Nicht nur gut, sondern richtig geil – Crazy Horst endlich wieder in der Maus …


Wie lange ist’s schon her? Drei Jahre? So war es im Vorfeld zu hören, und das war auch der Grund, warum Crazy Horst am Dienstag zwei Minuten vor ihrer üblichen Maus-Anfangszeit

von 21:07 Uhr loslegten. Georg Himmelblau (Gesang, Gitarre, Banjo, Harp) und Doc Olliday (Gesang, Drums) hatten genug vom Warten, und voll war es sowieso längst. Etwa 100 Leute drängelten sich am Tresen vorbei zu den besten Plätzen, und die waren dieses Mal vor der Bühne auf dem Boden kniend oder im Schneidersitz mit einem kalten Maus-Bier in der Hand.

Schon nach wenigen Takten war klar: der Sound ist toll, das neue Schlagzeug von Olli mit Pancake-Drum (ein plattes Ding, das nach nichts aussieht, aber ordentlich Kawumm hat),und die Bühnenpräsens von Georg Himmelblau – damit kann man einen ganzen Laden in Laune versetzen. Die erste Hälfte des Abends machte einfach Spass. „Die sind ja richtig gut!“, raunte mir meine Sitznachbarin, eine Neu-Amrumerin, zu.

Was aus der Leere der Corona-Jahre entstehen kann, zeigte sich dann in der zweiten Hälfte, in der die Songs melancholischer wurden. In dem selbstkomponierten „Bahnhof Niebüll“ sang Georg Himmelblau: „Der Bahnhof liegt am Ort, als wollte er verreisen. Mäuse tanzen mit dem Dreck zwischen den Gleisen“. Und wenn die Menge nur einen Song später begeistert singt: „Ich hab Uran im Urin, da hilft kein Aspirin“, ist klar: Das muss Liebe sein. Nicht wenige waren absolut textsicher, und der Zwischenruf „Nirwana !“ Ging im Applaus gnadenlos unter.

Bei dem wirklich sehr schönen Liebeslied „Irgendwann Regen“ wurde es ungewohnt leise.  Aber Schmuddelkinder sind Crazy Horst trotzdem geblieben. Nach der Vorwarnung, jetzt den Minderjährigen die Ohren zuzuhalten oder gleich etwas erklären zu müssen, sangen sie mit Hingabe von einer sexuellen Praktik, die dem Publikum – auch älteren Damen! – ein wissendes Grinsen ins Gesicht trieb.

Georg Himmelblaus sprachliche Kunst zeigte sich beim Stranglers-Cover von Golden Brown, in dem er es schaffte, ein Gedicht von Hans Magnus Enzensberger, einen Scheisshaufen, sowie die Präsidenten Biden und Putin unterzubringen. „Die sind nicht nur gut, die sind ja richtig geil“, flüsterte meine Nachbarin, jetzt nur noch einen Zehner vom Fans T – Shirt entfernt. Und spätestens bei „Die Frikadelle“, einer Hymne an das Ekelfleisch in Anlehnung an Schuberts Forelle, war klar: Doc Olliday ist nicht nur eins mit seinem Schlagzeug, sondern er kann auch singen – und wie. Frikadellen rührt man danach allerdings erstmal nicht mehr an. 

Am Ende  natürlich Zugaben und noch mehr Zugaben und dann ein schon fast typisches, angenehm bescheidenes Ende. „Ja, wir hören dann mal auf“, sagt Georg Himmelblau, und dann stehen sie noch einen Moment ohne Ton auf der kleinen Maus Bühne, erschöpft und selbst ein bisschen erstaunt, beim ersten Anlauf nach den dunklen Jahren einen so tollen Abend abgeliefert zu haben.

Weitere Konzerte am 22.08. in der Blauen Maus, Wittdün, und am 23.08. an der Kombüse Norddorf.

Sybille Hasenclever für Amrum-News

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