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Wenn der Tag mit dem Dorothy beginnt …

Herzlichen Glückwunsch zum 10. Geburtstag, Amrumer Line Dancers.

Trainerin Petra Gerrets mit dem sympathischen Choreografen Niels Poulsen

 „Kennen Sie den Dorothy?“ fragt Tanztrainer Niels Poulsen auf Englisch und die voll motivierte Tanzfläche im 54° nickt. „Okay. Let’s go: Right Dorothy steps turning quarter Left, Left Dorothy, Right rock forward, shuffle back  turning half Right. –  Eight counts, okay?“

Wir sind beim Jubiläums Workshop der Island Dancer vom TSV Amrum und das waren gerade die ersten acht Takte von 32 in Poulsens Choreografie „One Hundred“ zur Musik von Ida Corr. Der Tanz setzt nach dem 16. Taktschlag der Musik ein und dann kommen die Dorothies: „Step right towards right diagonal (1), lock left behind right starting to turn quarter left (2), finish quarter left stepping right a small step to right side“ usw. Können Sie noch folgen?

Mir verknoten sich im Kopf schon vor Takt 2 die Beine. Nochmal auf Deutsch? Schritt nach schräg rechts vorn mit Rechts – linken Fuß hinter rechten einkreuzen, ¼ Drehung links herum und kleinen Schritt nach rechts mit Rechts (9 Uhr). Übersetzen macht’s nicht leichter und dauert zu lange. Aber vor meinen Augen folgen Niels Poulsen 125 Tanzbegeisterte zwischen 8 und 80 scheinbar mühelos. Ich bin fasziniert. Wie machen die das? Wie kommen die da denn mit?

Mehr als ein „Oh“ im Workshop …

Der Tanz hat seine eigene Sprache und die wird auf Englisch von Anfang an mitgelernt, erfahre ich von Petra Gerrets, die seit fast sechs Jahren Trainerin der Island Dancer auf Amrum ist. Er wird international verstanden und das macht die Line Dancer zu einer weltweiten Family. Die Japanerinnen seien meist am schnellsten, eine neu getanzte Choreografie ins Netz zu stellen, ist man sich einig. Line Dance Choreografien kann man auch allein tanzen, aber zusammen macht es viel mehr Spaß. Man trifft sich zum Tanztraining, lädt sich gegenseitig zu Workshops und Tanz-Parties ein. Auch beim diesjährigen Tanz-Event der Island Dancer sind nicht nur die 35 Aktiven des TSV Amrum dabei, sondern viele, gern gesehene Gäste aus der Republik, von Eckernförde, über Henstedt-Ulzburg bei Hamburg bis Fürth und sogar aus Tondern in Dänemark.

Zu ihrem 10-jährigen Jubiläum haben die Island Dancer ein tolles Programm auf die Beine gestellt und Niels Poulsen nach Amrum eingeladen, die Workshops zu leiten. Er ist einer der wenigen internationalen Profi-Choreografen für Modern Line Dance und unterrichtet Line Dance bei Tanz-Events auf allen Kontinenten. Für seine Arbeit wurde er schon vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Crystal Boot Award. Poulsen bildet in seinem Heimatland Dänemark auch Tanzlehrer aus und Line Dance Techniken als Turniersportart, war früher selbst Line Dance Turniertänzer und gewann die Weltmeisterschaft im Intermediate 2006.

Wie er zum Line Dance gekommen ist? „Ich habe nach dem Studium an der Business School (Ökonomie und Sprachwissenschaften Englisch/Französisch) drei Jahre in Brighton gearbeitet und dort Line Dance kennengelernt. Das war in den 1990ern. Als ich nach Dänemark zurückging und weiter tanzen wollte, sagten alle „Wow, Du tanzt ja ganz anders als wir! Kannst, Du uns das nicht beibringen?“ Und so begann im Jahr 2000 seine Karriere als Tanzlehrer. 2002 entwickelte er seine erste eigene Choreografie.

Beinarbeit

 „Modern Line Dance“ wird nicht in Cowboy-Stiefeln und Petticoat-Look zu traditioneller Westernmusik getanzt,  sondern nach neuen Choreografien zu jeder Art von rhythmisch tanzbarer Musik ob Pop, Swing, Rock’n Roll, Disco, Latin, R&B oder Jazz. Es gibt sechs grobe Stilrichtungen: Waltz, Cha-Cha, Funkie, Smooth, Lilt, Showdance – und keinen festen Dress Code, der richtet sich nach Tanz und Anlass.

Bei der Warm-up-Party am Vorabend hatte sich Niels Poulsen mit dem Level auf der Tanzfläche des 54° vertraut gemacht und danach die Tänze für die Workshops ausgesucht. Man unterscheidet die Tanz-Choreografien nach Schwierigkeitsgraden  – Beginner, Improver, Intermediate und Advanced. Sechs Tänze von Niels Poulsen haben die Line Dancer in den Workshops neu gelernt und am Ende werden alle hintereinander noch einmal mal durchgetanzt. Meine Beine spielen im Kopf schon seit „One hundred“ untereinander Twister! Aber die Damen von den Amrumer Island Dancers beruhigen das Chaos in meinem Kopf: „Es wird niemand schief angeguckt, der durcheinander gerät und nicht alle von uns tanzen jeden Tanz mit.“ Die Line Dancer sind auch nach sechs Stunden Tanz-Workshops nicht geschafft und freuen sich auf die Party am Abend. „Das hat so viel Spaß gemacht!“

Noch bis in die Nacht wurde getanzt.

