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Luv & Lee: Amrum hat jetzt einen eigenen Kinofilm …

Luv & Lee. Amrum – der Film: Läuft täglich im Inselkino

Diese kleine Insel Amrum hat ein Kino. Und dieses Kino hat nun einen eigenen Amrum-Film – einen irgendwie ganz coolen 90-Minüter. Denn der wird nur auf Amrum laufen, in genau diesem einen Kino; keine DVD, kein Verleih, kein Nix ist geplant. Und 50 Cent jeder verkauften Eintrittskarte gehen an die Seenotretter!„Wir sind von der DGzRS so unglaublich umfangreich und toll unterstützt worden und durften drehen, wo andere nicht drehen durften. Toll, vielen Dank“, sagte Kinobetreiber Ralf Thomsen auf der Premierenfeier.

Macher und Mitmacher: Kameramann Constantin Löhrmann (links hockend) neben Kinochef Ralf Thomsen. Tonmeister Ralph Thiekötter (stehend 2. v. links) mit Protagonisten. (Foto Malvin Keppler)

Nach rund drei Jahren Drehzeit ist der Film fertig. Und alle, die ihn gemacht haben, haben eine Verbindung zur Insel. Der Sprecher, der Kameramann, der Geld- und Ideengeber und natürlich all die, die darin vorkommen: der Leuchtturmwärter (sorry Wolfgang Stöck …), die Seenotretter, der Strandkorbvermieter, die Bohlenwegebauer und die Vogelschützer an der Odde. Schon da wird klar, es ist geworden, was der Chef des Amrumer Kinos mit dem Film beabsichtigte: „Er ist eine Liebeserklärung an unsere Insel geworden. So ein Film war immer mein Traum. Ich wollte endlich mal zeigen, was die Amrumer im Winter machen, und wie die Insel bei Sturm aussieht.“ Thomsen ist gebürtiger Amrumer und übernahm Mitte der 80er Jahre das Inselkino.

Die Luftaufnahmen im Film sind beeindruckend. Wenn die Kamera um den Leuchtturm schwenkt und mit der Wasserkante im Fokus über den Kniepsand fliegt, dann kommt Ohhh-schööön-Stimmung auf. Findet auch der Kameramann: „Wenn sich da zusammen mit der Musik der Blick öffnet, dann ist das genau das Amrum, was sich so in mein Herz geprägt hat, und das haben wir versucht, widerzuspiegeln“, sagt Constantin Löhrmann, der mit seiner Filmproduktionsfirma Geomar aus Hannover verantwortlich war für Schnitt, Kamera und Gesamtkomposition. Löhrmann ist ein Neffe von Wolfgang Stöck, der im Film auch Pirat ist und im richtigen Leben Leiter des Außenbezirks Amrum beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Tönning.

Ein Höhepunkt des Films ist das Interview mit dem Steenodder Kapitän August Jakobs. Es war sein letztes. Jakobs starb noch während der Dreharbeiten. Ein Charismatiker, ein Mensch, der so viel erlebt hat, so viel bewegt hat auf den Inseln und der – so erzählt er im Film – bei der großen Sturmflut 1962 die Halligbewohner mit lebenswichtigem Trinkwasser versorgt hat. Wenn er das Fernglas in seine faltigen Hände nimmt und noch einmal hinaus schaut aufs Meer, dann ist man als Zuschauer sehr nah dran an dem alten Mann und seiner Inselliebe. Ein bewegender Filmmoment!

Durchaus mit Witz muss man die Tatsache nehmen, dass die Bohlenwegebauer im Film so lange auf ihre Bohlenwege einhämmern, bis auch der allerletzte Nagel verschlagen ist, um dann lakonisch festzustellen, dass man nun tagelang warten müsse, bis die Fähre neue bringt. Aber nicht nur die Nägel sind aus auf der Insel, die Frauen sind es auch. Tatsächlich haben Thomsen und Löhrmann bis auf ein paar Ladies, die dem Vogelwart an der Odde zur Hand gehen, keine Frauen im Film. „Eins ist mal klar, ohne Männer geht auf Amrum gar nichts“, kommentierte eine Zuschauerin augenzwinkernd den Frauenmangel. Jungs, da hättet ihr wirklich mal etwas genauer hingucken können! Auf der Premierenfeier war man sich schnell einig, dass damit nicht ganz der Insel-Querschnitt getroffen wurde. Was gute Aussichten mit sich bringt, denn so ein Film ist ja eigentlich nie richtig fertig. Da kann es in Zukunft schon noch mal neue Szenen geben. Aber wehe, dem Cowboy vom Kniep werden Filmsekunden geklaut! Es ist einfach zu schön zu sehen, wie er auf seinem Traktor in den Sonnenuntergang reitet …

