Der Kniephaken – von europaweiter Bedeutung …


Pfuhlschnepfen über dem Kniephaken. © Sturm

Tausende Vögel sammeln sich sowohl auf dem Kniephaken als auch in der angrenzenden Kniepsandbucht, um ungestört zu fressen, zu rasten und zu brüten. Für einige Arten ist der Kniephaken nahezu essenziel und von europaweiter Bedeutung.

Neben der Eiderente, dem Sandregenpfeifer und den Seeschwalben, die hier auch ihre Küken aufziehen, sind es vor allem Möwen, Austernfischer, Knutts, Alpenstrandläufer  und Pfuhlschnepfen, die auf dem Kniephaken rasten. Aus diesem Grund ist der Nehrungshaken an der Südspitze der Insel auch nicht nur jetzt zur Brutzeit geschützt sondern gilt als ganzjährig geschütztes Vogelbrut- und Rastgebiet.

Sandregenpfeifer profitieren von der Ungestörtheit in Schutzgebieten. © Chrobock

Unter den Brut- und Rastvögeln sind einige Arten, die starke Bestandsrückgänge verzeichnen, wie der in Deutschland vom Aussterben bedrohte Sandregenpfeifer. Bis zu 700 Sandregenpfeifer sammeln sich im Herbst auf dem Kniephaken bevor sie die weite Reise in ihre Überwinterungsgebiete bis nach Afrika antreten. Diese beachtliche Anzahl an Tieren, die gezielt das Gebiet Kniephaken aufsuchen, entspricht in etwa der Hälfte aller in Schleswig-Holstein zur Brutzeit vorkommenden Sandregenpfeifer. Am Kniephaken erlangen sie ihre notwendigen Energiereserven für die weitere lange Reise.

Eine Küstenseeschwalbe nach erfolgreicher Jagd. © Sturm

Die immer seltener werdende Küstenseeschwalbe und die vom Aussterben bedrohte Zwergseeschwalbe brüten in den neu entstandenen und immer größer werdenden Vordünen  am Kniephaken. Sie zählen zu den besonders stressempfindlichen Vogelarten. In einer Studie von Neebe und Hüppop wurde der Einfluss verschiedener Störreize auf brütende Küstenseeschwalben anhand der Herzschlagrate untersucht. Zur Erfassung der Herztöne wurde eine Stethoskop-Mikrophon-Einheit in den Boden des Nestes installiert. So konnte bei den Brutpaaren in entlegenen Gebieten festgestellt werden, dass Spaziergänger bereits mit einer Distanz von 250 Metern zu dem Gelege eine Tachykardie, also „Herzrasen“, bei den Brutvögeln auslösen. Bei einer Entfernung von 140 Metern zum Gelege war die Fluchtdistanz erreicht und der Brutvogel verließ das Nest. Generell galt, Spaziergänger, die einen Weg verließen und somit für den Brutvogel ein ungewohntes Verhalten zeigten, trieben den Herzschlag des Vogels in die Höhe. Die Studie belegt einmal mehr, wie wichtig es ist, Rast- und Brutplätze nicht zu betreten und sich an das Wegegebot zu halten- frei nach dem im touristisch genutzten Alpenraum verwendeten Slogan „RespekTIERE deine Grenzen“. Ungestörte Rast- und Brutplätze werden in den Küstenregionen leider immer weniger und somit immer wichtiger. Die Insel Amrum trägt daher eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Vogelarten.

Die Pfahlreihe am Schutzgebiet wurde von den Ehrenamtlern des Öömrang Ferian ausgebessert. © Naturzentrum Amrum

Das gesperrte Schutzgebiet des Kniephakens wird durch eine Pfahlreihe markiert, die vor der Brutsaison und der ersten Touristenwelle durch Ehrenamtliche des Öömrang Ferian i.f. wieder mit neuen Pfählen und Seil ausgebessert wurde. Darüber hinaus steht in regelmäßigen Abständen der Hinweis „Brut- und Rastgebiet – Bitte nicht betreten“.

Zur ungestörten Beobachtung der Vögel in diesem besonderen Gebiet eignet sich ganz hervorragend die Wandelbahn. Von hier können mit Fernglas und Spektiv die Vögel ganz nah herangeholt und somit ungestört beobachtet werden.

 

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Über Lotte von Komorski

Lotte von Komorski wurde 1988 in Heidelberg geboren und wuchs später in der Lüneburger Heide auf. Nach dem Bachelorstudium der Forstwirtschaft in Göttingen absolvierte sie noch ihren Master in Wildtierökologie und Wildtiermanagement in Wien. Nach vielen praktischen Erfahrungen in der Wildtierforschung und ersten Berufserfahrungen in der Naturschutzarbeit in Osteuropa zog es sie Ende 2018 aus Frankfurt am Main nach Amrum, um hier das Naturzentrum zu leiten.

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2 comments

  1. Das ist ein sehr guter und wichtiger Hinweis für Amrum-Urlauber und ich finde es prima, dass der Öömrang Ferian die Markierung mit Pfählen und Seilen erneuert. Leider haben wir bei unserem Aufenthalt von Ostern bis Ende April doch einige Menschen beobachtet, die sich darüber hinweggesetzt haben und durchs Schutzgebiet gelaufen sind – bei Niedrigwasser sogar vom Fähranleger aus.
    Darüber hinaus wundere ich mich immer wieder, dass trotz dieses Schutzgebietes das Surfen mit Segel und Kite auf der Wasserfläche innerhalb des Kniephakens erlaubt sein soll, denn auch hier kann man beobachten, wie viele Vögel von ihrem Rastplatz am Ufer und auch aus dem Wasser flüchten, wenn sich ein Surfer/Kiter mit hoher Geschwindigkeit nähert und ggf. der Kite dazu noch vergleichsweise dicht übers Wasser fegt.
    Ich möchte daher anregen, sich auch für die Ausweitung des Schutzgebietes auf die bei Hochwasser geflutete Wasserfläche innerhalb des Kniephakens stark zu machen, zudem es auf Amrum ja durchaus genügend Alternativen zum Surfen/Kiten gibt.
    Dr. Thomas Weber

  2. Der Schutz der Vögel auf dem Kniephaken ist schon seit vielen Jahren ein Thema und es ist erfreulich, dass sich Organisationen dafür einsetzen. Ich habe schon mehrfach bei verschidenen Institutionen darauf aufmerksam gemacht dass es dringend notwendig ist das Geländer auf der Südspitze zu verlängern und entsprechende Hinweisschilder aufzustellen. Immer wieder konnten wir beobachten, dass Gäste dort über die Steine nach unten klettern und über die schmale Wasserstelle auf den Kniephaken gehen. Selbst Hunde wurden dort ohne Leine laufen gelassen. Weist man darauf hin wird man angepöbelt oder ignoriert. Ich habe gehört, dass das Geländer abgebaut war und hoffe nun, dass man bei der Erneuerung daran gedacht hat die Absperrung weiter um die Spitze herum zu ziehen und die Gäste darauf hinweist, dass man dort nicht hinuntergehen darf. Wenn das Geländer nur in gleicher Länge erneuert wurde dann werden auch die neuen Pfähle und Schilder am Strandübergang nicht verhindern dass die Vögel gestört werden.

    M.Mülder

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