Ein Nachmittag voller Friesischer Geschichten …


Antje Arsten vom Friis Instituut im Gespräch mit dem NDR

Wie lebendig die Friesische Sprache in der heutigen Zeit noch ist, und es nicht immer nur um alte verstaubte Historie geht, wenn friesisch gesprochen wird, zeigt der Erzählwettbewerb „Fertel iinjsen“. 2001 haben das Nordfriisk Instituut und NDR 1 Welle Nord dieses sprachlich wichtige Ereignis ins Leben gerufen.

Erst jährlich, dann jedes zweite Jahr sind Menschen aufgerufen, ihre Geschichte zu dem jeweiligen Thema zu erzählen, natürlich auf friesisch. Knapp 50 Einsendungen waren jetzt dabei in vier verschiedenen nordfriesischen Dialekten: frasch, sölring, halunder, fering/öömrang. Zu dem Thema „Lätj et hood ai hinge“ (Lass den Kopf nicht hängen) wurden von der Jury sechs Geschichten ausgewählt, die im bekannt/historischen Andersen Hüs in Klockries vorgelesen wurden, nicht von den Autoren selbst, sondern von „Geschichten-Paten“. Betont, stimmungsvoll und mitfühlend waren die Geschichten unterschiedlich, einige fiktiv andere aus dem Leben gegriffen: mal lustig, mal nachdenklich, mal traurig. “Es hat sehr viel Spaß gemacht dabei zu sein, auch wenn man nicht unter den Gewinnergeschichten ist.

Jedes Mal ist es ja eine Überraschung und den Publikumsgewinner gibt es ja auch noch, der wird direkt an diesem Nachmittag von den Zuhörern gewählt“, erzählte eine Autorin, die schon zum 10. Mal mitgeschrieben hat.

Kim Sanders überzeugte mit ihrer Geschichte freute sich über den zweiten Platz

In diesem Jahr überzeugte eine Geschichte die Jury und das Publikum gleichermaßen. Platz 1 ging an Schülerin Anni Christiansen mit ihrer berührenden Geschichte „En leewent lung“ (Ein Leben lang). Ein Thema aus dem Leben gegriffen, oft verdrängt und beängstigend: Alzheimer- eine Krankheit, die alles verändert. Aus dem Blickwinkel des erkrankten Mannes, gezeichnet durch sein Vergessen, verliebt er sich in eine Frau, die ihm auf Anhieb gefällt und ihn in seinen Bann zieht; es ist seine eigene Frau, die er nur nicht mehr erkennt. Ruhe im Saal, alle Zuschauer fühlten mit dieser Tragik, betroffen und doch begeistert mit welchen Worten Anni Christiansen diesen Moment der Begegnung beschrieb. Ihr Lehrer Erk Roeloffs nahm stellvertretend den Preisscheck von 500 Euro entgegen, da sie selbst nicht vor Ort war. Platz zwei ging an Kim Sanders, Gesche Roeloffs dritter Platz, Wilko Lücht auf dem vierten Platz und der fünfte Platz ging an Tönnis Riewerts, vor Antje Tadsen, die auf Platz sechs kam.

Claas Riecken vom Friis Instituut stellt das Buch vom Erzählwettbewerb vor

Nicht alle Autoren sind auch Muttersprachler Friesisch, einige haben erst durch einen Friesisch Kurs in diese Nordfriesische Sprache hineinschnuppern können, wie zum Beispiel Kim Sanders. Fünfunddreißig der knapp 50 Geschichten sind vom Nordfriisk Instituut in einem Buch zusammengefasst worden (dort auch erhältlich) und können hier nachgelesen werden. NDR-Moderatorin Karin Haug leitete das Publikum auf Friesisch/Deutsch durch das Programm und Sängerin Martje Johannsen, begleitet von Christoph Hansen mit Gitarre/Klavier, unterhielten das Publikum mit friesischen Liedern musikalisch.

Die Gewinner und ihre Vorleser, links aussen Föhr Touristik Jochen Gemeinhardt, rechts aussen Frank Timpe Amrum Touristik

Ein großer Dank wurde vor allem der Amrum Touristik und Föhr Touristik ausgesprochen, die diesen Erzählwettbewerb als Sponsoren unterstützen und von Frank Timpe und Jochen Gemeinhardt vertreten waren. „Wir freuen uns sehr, dass auch in diesem Jahr wieder fünf Amrumer Geschichten dabei waren und mit Antje Tadsen auch eine Gewinnerin (6. Platz) gekürt werden konnte. Das Friesisch liegt uns sehr am Herzen und wir freuen uns, den Wettbewerb seit einigen Jahren mit unterstützen zu können“, erzählt Frank Timpe, Amrum Touristik. Wer interessiert ist, die sechs Geschichten noch einmal zu hören, wie sie an diesem Nachmittag von Maike Ohlsen, Güde Boysen, Antje Arfsten, Thore Johannsen, Christian Dahl und Ellin Nickelsen vorgetragen wurden, der kann dies am 30.11. im Radio auf NDR 1 Welle Nord von 20:00-21:00 Uhr tun.

 

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Über Kinka Tadsen

Kinka Tadsen erblickte 1972 in Hamburg das Licht der Welt. Aufgewachsen ist sie dann auf Amrum. Abitur hat sie auf Föhr gemacht und sich für eine Fotografenlehre in Bad Oldesloe entschieden. Fotografen- und Lebenserfahrung hat sie in der großen weiten Welt auf diversen Kreuzfahrtschiffen als Bordfotografin gesammelt. 2003 folgte dann die Rückkehr nach Amrum. Seit 2008 gehört sie als freie Journalistin zum Amrum-News Team.

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