine Sichelklinge und ein menschlicher Backenzahn gefunden. Das älteste Grab dürfte 5.000 Jahre alt sein.

Über 100 Bodendenkmäler sind auf Amrum eingetragen. Die Grabhügel Düüwdääl, Esenhugh, Ual Hööw und Katterhugh/Tanenwai wurden von überflüssigem Bewuchs befreit und bekamen neue Beschilderungen. Der Zugang zur Steinkammer Ual Hööw in Steenodde wurde wieder zugänglich gemacht.

Hinter der Vogelkoje Nebel wurde in einem Dünental von den Archäologen eine ca. 2.000 Jahre alte Siedlung freigelegt.

Website – Vorstellung der neuen Internetpräsenz von Webmaster David Sedlacec.

Die Homepage des ÖF (www.oeoemrang-ferian.de) erhält ein neues Aussehen und ist derzeit in der Umgestaltung. Webmaster David Sedlacek stellte die neue Website vor und berichtete über den Stand und die weitere Gestaltung.

Naturzentrum-Maritur – Der neue Eingang zu den Ausstellungsräumen.

Das Naturzentrum Norddorf wurde von 2018 bis 2022 von Charlotte von Komorski geleitet, das Team wurde ergänzt durch je zwei Mitarbeiter*innen im Freiwilligen Ökologischen Jahr bzw. im Ökologischen Bundesfreiwilligendienst und zeitweise einem Praktikanten. Es wurden 285 naturkundliche Führungen angeboten an denen 9.884 Besucher teilnahmen.

Auf 15,6 ha Heidefläche wurde das Gehölz entfernt und die Beweidung mit Schafen durchgeführt.

Zu den Aufgaben der Naturschützer gehörten auch der Amphibienschutz, das Brutbestandsmonitoring und die Rastvogelerfassung, sowie die Vogelzählung und das Kegelrobbenmonitoring.

Im Frühjahr 2022 wurde die Wattwerkstatt in der Jugendherberge Wittdün eröffnet, Leiterin ist dort Anna-Carina Dellwing.

Hier wird unter fachkundiger Anleitung von Mitarbeitern des Öömrang Ferian die Natur des Wattenmeeres detailliert erklärt und auch auf die Umweltbelastung der Meere hingewiesen.

Seit dem Sommer 2022 ist das Team im Naturzentrum wieder komplett. Anna Kienitz ist die Leiterin, vertreten wird sie von Anna-Carina Dellwing. Unterstützung erhalten sie derzeit durch die Freiwilligen Lauritz, Silja, Silko, Johanna und einem Praktikanten.

Bevor es an die Veränderungen im Öömrang Hüs ging, dankte der Vorsitzende noch einmal die ehrenamtliche Arbeit von Helga und Jan Ruempler.

Der Silberschmuck der Friesentracht ist nun sicher in einer Truhe mit Glasplatte untergebracht. Im hinteren Ausstellungszimmer ist nun eine Vitrine mit Glastüren und Beleuchtung eingebracht worden (vorher war hier ein Einbauschrank). Darin befinden sich Strandfunde, eine Walbarte, Knochen und andere Fundsachen. Seit neuestem auch das Modell der stählernen Viermastbark „Kurt“ (vorher im Käälerrüm).

Die Besucherzahlen waren in den ersten Corana-Jahren rückläufig, doch inzwischen haben sie sich erholt und so konnten bereits in den ersten zehn Monaten diesen Jahres 8.771 Besucher im Öömrang Hüs von den Ehrenamtlichen durch die Geschichte des Hauses geführt werden. Das sind schon jetzt 3.333 Besucher mehr als 2021.

Das Öömrang Hüs ist weiterhin geöffnet. Von Montag bis Samstag, jeweils von 11 bis 13.30 Uhr (außer an Feiertagen).

Kassenwart Christian Engels präsentierte anhand grafischer Darstellungen seinen Jahresbericht. Zuletzt musste eine größere Investition für eine Mitarbeiterwohnung im Naturzentrum bewältigt werden. Dem Kassenwart wurde eine solide ordnungsgemäß geführte Kasse durch die Kassenprüfer*in bestätigt.

“Alte” Dokumente aus dem Öömrang Archif. Foto:Kinka Tadsen

Archivar Jens Jessen präsentiere eine Reihe von Dokumenten, die größtenteils von Amrumer*innen hinterlassen wurden. Er erzählte vom Erdbuch des König Waldemar II. und auch über andere dänische Könige in Verbindung mit Amrum und anderen Inseln. Von ihm selbst gedruckte Bücher, wie z.B. über Volkszählungen auf Amrum, Gerichtsprotokolle von damals und Asterix auf friesisch.

Er berichtete auch von der Hinterlassenschaft von Wilma Blechenberg (1934-2021).

Wilma war eine große „unbekannte“ Persönlichkeit auf Amrum, sie hat über ein halbes Jahrhundert die Inselgeschichte erforscht, große Stammtafeln von Insulanern erstellt und alles akkurat archiviert. Es wäre doch schön, wenn ihr Lebenswerk der Insel Amrum – z.B. im Öömrang Archif – erhalten bleibt und für die regionale Forschung „weiterlebt“.