Um 20:00 Uhr sind alle wieder da – die Geburtstagsparty kann losgehen. Plötzlich sind die Island Dancer dann doch ein bisschen aufgeregt: Lampenfieber! Sie haben zur Feier des Tages einen Showdance einstudiert und die TSV-Damen müssen als Erstes auf’s Parkett. Petra Gerrets hat mit ihnen eine eigene Choreografie zu den Klängen von „Fever“ einstudiert (zum Soundtrack von Kathey Sagal und Colt Prattes für das TV-Remake „Dirty Dancing“): Dandies nehmen sich die Tanzfläche, Schwarzlicht reflektiert weiße Fliegen, Handschuh und Zylinderchen. Doch hoppla, wer umgarnt hier wen? Und „who is who“? Frauen als Männer tanzen um Frauen in Männerkleidern, Frauen als Männer werden umtanzt von Frauen in Männerkleidern. Und umgekehrt. Ein Spiel mit der Mehrdeutigkeit in wechselnden Rollen. Well done, Ladies! Und dann war Showtime für die Kids: Sie tanzen ein Potpourri ihrer Lieblingstänze, Weltmeisterin Britta Lindner hatte ihnen beim Einstudieren geholfen. In Sekundenschnelle wechseln sie zu jedem Tanz ihre Accessoires und führen sportlich durch die Stil-Geschichte des Line Dance von Classic Folk bis Lilt. Well done, girls!

Die Island Dancer kassierten einen Riesen-Applaus und ab ging die Party! Dirk Leibing, Choreograf und Tanztrainer der City Stompers aus Henstedt-Ulzburg bei Hamburg legte auch in diesem Jahr wieder die Musik auf. Er war von Anfang an auf Amrum dabei, hat viele Workshops geleitet und steuerte zur Warm-up-Party am Vorabend mit Om Igen einen eigenen Tanz bei – sein persönliches Geburtstagsgeschenk.

Reinhard Melcher, Mitbegründer der Island Dancer, kam zum 10.Geburtstag.

 Vor zehn Jahren fand die erste Line Dance Party auf der Insel statt und das war der Kick-off für die Island Dancer, die Reinhard Melcher und die im letzten Jahr, viel zu früh verstorbene Ingrid Kühl-Seyer 2008 hier gegründet haben. Ingrid kam aus der Nähe von Hamburg und hatte schon bei Dirk Leibing mit den City Stompers in Henstedt-Ulzburg getanzt, bevor sie auf die Insel kam. Bei einem Besuch ihres früheren Trainers und Choreografen saß man zusammen im Café Schult und heckte die wagemutige Idee aus, das erste Line Dance Event auf Amrum zu organisieren: Eine Warm-up-Party, ein Workshop und die Tanzparty am folgenden Tag. Es wurde ein großer Erfolg – und der hielt an.

Die Island Dancer sind stetig gewachsen und haben sich weiterentwickelt. Seit fünf Jahren gehören sie zur Tanzsport-Sparte im TSV Amrum und haben – nebenbei gesagt – auch die Frauenquote des Vereins tüchtig in die Höhe schnellen lassen. Britta Lindner und Leene Motzke konnten international beachtliche Erfolge im Turniertanz erzielen und seit vier Jahren gibt es für den Nachwuchs eine eigene Line Dance Gruppe. „Wir werden vom TSV super unterstützt“, sagt Petra Gerrets und freut sich, wie breit der Tanzsport auf Amrum inzwischen aufgestellt ist: im Alter von 6 bis weit über 70 Jahren wird hier Line Dance getanzt.

Ich bin beeindruckt von dem, was sich an diesem Abend im 54° auf der Tanzfläche abspielt. Dass Modern Line Dance so fließend, leichtfüßig und elegant aussehen kann, hätte ich nie gedacht. Tanzen macht glücklich, und was gibt es Schöneres an einem Geburtstag?

Tipp

Hier die Liste mit den Workshop Tänzen von Niels Poulsen:

One hundred, Love Flow, Kiss of Heaven, 1-2-3-4, Vampire City und Honky Tonk Race. („Vampire City“ ist „advanced.“). Auf You Tube kann man anschauen, wie die Choreografien getanzt werden – nicht nur bei den fitten Japanerinnen .;)

 

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Über Astrid Thomas-Niemann

Astrid Thomas-Niemann ist gelernte Schifffahrtskauffrau sowie studierte Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin. Sie hat viele Jahre als Schifffahrtsanalystin gearbeitet und lebt seit 2015 in Wittdün. Als junge Frau kam Astrid 1981 das erste Mal auf die Insel und besuchte auf Zeltplatz II die Niemanns aus Hamburg, die Amrum seit 1962 urlaubsmäßig die Treue halten, inzwischen bereits in der 4. Generation.

Ein Kommentar

  1. ZHallo Reinhard Melcher,
    herzliche Grüsse aus Bleckede und Gratulation zu diesem super Event. es grüssen die ehmaligen Amrumer von Weinkontor und post. LG Rvaa + Sigi Stoye

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