Temporäre Senkung der Mehrwertsteuer ab 1. Juli 2020 – W.D.R. versendet neue E-Tickets …


Gähnende Leere im Salon währens des Lockdowns

Auf den E-Tickets für die Fährüberfahrt mit der Wyker Dampfschiffs-Reederei (W.D.R.) wurde der Mehrwertsteuersatz ab dem 1. Juli bis zum 31. Dezember 2020 von 7 auf 5% geändert. Wer bereits gebucht hat erhält neue E-Tickets.

Der Gesamtpreis für die Überfahrt hat sich dadurch nicht verändert. Amrum News wollte wissen warum das so ist und nahm Kontakt zur Reederei auf und erhielt dazu folgende Auskunft:
Wie auch andere deutsche Inlandsreedereien wurde die Wyker Dampfschiffs-Reederei durch den Corona-Lockdown von Mitte März bis Mitte Mai 2020 wirtschaftlich außerordentlich hart getroffen. Über einen Zeitraum von rund acht Wochen hinweg kam der Personenverkehr – abgesehen von der Beförderung einiger weniger einheimischer Fahrgäste – weitgehend zum Erliegen, und auch im Fahrzeugverkehr waren massivste Rückgänge zu verzeichnen. Die Reederei hat dennoch seinen Verkehr mit einem angepassten Fahrplan durchwegs aufrechterhalten, um die Insel- und Halligversorgung zu gewährleisten. Finanziell hat dies über mehr als zwei Monate hinweg täglich zu hohen fünfstelligen Verlusten geführt, die sich zu einem Defizit von mehreren Millionen Euro akkumulieren.
Seit dem 18. Mai ist die W.D.R. zum normalen Fahrplan zurückgekehrt, um vor allem den Beförderungswünschen im Fahrzeugbereich entsprechen zu können. Auf der anderen Seite sind die Personenbeförderungen im Jahresvergleich bis heute erheblich rückläufig. Dies bedeutet, auch wegen der weiterhin geltenden Covid-19 Maßnahmen, eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung für unser Unternehmen. Im Busverkehr auf den Inseln Föhr und Amrum ergibt sich ein ähnliches Bild
Im Gegensatz zu vielen anderen in Inselverkehren tätigen Reedereien konnte die W.D.R. bislang auf eine unterjährige Preisanpassung zum Sommer 2020 verzichten. Auf der anderen Seite gilt es, wegen der zwischen März und Mai erwirtschafteten hohen Defizite im Interesse der stabilen Inselversorgung wirtschaftlich voll handlungsfähig zu bleiben. Hierzu trägt neben vielen anderen Maßnahmen die von der Bundesregierung jetzt beschlossene temporäre Reduktion der Umsatzsteuer von Juli bis Dezember 2020 bei. Aus diesem Grunde werden sich die Bruttopreise für Personen, Fahrzeuge und Güter trotz der enormen Mehrbelastung durch die COVID-19-Krise bis Jahresende nicht ändern.
Die W.D.R. ist davon überzeugt, dass sie damit den Inseln und Halligen sowie den Gästen am besten dienen. Die Reederei bittet ihre geschätzte Kundschaft um Verständnis für die moderate Preismaßnahme.
Während des Lockdowns war der Gastronomiebetrieb geschlossen

Seit 135 Jahren versorgt die W.D.R. die Inseln und Halligen im nordfriesischen Wattenmeer. Die Reederei ist sich als Monopolist seiner großen Verantwortung für die Insulaner, Zweitwohnungsbesitzer und Urlaubern bewusst.

Wer die aktuellen Corona-Regeln, die für den Zutritt und Aufenthalt an Bord der Schiffe zu beachten sind befolgt, wird von der Reederei befördert. Es ist nicht Sache der Reederei zu entscheiden, wer reisen darf oder nicht. Das von der Landesregierung erlassene „Betretungsverbot“ für die Inseln und Halligen wurde von der W.D.R. respektiert und umgesetzt. Kontrollieren kann das aber nicht eine Fährreederei. Die Polizei und das Ordnungsamt kontrollierte während des Betretungsverbotes an den jeweiligen Fährhäfen.
Amrum News wünscht der Wyker Dampfschiffs-Reederei weiterhin ALLZEIT GUTE FAHRT!
Die Bilder entstanden auf der MS „Norderaue“ während einer fahrplanmäßigen (Notfahrplan) Überfahrt von Wittdün nach Dagebüll am 27. April mittags, man kam sich vor wie auf einem „Geisterschiff“.
Print Friendly, PDF & Email

