Achtung Schlaglöcher ! – Ein Erfahrungsbericht …


Alle Amrumer Autofahrer haben es bemerkt: Um den Jahreswechsel herum sind auf Amrums Straßen deutliche Frostschäden in Form von Schlaglöchern aufgetreten. Das war ja bislang eigentlich eine bekannte jährliche Erscheinung in der kalten Jahreszeit. Diesmal waren jedoch an mehreren Stellen  z. T. fußballgroße Krater auch an nicht gerade ungefährlichen Stellen zu verzeichnen.

Im Bereich der L 215 zwischen Wittdün und Norddorf  (Inselstraße in Wittdün, Sanghugwai-Strunwai-Waasterstigh in Nebel, Lunstruat in Norddorf), haben diese massiven Frostschäden den Autoverkehr behindert. Insbesondere im Bereich „Blaue Maus“, in der Leuchtturmkurve, sowie in Norddorf im Bereich Abzweig Nei Stich, sind diese Schäden in Form von „Schlaglöchern“ zu verzeichnen gewesen.

Riesenlöcher in der Leuchtturmkurve …

Vor allem in der Leuchtturmkurve haben sich oft gefährliche Situationen ergeben, wenn die Autofahrer versuchten um die Löcher herum zu fahren und dabei im Slalomkurs auf die schlecht einsehbare Gegenfahrbahn oder auf das Bankett gerieten. Und vor Norddorf glich die Fahrbahn eher einem riesigen Waschbrett als einer Fahrbahnstrecke.

Schlaglochpiste kurz vor Norddorf …

Allen war klar, dass über die Feiertage und/oder zwischen „den Tagen“ hier keine Reparaturmaßnahmen zu erwarten waren. Als dann die erste Januarwoche verstrichen war, die Löcher immer größer und tiefer wurden und noch immer niemand den sonst üblichen Asphalt in die beschädigten Fahrbahnen kippte, beschloss der Chefredakteur von Amrum News einen Artikel über die Misere veröffentlichen zu wollen und ich erklärte mich bereit mich der Sache anzunehmen.

Am Dienstagmorgen, kurz nach Sonnenaufgang und in klirrender Kälte, machte ich mich auf den Weg um Besorgungen zu machen und während der Fahrt über die L 215 gelang es mir auch die schlimmsten Stellen fotografisch zu dokumentieren.

Beim Einkaufen traf ich den Wittdüner Bürgermeister und sprach in auf den Missstand an. Ihm war das Problem bekannt und er erklärte mir, dass die zuständige Straßenmeisterei eigentlich schon seit Längerem informiert sei. Es würden immer Arbeiter von Föhr kommen und er wollte da noch mal anrufen. Ich schaute auf meiner Rückfahrt beim Amt in Nebel vorbei, nur um mir bestätigen zu lassen, dass die Amrumer Gemeinden keinerlei Befugnis haben sich an die Instandsetzung der Straßenschäden zu begeben, da sich diese Schäden ja auf einer Landesstraße („L 215“) befänden. Ich telefonierte mit dem Ordnungsamt auf Föhr, wobei mir freundlicherweise die Telefonnummer der auch für Amrum zuständigen Straßenmeisterei in Bredstedt mitgeteilt wurde. Ich rief den dortigen Betriebsleiter an, der erstaunlicherweise prompt ans Telefon ging und berichtete ihn von den „massiven Straßenschäden“. Er erzählte mir, dass er gerade aus dem Urlaub zurückgekommen war, aber von den Schlaglöchern wüsste, wollte aber nicht von „massiv“ sprechen. Zudem hätte die Straßenmeisterei ja keine Mitarbeiter auf Amrum, wohl aber auf Föhr.  Diese müssten ja immer „extra“ rüberkommen. Ich bot ihm an Fotos von den Schäden zu schicken und teilte ihm mit, dass ich Redaktionsmitglied der Onlinezeitung Amrum News sei und bat um Auskunft darüber, wann mit der Reparatur der Schäden zu rechnen sei und ob nicht, wie ja in Nordorf bereits seit längerem vorhanden, weitere Warnschilder aufgestellt werden müssten. Daraufhin sagte er, dass er mir keine Auskünfte geben dürfe, ich möchte mich doch bitte an die Pressestelle des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein („LBV“) wenden und gab mir eine Telefonnummer. Natürlich rief ich dort an und wurde freundlich aufgefordert meine Fragen schriftlich via Email einzureichen, was ich auch prompt tat, eigentlich ohne damit zu rechnen zufriedenstellende Antworten zu erhalten.

