70 Jahre Posaunenchor und 50 Jahre Flötenkreis …


Aus dem Bildarchiv von Jan Martinen

Die Kirchengemeinde St. Clemens auf Amrum feiert ein großes Doppeljubiläum mit einem rauschenden Festwochende:

Bereits am Freitagabend geht es los: Zur üblichen Posaunenchorprobe ab 18:30 Uhr unter Leitung der Kirchenmusikerin Verena Zahn sind auch ehemalige Chor- und Gastbläser:innen in der Kirche willkommen. Alle wollen sich einstimmen auf das Stiftungsfest am Samstag und den Festgottesdienst am Sonntag.  Nach der Probe hat der KGR (Kirchengemeinderat) zu einem gemütlichen Beisammensein ins Clemens-Hüs eingeladen. Helfende Hände haben alles für ein großartiges Bufett vorbereitet und Jan Martinen sorgt als gebürtiger Amrumer mit einer Bilderpräsentation mit den dazugehörigen Hintergrunddetails über die Anfänge des Amrumer Posaunenchores für eine informative und humorvolle Einstimmung ins Jubiläumswochende.  Er kam mit 9 Jahren zu seinem ersten Blechblasinstrument und spielt nun bereits seit 68 Jahren. Allerdings selten auf Amrum, da er seinen Lebensmittelpunkt auf dem Festland hat. Die Zuhörenden erfahren, dass im Herbst 1953 ein Gespräch zwischen dem damaligen Pastor Erich Pörksen und dem Lehrer Herrn Scheppukat stattgefunden hat, wobei die Gründung eines Posaunenchores besiegelt wurde – der Pastor organisierte die ersten Instrumente und der Lehrer übernahm die Chorleitung. Am 16.Januar 1954 fand die erste Übungsstunde statt (oft wurde bis zu 4x die Woche geübt) und bereits zu Ostern traute sich der neue Chor mit 6 Bläsern zum ersten Mal an die Öffentlichkeit. Nach einem Jahr konnte man bereits 14 männliche Bläser zählen. Die ersten Mädchen griffen im Jahr 1959 zu den Instrumenten. Dies wurde nicht von allen Posaunenchorwarten auf dem Festland positiv gewertet. Vielfach traute man dem „schwachen“ Geschlecht nicht zu, kraftvolle Töne zu spielen. Nachdem Herr Scheppukat die Insel verlassen hatte, übernahmen erfahrene Jugendliche die musikalische Weiterbildung von Neuzugängen. So wurde Jan Martinen mit 14 Jahren zum Chorleiter ernannt und bemerkt heute: “Die Mädchen konnten gut blasen und waren immer sehr zuverlässig!“

Allerdings bestand der Chor anfangs nur aus Kindern und Jugendlichen der Gemeinde Nebel. Erst nach 10 Jahren kamen die ersten Norddorfer hinzu. Es hatte sich wohl herumgesprochen, dass die Blechbläser mitsamt ihren Instrumenten während der Ferien großartige Fahrten machte– es ging sogar bis Österreich. Und nicht selten wurden auf der Fähre oder den Bahnhöfen die Instrumentenkoffer geöffnet und „Lobe den Herrn“ gespielt.

Und wie kam es zum Flötenkreis?

1974 war Wolfgang Heltmann der Kantor auf Amrum. Während einige Kinder bereits in der Schule bei seiner Frau Gisela Flötenunterricht bekamen, hatte er die Idee, dass es auch einen festen Flötenkreis in der Kirchengemeinde geben sollte. Heute ist dieser nicht mehr aus der Kirchengemeinde wegzudenken und für Neu-Amrumer, die eine Flöte im Gepäck haben, eine gute Gelegenheit in der Amrumer Gemeinschaft Fuß zu fassen.