Es folgte die einstimmige Entlastung des Vorstandes.

Unter dem Punkt Satzungsänderung gab es zwei §§-Änderungen. Im § 11 fällt in Zukunft das Vermögen des ÖF bei einer Auflösung oder Aufhebung an die Ferring Stiftung und in § 14 heißt es nun: Versammlungssprache und der Schriftverkehr sollen möglichst in friesisch sein.

Bei den Wahlen stellte sich Leif Quedens als 2.Kassenprüfer zur Verfügung. Für den zurückgetretenen Schriftführer Bernhard Tadsen hatte die 2.Vorsitzende Kinka Tadsen den Posten bereits übernommen und führt diesen weiter. Zum 2. Vorsitzenden wurde Gerald Schmiedecke gewählt. Seit zwei Jahren wohnt er auf der Insel und betätigt sich als einer der Ehrenamtlichen die durch das Öömrang Hüs führen. Auch für den Öffentlichkeitsausschuss fanden sich schnell Freiwillige zusammen, es sind Astrid Thomas-Niemann, Leif Quedens, David Sedlacek und Daniel Alonso-Gonzales.

Es folgte ein ca. 20-minütiger Jubiläumsfilm von Regisseurin Janina Harder über 50-Jahre Naturschutzgebiet Amrumer Dünen. Dieser soll nach der Wiederinstandsetzung des Maritur-Kino im Naturzentrum Norddorf gezeigt werden.

Verleihung Bundesverdienstkreuz – v.li.: Jens Quedens und Ministerpräsident Daniel Günther. Foto: Leif Quedens

Als Beitrag unter Verschiedenes meldete sich Ralf Hoffman mit einer Präsentation, die Jens Quedens mit dem Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein Daniel Günther anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am 13. September im Landeshaus Kiel zeigte. Der anschließende Applaus der Anwesenden zeigte das Jens diese Auszeichnung verdient hat.

Der Öömrang Ferian hilft den Kommunen und der Amrum-Touristik mit über 600 kostenfreien Veranstaltungen im Naturzentrum und einem kostenfreien ganzjährigen kulturellem Angebot im Öömrang Hüs und im Maritur.

Der Öömrang Ferian braucht dafür nötig Unterstützung und Hilfe!

Finanzielle Unterstützung für die vielfältige Vereinsarbeit und ehrenamtliche Helfer für die zahlreichen Veranstaltungen werden benötigt.

Der Öömrang Ferian würde sich auf neue Mitglieder die den Verein im Rahmen ihrer Möglichkeiten durch Ideen, aktiver Hilfe oder finanziell unterstützen wollen freuen.

Mitglied im Öömrang Ferian können alle Amrumer und Freunde Amrums werden. Die Vollmitgliedschaft können alle natürliche Personen mit Hauptwohnsitz auf Amrum oder Herkunft von der Insel Amrum erlangen. Förderndes Mitglied kann jede natürliche oder juristische Person werden, dieses Mitglied hat kein Stimmrecht!

Den Aufnahmeantrag gibt es beim Vorsitzenden und auch bald auf der neu gestalteten Website des Öömrang Ferian i.F..

Mit diesem Aufruf beendete der 1. Vorsitzende Jens Quedens nach drei Stunden die Versammlung.

Diese Jahreshauptversammlung zeigte was der Öömrang Ferian alles auf der Insel gemacht hat und in wie vielen Bereichen er aktiv tätig ist. Zur Bewältigung der vielseitigen Aufgaben wirbt der Verein um neue Mitglieder.

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Über Gerd Arnold

Gerd Arnold, 1957 in Nebel auf Amrum geboren. Ein „echter“ Amrumer mit der friesischen Sprache (öömrang) aufgewachsen. Bis 1972 die Schule in Nebel besucht, danach Elektroinstallateur in Wittdün gelernt. 1976/77 in Wuppertal den Realschulabschluss nachgeholt. Ab Oktober 1977 als Berufssoldat bei der Bundesluftwaffe und seit November 2010 Pensionär. Nach vielen Jahren der verzweifelten Suche nach passenden „bezahlbaren“ Wohnraum auf Amrum endlich fündig geworden, seit Februar 2022 wieder ständig auf Amrum. 2019 ins Team der Amrum News integriert, aber das soll neben dem Angeln nicht die einzige Aktivität auf der Insel bleiben.

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One comment

  1. Hallo,
    zu dem Nachlass der 2021 verstorbenen Wilma Blechenberg kann ich offiziell verkünden, dass Reinhard Jannen von der Ferring Stiftung Alkersum das Archiv fachmännisch digitalisieren und archivieren wird.
    Es wird einige Zeit in Anspruch nehmen, da das Lebenswerk von Wilma äußerst Umfangreich ist und viel mühevoller Kleinarbeit bedarf.
    In Alkersum wird der Nachlass dann später der Nachwelt zur Verfügung stehen, damit Ihre wertvolle Arbeit nicht umsonst gewesen sein soll und auf den Inseln erhalten bleibt.
    Liebe Grüße
    Karen Loff

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