Seltener, “Kurgast” auf Amrum …


Während der 60 Jahre, die wir nun schon auf Amrum heimisch sind, hatten wir schon manch erwünschte und unerwünschte, besondere Gäste in Haus und Garten.
Insbesondere Wespen scheinen unser Grundstück – leider – zu lieben. So entdeckten wir in diesem Sommer wieder einmal ein Wespennest, dieses Mal ein Erdnest, im Vorgarten gebaut direkt vor unserem nach Osten gelegenen Schlafzimmer unter einem großen chinesischen Wacholder. Natürlich recherchierten wir erst mal, ob Erdwespen gefährlich sind und ob sie eine eigene Art sind. Nein, es handelt sich um die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) und die Deutsche Wespe (Vespula germanica), die man umgangssprachlich als Erdwespen bezeichnet, wenn sie ihre Nester in der Erde bauen. Nun gut, im Prinzip waren sie ja auch friedlich.

Zur Sicherheit, damit im tiefen Gras niemand hineintritt, wurde das Nest mit Schalen der pazifischen Auster umlegt. Und so blieb es auc 6 Wochen lang unverändert, bis mein Cousin Anfang September zu Besuch kam. Am Morgen nach seiner Ankunft waren die Muscheln in der Gegend verstreut und das Loch, ursprünglich ca. 5 cm im Durchmesser, auf ca 15 cm erweitert. “Habt ihr Dachse oder Marder auf Amrum?” fragte der Jäger Ludi. Die Nachfrage bei Georg Quedens ergab: gibt’s nicht auf Amrum. Aber dass es Ratten sein könnten oder ein Hund, passte eigentlich auch nicht. Etwas beunruhigt war ich dann doch.

Zwei Tage später kam die Auflösung: ein Wespenbussart hatte wohl auf dem Durchzug das Nest entdeckt. Tagelang tat er sich gütig. Zuerst wurde das Loch erweitert und die oben liegenden Waben herausgeholt und mit dem Fang festgehalten. Anschließend wurde mit dem Schnabel aus jeder Wabe die Larve herausgeholt und verspeist. Vom Haus aus konnte man durch das Fenster alles gut beobachten und mit dem Handy fotografieren, ohne dass sich der
Vogel allzusehr gestört fühlte. Wenn es zu viel Bewegung gab, zog er es aber doch vor, die Waben zu einem ruhigeren, unbeobachteten Ort mitzunehmen.

Nach zwei Tagen war der obere Teil des Nests leer geplündert und er machte sich über die tiefer liegenden Waben her. Dafür musste er wieder graben. Eigentlich staunt man, dass Greifvögel in der Lage sind, zu graben. Aber der Wespenbussart hat fleischige Krallen, die speziell dafür geeignet sind.

Und so erweiterte er das Loch und… tauchte ab, bis nur noch die Enden seiner Flügeldecken zu sehen blieben. Leider hatten sich unsere Wespen inzwischen immer tiefer in die Erde gegraben. So gab er, vermutlich weil er sonst gar nicht mehr aus dem Loch gekommen wäre, nach ca. einer Woche auf, im Gegensatz zu den Wespen. Die bauen nun leider immer noch weiter, inzwischen in ca. 40 cm Tiefe.

Fotos: Ludi Neiss und Brigitte Arndt-Uhlrich

Brigitte Arndt-Uhlich für Amrum-News

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