About Gerd Arnold

Gerd Arnold ist ein „echter“ Nordfriese, 1957 in Nebel auf Amrum geboren und der friesischen Sprache (öömrang) mächtig. Nach dem Schulabschluss erlernte er in Wittdün den Beruf des Elektroinstallateurs. 1976 zog es ihn nach “Deutschland”, Wohnorte waren u.a. Wuppertal, Owschlag, Koblenz und Pinneberg. 33 Jahre war er bei der Bundeswehr, u.a. als Flugzeugelektriker und Ladungsmeister auf der Transall C-160. Ende Oktober 2010 – ging es altersbedingt – in den Ruhestand. Als Hobby ist da zum einen das Angeln, seit 40 Jahren ist er im Amrumer Angelverein aktives Mitglied und zum anderen der Handball, da allerdings nur passiv bei den Damen der HG Owschlag-Kropp-Tetenhusen als Hallensprecher in der 3.Liga Nord. Von 1980-1995 und seit 2005 ist Gerd in Owschlag beheimatet, sein zuhause ist aber immer Amrum geblieben. Gerne würde er dauerhaft auf die Insel zurück, es fehlt bisher aber noch ein passendes Wohnungsangebot.

Check Also

Seit 60 Jahren auf See – MS „Amrum / MS „Hauke Haien“…

Am 15. Juni 1960 erfolgte auf der Büsumer Schiffswerft W. & E. Sielaff die Kiellegung …

3 comments

  1. Schade, offensichtlich haben die Verantwortlichen der W.D.R. den eigentlichen Sinn der Mehrwertsteuersenkung nicht verstanden.
    Laut Finanzminister Olaf Scholz soll diese dazu dienen, den Konsum anzukurbeln, also den Bürgern direkt zugute kommen und nicht um versteckte Preiserhöhungen vorzunehmen.
    Für Firmen gibt es zur Minderung der unbestritten hohen Einnahmeausfälle andere Hilfen.
    Selbst die großen Discounter senken ihre Preise, auch wenn es letztendlich nur Symbolpolitik ist.
    Der Bürger zahlt die entstandenen Schäden letztendlich doch.
    Ich bin gespannt, wie die W.D.R. reagiert, wenn die Mehrwertsteuer wieder heraufgesetzt wird.
    Hier wurde ein falsches Zeichen gesetzt!
    Aber wir kommen im Herbst trotzdem wieder auf die schöne Insel Amrum!

    Michael Müller

  2. West Pennant Hills

    Ich schliesse mich in soweit dem Vorschreiber an, als dass der Eindruck einer “Gewinnmitnahme” entstehen koennte, die dem politischen Ziel der Massnahme zuwider laeuft. Jeder versteht die Corona-bedingte Lage der Wirtschaft. Abgesehen davon, dass ich die USt.-Senkung insgesamt für wenig effektiv halte, empfinde ich das Vorgehen der W.D.R. als ungluecklich.

    Es waere besser gewesen, eine notwendige Preiserhoehung betriebswirtschaftlich kalkuliert zu kommunizieren, sie beaufschlagen und dann den neuen USt.-Satz zur Anwendung zu bringen. Das wirkt transparenter.

    Hans Friedrich

  3. Strandlaeufer

    In der Tat: Hier hat die Geschäftsführung der W.D.R. etwas ziemlich falsch verstanden bzw. verstehen wollen. Der Lockdown hat die Reederei zweifellos hart getroffen – Zigtausende andere Firmen im Land und Millionen Beschäftigte aber sicherlich noch stärker. Es hätte der Reederei gut zu Gesicht gestanden, sich in dieser Situation kulant zu zeigen und die Steuersenkung weiterzugeben. Denn diese ist ja eben nicht als Subvention gedacht, sondern soll bei den Bürgern ankommen. Am Ende geht es da nicht um ein paar Euro Rabatt, sondern schlicht um Kundenfreundlichkeit. Doch damit hatte die W.D.R. schon immer Ihre liebe Not. Insofern passt diese Entscheidung ins Bild. Es fehlt dem Monopolisten halt – leider – die Konkurrenz.

    Georg Müller-Sieczkarek

WP2Social Auto Publish Powered By : XYZScripts.com