Waren auch Premierengäste: Die Macher des Films „Nordsee von oben“: Silke Schranz und Christian Wüstenberg

Thorsten Ertel also, der Strandkorbmann von Süddorf – amrumtrunken vom Filmteam als „Cowboy des Kniepsandes“ tituliert, lässt sich begleiten beim Fitmachen seiner Strandkorbvermietbude am Strand, ein Job, der weitestgehend dann passiert, wenn keine Gästeschar auf der Insel ist. Darum ging’s den Machern auch: Zu zeigen, was auf Amrum los ist, wenn keiner zuschaut. Inklusive der Patrouillenfahrt des Seenotretters und Hochwassersicherungsmaßnahmen im Seezeichenhafen.

Auch der Filmtext wird vom Profi mit Amrumliebe gesprochen: Der Hamburger Clemens Gerhard (Magnum, Mare-TV, Sex in the City) ist mindestens einmal im Jahr mit seiner Familie da. Und Tonmeister Ralph Thiekötter von Studio Funk in Hamburg, der dem Rettungskreuzer noch so einen ordentlichen V12-Motor unterschob, dass sogar der DGzRS-Kapitän begeistert war, kennt Amrum seit Kindertagen. In so einem Insel-Fanclub fühlt sich der Zuschauer gut aufgehoben.

Natürlich bedient der Film auch die Inselklischees: Die Dörfchen, die Häuschen, die Menschen – alles aahhh und oooh und lässig entspannt. Dennoch hat die Bilderfülle den Charme des Unperfekten. Wer je bei Dreharbeiten dabei war, weiß, wie aufwändig alles inszeniert und in Szene gesetzt wird. Bei „Luv & Lee“ war das ein bisschen anders: „Wir hatten lange kein Storyboard, keine Handlung, wir wollten einfach nur tolle Bilder einfangen und haben alles aufgenommen, was uns Interessantes vor die Linse kam“, sagt Kinochef Ralf Thomsen. Die Filmcrew hat sich treiben und manchmal selbst überraschen lassen bei ihrer Reise über die Insel. Etwa wenn sie samt schwerem Kameraequipment nachts bis zur Brust im Hochwasser stand und plötzlich merkte, dass ein falscher Schritt vielleicht ein Bad in der eiskalten Nordsee bedeutet. Im Film kommt das ganz erfrischend rüber.

Luv & Lee: Amrum – der Film (90 Minuten) läuft täglich im Lichtblick Inselkino in Norddorf. Den Trailer kann man hier gucken und auch herunterladen:

https://kino-amrum.de/kino/tree/node5995/city223

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Über Undine Bischoff

Journalistin und Texterin. Fuhr mit drei Jahren zum ersten Mal über den Kniep – in einer Schubkarre. Weil ihr Vater da draußen eine Holzhütte baute, zwanzig Feriensommerjahre lang. Betextet Webseiten und Kataloge, schreibt für verschiedene Medien und natürlich für Amrum News.

Ein Kommentar

  1. Rollstuhlfahrer können den Film leider nicht anschauen.
    Jedenfalls, wenn sie dauernd auf den Rollstuhl angewiesen sind und nicht auf einen Kinositz umsteigen können. Denn das neu gebaute Kino hat keine Rollstuhlplätze und Rollstuhlfahrer dürfen auch nicht neben den Kinositzen stehen, weil sie angeblich die Fluchtwege versperren. (Übrigens: Wenn’s brennt o.ä., flüchten Rollstuhlfahrer auch und stehen dann nicht mehr im Weg…)
    Das war jedenfalls die Auskunft, die ich bekam, als ich mir den Film im Juni ansehen wollte. Schade, nach der Rezension habe ich was verpasst.
    Beste Grüße, Michael Welge

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