Am Samstagnachmittag startet dann das 67. Stiftungsfest der Jubilare Posaunenchor und Flötenkreis, nachdem noch eine große Delegation von Bläsern der Nachbarinsel Föhr angereist ist. Die Föhrer wollen den Amrumern herzlich gratulieren und gerne mitmusizieren. So war das Clemens-Hüs mit über 20 Bläsern,11 Flöten und den dazu gehörenden Notenständern schon gut gefüllt. Hinzu kamen noch der Kinder- und Jugendchor der Gemeinde und zahlreiche Gäste, die herzlich von Pastorin Martje Brandt und der Kirchenmusikerin Verena Zahn begrüßt wurden. So sollte es ein bunter musikalischer Nachmittag werden.  Neben den professionell anmutenden Darbietungen der Instrumentalchöre beeindruckte der Kinderchor (allesamt als Piraten kostümiert) vor allem mit dem Mitmachlied „Der Osterhasen-Schokoladen-Twist“. Da konnten selbst die anwesenden Omas und Opas der jungen Protagonisten nicht die Füße stillhalten. Der Jugendchor brillierte u.a. mit dem Stück „a million dreams“ und der dazugehörigen Videopräsentation. Zwischendurch konnte sich jeder bei Kaffee und Kuchen stärken, bevor es zu den

Ehrungen kam, die bei keinem Stiftungsfest fehlen dürfen: Für eine 3-jährige Mitgliedschaft im Flötenkreis erhielten Kinka Tadsen, Jutta Schwoche und Martje Brandt die silberne Flöte. Die goldene Flöte (6-jährige Mitgliedschaft) ging an Mariko Koide und Jamie Winzenick. Noch länger spielen Kerrin Schmidt ( >10 Jahre), Kirsten Schüler-Seiffert ( 25 Jahre) und Anke Quedens-Herber(25 Jahre). Als Anerkennung wurden hier mit viel Beifall für das Durchhaltevermögen Urkunden überreicht.

Im Posaunenchor gab es folgende Ehrungen:

goldene Trompete:       Maggy Lucke, Jan Petersen

goldenes Tenorhorn:    Genievieve Le Marec

goldenes Horn:               Beate Fastenrath

goldene Posaune:          Mariko Koide, Andrea Hölscher

Alle diese Musizierenden spielen ihr Instrument mindestens 6 Jahre.

Urkunden erhielten weiterhin: Sylvia Hocke (> 10 Jahre), Bettina Stöck (19 Jahre).

Andrea Hölscher erhielt viel Beifall für 24 Jahre Posaunenchorarbeit und ein besonderer Dank ging natürlich an Jan Martinen, der durch seinen Vortrag sehr zum Gelingen des Jubiläums beigetragen hat.

Am Sonntag endete das musikalische Wochenende mit einem Festgottesdienst. Pastorin Martje Brandt betont in ihrer Predigt: “Mitten in der Passionszeit hat uns das Motto von Psalm 150:“Lobet Gott mit Musik“ Kraft gegeben, in Gemeinschaft dem wohlklingenden friedvollen Miteinander auf der Spur zu bleiben.“

Der Posaunenchor verabschiedet sich mit „Coro festivo“ und erntet tosenden Beifall von der Gemeinde.

Zum Abschluss soll ein herzlicher Dank an alle helfenden Hände nicht fehlen.

Außerdem freut sich der Posaunenchor sehr über zwei Instrumentenspenden: Uschi Bendixen hat das Tenorhorn ihres Mannes an die aktiven Musizierenden übergeben und der Rotary Club spendiert eine neue Bassposaune. Diese wird um den 8.März geliefert. Auch dafür vielen Dank!

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Über Brunhilde Wnuck-Jessen

Brunhilde Wnuck-Jessen wurde 1956 in Dorsten geboren und machte dort 1975 ihr Abitur. Anschließend ging es zum Studium nach Köln, wo sie eine Amrumer-Clique kennenlernte. Der Liebe wegen zog sie 1984 nach Süddorf auf Amrum, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann Sönke wohnt. Nach 38 Jahren Schreibtischarbeit freut sich die Jungrentnerin nun auf viel gemeinsame Zeit mit ihren beiden Enkeltöchtern.

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