Amrumer Unglücksnacht vor 50 Jahren …

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Die Amrumer Freiwilligen Feuerwehren…

Es ist der dritte Samstag im Januar, der 16.01.1971, wie jedes Jahr begeht die Freiwillige Feuerwehr Nebel an diesem Wochenende ihr Stiftungsfest. Am Spritzenhaus im Ortskern von Nebel treten die Kameraden der Feuerwehr an. Dann geht es mit Begleitmusik der Amrumer Blaskapelle durch das Dorf zum Vereinslokal ins Bahnhofshotel. Dort fand zunächst anlässlich des 84. Stiftungsfestes der Freiwilligen Feuerwehr Nebel der Kommers statt ehe am Abend in feuchtfröhlicher Runde beim Feuerwehrball das Tanzbein geschwungen wurde.

Als am frühen Sonntagmorgen des 17. Januar gegen 3 Uhr die Feueralarmsirenen auf der gesamten Insel aufheulten, wurde das Fest abrupt beendet. Während einige Feuerwehrkameraden sich bereits im Bett befanden hielten sich andere noch beim Ball auf. Es war eine nebelige kalte Januarnacht, die Straßen waren eisig glatt und zum Teil waren es Sichtweiten unter 20 Meter! Die Feuerwehrmänner der gesamten Insel begaben sich auf den Weg zum gemeldeten Feuer. Es brannte auf der Wittdüner Südspitze, dort stand nahe der Wittdüner Mole das Hotel Bellevue in Vollbrand.
Das 1898 von J.H. Eggers erbaute Haus war fast ein halbes Jahrhundert im Besitz der Familie. „Mammi“ Luise Eggers starb kurz nach dem zweiten Weltkrieg und das Hotel Bellevue übernahm die Mitarbeiterin Helene Lübcke, die schon seit 20 Jahren dort arbeitete.
Das ganzjährig geöffnete Hotel hatte einen sehr guten Ruf und wurde gerne von Vertretern angenommen, außerdem war das Hotel wegen der hervorragenden Küche und der Gastfreundlichkeit bekannt. Zuletzt wurde das Hotel Bellevue von Annemarie Hansen und ihrem Mann betrieben, 1969 hatten sie es erworben und so manche Renovierung durchgeführt.
Das Feuer hat das Hotel komplett zerstört, alles lag in Schutt und Asche, – es entstand ein Schaden von über einer halben Million Mark.
Nachbarn hatten das Feuer entdeckt, aber als der Alarm ausgelöst wurde kam die erhoffte Rettung zu spät. Nur Stein und Stahl blieben übrig, alles andere fiel dem Feuer zum Opfer. Die Brandursache wurde nie geklärt, lediglich ein Kurzschluss wurde ausgeschlossen.
Hier stand das ehemalige Hotel Bellevue – heute Haus “Bellevue” (re.) und Haus “Seeadler” (li.).

An jenen Sonntagmorgen trafen tragische Zufälle zusammen, der Feuerwehrball, die Alarmpanik, glatte Straßen und pottendichter Nebel. Die Eile der Helfer, als erster an der Brandstelle zu sein, führte zu zwei Verkehrsunfällen. Ein tragischer Verkehrsunfall ereignete sich kurz hinter der Mühle Nebel. Eine Insulanerin (43) aus Steenodde die zu Fuß auf dem Wege von der Feier nach Hause war – ihr Mann war beim Feuerwehreinsatz – verlor ihr Leben. Sie wurde vom Wagen eines Nebeler Bäckermeisters – der sich als aktiver Feuerwehrmann auf dem Weg zum Einsatz befand – erfasst und wurde so schwer verletzt das sie noch an der Unfallstelle verstarb.

Ein weiterer Unfall ereignete sich in Höhe des „Hafenhauses“ (heute Cafe Auszeit) in Wittdün. Dort verunglückte ein Bäckergeselle aus Nebel, auch ein aktiver Feuerwehrmann, auf dem Weg zum Einsatz mit seinem Auto, dass mit vier Personen besetzt war. Er kam von der Straße ab, durchbrach eine Mauer aus Stein, die Beteiligten kamen bei diesen Unfall fast unverletzt davon.
In beiden Fällen wurde eine Blutprobe genommen, Führerscheine wurden nicht eingezogen!
Auf dem Brand-Grundstück wurde neu gebaut. Der Neubau musste allerdings im fortgeschrittenen Rohbau wegen Baumängel komplett wieder abgerissen werden. Im Jahre 1972 konnte der Bau eines Appartementhauses (Haus Seelöwe) mit Gastronomiebereich (Wikingkeller/Steuerrad) fertiggestellt werden. Heute befinden sich in diesem Haus nur noch Appartements. Das Lokal musste aufgegeben werden.
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Über Gerd Arnold

Gerd Arnold ist ein „echter“ Nordfriese, 1957 in Nebel auf Amrum geboren und der friesischen Sprache (öömrang) mächtig. Nach dem Schulabschluss erlernte er in Wittdün den Beruf des Elektroinstallateurs. 1976 zog es ihn nach “Deutschland”, Wohnorte waren u.a. Wuppertal, Owschlag, Koblenz und Pinneberg. 33 Jahre war er bei der Bundeswehr, u.a. als Flugzeugelektriker und Ladungsmeister auf der Transall C-160. Ende Oktober 2010 – ging es altersbedingt – in den Ruhestand. Als Hobby ist da zum einen das Angeln, seit 40 Jahren ist er im Amrumer Angelverein aktives Mitglied und zum anderen der Handball, da allerdings nur passiv bei den Damen der HG Owschlag-Kropp-Tetenhusen als Hallensprecher in der 3.Liga Nord. Von 1980-1995 und seit 2005 ist Gerd in Owschlag beheimatet, sein zuhause ist aber immer Amrum geblieben. Gerne würde er dauerhaft auf die Insel zurück, es fehlt bisher aber noch ein passendes Wohnungsangebot.

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2 comments

  1. Knut Sieger-ler

    Liebes Team von Amrum-News,

    diese traurigen Ereignisse jähren sich nun zum 50. Mal.
    Auch wenn zum Zeitpunkt des Hotelbrands nicht mehr in unserem Familienbesitz (das ist noch eine ganz andere Geschichte), freue ich mich immer wieder, dass von Zeit zu Zeit an das Hotel Bellevue und meinen Urgroßvater Johann Hinrich Eggers erinnert wird, der leider schon im Jahre 1927 verstarb.
    Herzlichen Dank für diesen eindrucksvollen Bericht.

    Familie Knut Siegerler, Norderstedt/Hamburg

  2. Amrum, Unglücksnacht vor 50 Jahren,
    Zu dem Zeitpunkt war das Bellevue Eigentum meiner Eltern Annemarie und Hans Hansen . Folgendes möchten wir richtig stellen : Es stimmt nicht, dass die Brandursache nie geklärt wurde. Amtlich bestätigt : Es war Blitzeinschlag mit Folgeschäden.
    Haus Seelöwe und das Bellevue waren zwei verschiedene Bauobjekte, das Bellevue musste nicht auf Grund
    von Baumängeln abgerissen werden, sondern das Haus Seelöwe. Das Restaurant Wikingkeller befand sich im
    Haus Bellevue und nicht im Haus Seelöwe.
    Meine Anmerkung: wenn schon Zeitungsartikel kopiert werden , dann bitte keine Spekulationen veröffentlichen.

    Kerrin und Arno Schermer

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