Schlagloch im Bereich Blaue Maus

Abends machte ich mich daran einen Artikel für Amrum News zum Thema Schlaglöcher auf Amrum zu schreiben und gestaltete ihn soweit, dass nur noch die Angaben der Pressestelle hätten eingebaut werden müssen.

Am Mittwochvormittag musste ich schon wieder nach Wittdün fahren, um beim Installateur meines Vertrauens einen neue Abschlussdichtung für unsere Duschkabinentür zu besorgen. Auf der Rückfahrt nach Nebel kam es mir komisch vor, dass ich gar keine Löcher mehr in der Fahrbahn bemerkte, was mir im Nachhinein betrachtet auch schon auf der Hinfahrt aufgefallen war. Zuhause angekommen kehrte ich um und fuhr die gesamte L 215 nochmals ab. Und tatsächlich: Alle größeren Schlaglöcher waren „zugestopft“. Nur am Ortseingang Norddorf bestand weiterhin die Buckelpiste. Ich rief den Wittdüner Bürgermeister an und fragte ihn, wie er denn dieses Wunder hat zustande kommen lassen. Er lachte und meinte, dass er unmittelbar nach unserem gestrigen Gespräch „auf Föhr“ angerufen habe. Mit dem Mittagsschiff sei dann eine Arbeiterkolonne gekommen, die die Schäden provisorisch beseitigt hätten. Ob das so geplant gewesen sei, oder ob sein Anruf das bewerkstelligt hätte, könne er nicht sagen. Egal, dachte ich, Hauptsache es ist etwas geschehen. Auch wenn entweder das Reparaturgut nur bis Nebel gereicht hat, oder die Zeit bis zur Rückfahrt mit der Fähre knapp geworden war, immerhin ist ein Großteil abgearbeitet worden.

Mein Artikel für Amrum News war nun so gar nicht mehr aktuell, ich wollte meinen „Arbeitsaufwand“ jedoch nicht umsonst betrieben haben, und so entschloss ich mich hier diesen „Erfahrungsbericht“ zu verfassen:

Die gröbsten Löcher sind gestopft

Da es sich bei der L 215 um eine Landesstraße handelt, sind hier weder die Gemeinden der Insel Amrum, noch das Amt Föhr-Amrum oder der Kreis Nordfriesland zuständig, sondern der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein („LBV.SH“), wobei der Straßenmeisterei in Bredstedt auch der Bereich „Amrum“ zufällt.

Schlaglöcher sind für gewöhnlich Frostschäden, die dadurch entstehen, dass zunächst Wasser durch eine defekte Oberfläche ins Innere des Straßenbelags eindringt. Es bildet sich zunächst eine blasenförmige Aufwölbung. Bei Frost vergrößert sich dann das Volumen des Wassers bei Eisbildung deutlich und hinterlässt dann beim nächsten Auftauen des Eises einen Hohlraum. Wiederholen sich diese Temperaturwechsel werden dann unter der Belastung durch den Straßenverkehr Teile des Belags regelrecht abgesprengt, es entstehen die besagten Schlaglöcher. Werden die Schäden nicht frühzeitig beseitigt, vergrößern sich die Löcher durch den weitern Straßenverkehr stetig, da mit jedem Darüberfahren weitere Teile der Ränder abbrechen. Häufig wird als Sofortmaßnahme ein sogenannter Kaltasphalt aufgebracht, wobei es sich hier jedoch um keine langfristige Lösung handelt, da sich trotz dieses Kaltasphaltes die Löcher im Laufe der Zeit weiter vergrößern können, und dann auch die unteren Schichten des Straßenbelags in Mitleidenschaft gezogen werden. Dann muss der Straßenbelag großflächig saniert werden.

Interessanterweise gibt es Bereich der L 215 Streckenabschnitte, an denen es so gut wie keine Frostschäden gibt, so z. B. zwischen Ortsausgang Nebel/Westerheide bis kurz vor Norddorf. Und auch die Landesstrasse L 282 von Süddorf nach Steenodde ist nur wenig betroffen. Nach Stenodde fahren keine Busse und auch nur selten Schwerlastverkehr, hier wird die Belastung der Fahrbahn wohl deutlich geringer sein. Aber warum zwischen Nebel und Norddorf kaum Schlaglöcher auftreten bleibt mir rätselhaft, zumal ja gerade vor dem Ortseingang in Höhe Abzweig Nei Stich wieder  deutliche Schäden zu verzeichnen sind, und das auch noch über eine längere Strecke. Vielleicht weil hier die „Amrumer Schnellfahrstrecke“ endet und vermehrt abgebremst wird?

Freudig überrascht war ich dann auch am Mittwochnachmittag, als ich von der Pressestelle des LBV.SH ausführliche Antworten auf meine Fragen bekam, die ich niemandem vorenthalten will:

Müssen nicht Warnschilder aufgestellt werden?

„Im Bereich der L 215 in Höhe Gemeindeweg Neistich stehen bereits die Verkehrszeichen Vz 101 „Achtung“ mit dem Zusatzzeichen „Straßenschäden“ sowie Vz 274-70 „zulässige Höchstgeschwindigkeit 79 km/h“. Höhe Leuchtturmkurve besteht aufgrund der Kurvenlage eine dauerhafte Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h. Zusätzlich werden in der nächsten Woche Verkehrszeichen Vz 101 „Achtung“ mit dem Zusatzzeichen „Straßenschäden“ aufgestellt.“

Die Straßenmeisterei ist wohl informiert, wann kann mit der Beseitigung der Schäden gerechnet werden?

„Der LBV.SH hat diese Woche auf der Insel Amrum 16 Eimer Kaltgutgemisch eingebaut, um die schlimmsten Schäden zu beseitigen. Angesichts der Tiefe der Schlaglöcher ist die Haltbarkeit des Kaltmischguts begrenzt. Im Rahmen der wöchentlichen Streckenkontrolle durch den LBV.SH werden die Fahrbahnschäden daher kontinuierlich in Stand gesetzt.“

Mittlerweile gleicht die Straße ja einem Flickenteppich. Ist eine Komplettsanierung mit Neuanlage der Straßendecke geplant, wenn ja, wann ist das zu erwarten?

„Eine Komplettsanierung ist mittelfristig nicht vorgesehen. Angesichts einer über Jahrzehnte andauernden Unterfinanzierung der Erhaltung der Landstraßeninfrastruktur hat sich dort ein immenser Erhaltungsstau gebildet. Seit 2018 wurde die Mittelausstattung massiv aufgestockt. Trotz Rekordinvestitionen müssen aber Prioritäten gesetzt werden. Dies ist zuletzt durch die Landesregierung in 2023 mit Fortschreibung der Landesstraßenstrategie erfolgt, dabei konnte eine Sanierung der L 215 auf Amrum leider noch nicht im Erhaltungsprogramm bis 2027 berücksichtigt werden.“

Jetzt wissen wir es. Die Schäden sind da, werden wöchentlich kontrolliert, werden wiederkommen und werden immer wieder provisorisch behoben werden. Einen neuen Straßenbelag gibt es nicht, dafür ist kein Geld da. Und ob sich das jemals ändern wird bleibt fraglich …….

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Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay.,hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. Seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ arbeitet. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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